Ein Stück um die toten Kinder

Karl-Kisters-Realschüler können auch fröhlich. Im Projekt mit demTheater mini-artarbeiten sie aber ein sehr ernstes Thema auf.
Karl-Kisters-Realschüler können auch fröhlich. Im Projekt mit demTheater mini-artarbeiten sie aber ein sehr ernstes Thema auf.
Foto: NRZ
Das Theater mini-art arbeitet an einem Großprojekt zum Thema Kindereuthanasie in der NS-Zeit. Aufführungen sind für 2016 geplant

Bedburg-Hau..  Viele haben das Stück „Ännes letzte Reise“ im Theater mini-art auf dem Klinikgelände gesehen. Ein Stück über eine junge Patientin der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau, die während der NS-Zeit in Grafeneck ermordet wurde. Lebensunwertes Leben sei das, so die damals herrschende Ideologie. Man wollte es ausrotten, um die Erbanlagen des deutschen Volkes zu verbessern. Unter dem Begriff „Euthanasie“ ging dieser Irrsinn in die Geschichte ein.

Nicht nur Erwachsene wurden getötet, sondern auch Kinder. Mindestens 5000 Kinder starben in sogenannten „Kinderfachabteilungen“. Eine dieser Kinderfachabteilungen befand sich im Ort Waldniel unweit von Mönchengladbach. Das Gelände gehört dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), genau wie die Klinik in Bedburg-Hau. Da lag es in mehrfacher Hinsicht nahe, das Theater mini-art mit einer künstlerischen Aufarbeitung zu betrauen. „Wir recherchieren gerade, sammeln Material und führen Schulprojekte durch“, erläutert Anne Gollasch vom Theater mini-art. Das Thema sei bisher totgeschwiegen worden.

Gerade haben 18 Schülerinnen und Schüler aus den 10. Klassen der Klever Karl-Kisters-Realschule eigene Szenencollagen zum Thema Kindereuthanasie präsentiert. Mit großem Einführungsvermögen und Mut geben sich die Jugendlichen in die Rollen ein, als leidende Mutter, als tötende Krankenschwester, als Beobachter. Eine Projektwoche, die in der Schule nachhallt. Weitere Schulprojekte werden folgen.

Aufwändig

Das Team um Crischa Ohler, Sjef van der Linden und Regisseur Rinus Knobel muss nun in den nächsten Monaten ein Theaterstück entwerfen, das dann 2016 aufgeführt werden soll. „Weil das viel aufwändiger ist als alles, was wir normalerweise machen, gibt es im zweiten Halbjahr auch keine neue Premiere“, sagt Anne Gollasch. Unterstützt wird das Großprojekt vom Land NRW, vom LVR und maßgeblich von der Berliner „Stiftung EVZ, Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“.

„Ännes letzte Reise“ ist übrigens in dieser Spielzeit noch zu sehen, und zwar im November. Ab Ende November läuft dann auch wieder das Stück „Vom Prinzen, der auszog, die Liebe zu finden“. Mit diesem eigenwilligen Märchenstück hat mini-art beim jüngsten Westwind-Festival, dem Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW, nicht nur den Preis der Jury gewonnen, sondern auch den Publikumspreis. Rechtzeitig vor Weihnachten läuft auch wieder die witzige und berührende Weihnachtsgeschichte „Ox und Esel“.

Den Start am 27. September macht jedoch die Wiederaufnahme von „Orfeus und Eurydike ODER Efeu und die Dicke“ (16 Uhr). Die Inklusionstheatergruppe „Vogelfrei“ wird sich am 31. Oktober und 1. November mit dem Thema Freiheit auseinandersetzen. Und am 23. Oktober schließlich ist die Schauspielerin Karin Kettling zu Gast um (20 Uhr. Sie wird aus dem Roman „Wir sind doch Schwestern“ von Anne Gesthuysen lesen.

Weitere Informationen und Halbjahresprogramme gibt es unter www.mini-art.de und telefonisch unter 02821 / 811570.

 
 

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