Ein Streifzug durch die Gocher Geschichte

Der Markt in Goch um 1737 nach einer Federzeichnung von Jan de Beijer.
Der Markt in Goch um 1737 nach einer Federzeichnung von Jan de Beijer.
Foto: NRZ
Der Landschaftsverband Rheinland fasst im Städteatlas die wichtigsten Fakten zur Gocher Stadtgeschichte zusammen. Ein bedeutsames Nachschlagewerk für historisch Interessierte

Goch..  Das Format ist sicherlich nichts für die Lektüre auf dem gemütlichen Sofa. Etwas unhandlich muten die DIN-A3 großen Blätter an, die der Landschaftsverband für Landeskunde und Regionalgeschichte nun als „Rheinischer Städteatlas“ für die Stadt Goch zusammengestellt hat. Die historische Weberstadt an der Niers wurde als 99. Stadt in dieser Reihe aufgenommen. Trotz der sperrigen Handhabung ist das Kartenwerk mit den historischen Erläuterungen ein Muss für jeden Liebhaber der Regionalgeschichte. Denn im Städteatlas lassen sich viele historische Fakten nachschlagen, die durchaus interessant sind – auch wenn man sich hier ein ausführliches Inhaltsverzeichnis zur besseren Navigation gewünscht hätte.

Wer den textlichen Teil durchblättert, der erkennt schnell, dass Goch seinen Namen als Weberstadt nicht umsonst trägt. Noch im frühen 18. Jahrhundert gab es über 100 Gewerbetreibende, die mit der Verarbeitung von Wolle, Tuchen und Leinen ihr Geld verdienten. Die Hochzeit der Textilindustrie liegt allerdings bereits im Mittelalter. Der Graf von Geldern verzeichnete schon im 13. Jahrhundert reiche Einnahmen aus dem Markzoll, den er in Goch erzielen konnte. Im 14. Jahrhundert wurde Goch dann zum bestimmenden, niederrheinischen Ort des Tuchgewerbes.

Die Stadt der Weber

Für das Jahr 1413 notiert der Städteatlas mehrere Bleichen in Goch, unter anderem an der Schule und an der Stadtmauer. Sie waren ein wichtiges Zeichen, dass die Verarbeitung der Textilien in Goch in großem Umfang betrieben wurde. Das Geschäft war für die Gocher lukrativ und so wundert es nicht, dass sich 1438 ein Streit zwischen dem Gocher Wollenamt und der Konkurrenz aus Weeze entwickelte. Der Streit ist aktenkundig, weil Herzog Arnold von Geldern den Streit schlichten musste. Arnold unterstrich in seinem Schreiben die besonderen Privilegien der Gocher Tuchherstellung. Die Konkurrenz aus Weeze hatte das Nachsehen.

Gründung im 13. Jahrhundert

Das Gocher Textilgewerbe ging zwar im 15. Jahrhundert deutlich zurück, kam aber nie ganz zum Erliegen. Noch im 16. Jahrhundert sind für Goch sechs Tuchfabrikanten verbürgt, mit jeweils sechs Webstühlen und zwölf Arbeitern. Die Stoffe wurden auf den örtlichen Märkten in der Region verkauft.

Goch taucht erstmals im 12. Jahrhundert in Schriftquellen auf, die Anfänge der Siedlung, die auf dem Gut der Grafen von Geldern entstand, liegen jedoch im Dunkeln. Stadtrechte erhielt Goch wohl 1240 und gehörte damit in die zweite Gründungswelle der geldrischen Städte. Der Aufbau der Stadt dürfte zügig vorangegangen sein; dazu gehörten auch der erste, archäologisch nachgewiesene Kirchbau sowie eine Wall- und Palisaden-Befestigung, die wohl in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts durch eine Steinmauer ersetzt worden ist. Die in der Südostecke der Stadt gelegene Burg, 1340 als „des hertogs huis“ erstmals erwähnt, war dagegen nicht siedlungsbildend.

Die ältesten Funde, die der Landschaftsverband auf dem heutigen Stadtgebiet nachweisen kann, gehen auf die mittlere und jüngere Steinzeit zurück. Nördlich des Stadtkerns wurden 1981 verzierte Scherben gefunden, die aus dem Endneolithikum stammen – also um die Zeit 8000 bis 1800 vor Christus. Damals wurden auch 200 Steinartefakte aus der mittleren Steinzeit in einem Hügelgrab ausgegraben.

Römische Funde

Römische Funde lassen sich in Goch in der Gegend um Asperden und Hommersum finden. Der Landschaftsverband geht davon aus, dass es hier kleinere Siedlungen gegeben haben muss. Die bedeutendste römische Fundstelle liegt am Südrand des Reichswaldes am Steilufer zur Niers, wo man eine spätrömische Befestigungsanlage, ein Burgus, nachweisen kann. Ausgegrabene Münzen lassen darauf schließen, dass die Anlage im 2. Jahrhundert errichtet worden ist und um 400 nach Christus aufgegeben wurde. Die Anlage umfasste einen massiven Turm von 16 mal 16 Meter Länge, der von sieben Türmen umgeben war.

Einzigartig macht den Atlas das aufbereitete Kartenwerk, welches einen guten Eindruck von der historischen Darstellung Gochs gibt. Neben den schönen historischen Grundrissen aus dem 17. Jahrhundert hat der Landschaftsverband eine Katasterkarte erstellt, die auf eine Urkarte Gochs aus dem Jahr 1831 zurückgeht. Auf dieser Abbildung lassen sich sehr gut die einzelnen Straßen, die Stadttore und die katholische Kirche und die Synagoge hinter der Kustraße sowie der Marktplatz erkennen. Die Niers spielte damals bereits eine zentrale Rolle für die Stadt, sie umschloss das Zentrum von Norden und Süden.

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