Ein Romantiker in der Neuen Welt

Kleve..  „Anton Biester, lange Jahre einer der prominentesten Künstler in Cincinnati und das älteste Mitglied im Künstlerverein Cincinnati, starb am 26. März im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in Madisonville, Ohio.“ Das vermeldet die American Art News am 7. April 1917. Berühmt, schreibt die Zeitung im Nachruf, sei Biester hauptsächlich als Maler von Portraits und Panoramabildern gewesen. Immer wieder stößt man auf den Hinweis, das Deckengemälde im Justizpalast von Indianapolis sei sein Meisterwerk gewesen.

Die Ferne ist immer wieder Thema

In Wirklichkeit ist über Anton Biester nur wenig bekannt. Das Museum Koekkoek hat einige seiner Gemälde im Bestand. Sein Blick auf Kleve vom Kleverberg beispielsweise ist in der ständigen Ausstellung zu sehen. Idylle pur: Kleve ist noch ganz klein und ländlich, viel Himmel liegt über der Burganlage, der Mühle und den Giebelhäusern, und in der Ferne ist der Kirchturm von Qualburg zu erkennen.

Die Ferne ist immer wieder sein Thema: Gewitterwolken, Landschaften, Natur. Dazwischen, fast verloren, Tiere, Menschen oder Gebäude. Dass er einmal selbst in die Ferne ziehen würde, hat wohl niemand geahnt, als Anton Biester 1836 in Kleve geboren wurde. Er lernte erfolgreich zunächst bei B.C. Koekkoek, dem Begründer der Klever Malerschule. Später dann wechselte er nach Düsseldorf zu Oswald Achenbach. 1871 schließlich, mit 35 Jahren, wanderte er nach Amerika aus. Zusammen mit seiner dreißigjährigen Frau Elise und seinem kleinen Sohn. Warum? Wir wissen es nicht. Das Schiff „Hermann“ legte jedenfalls am 11. März 1871 in Bremen mit 404 Passagieren ab und kam am 27. März 1871 in New York an. Die Amerikaner haben genau Buch über ihre Einwanderer geführt. Biesters Sohn hieß übrigens Oswald, wie sein Düsseldorfer Lehrer.

In der Neuen Welt kam Anthony Biester mit seinen Bildern von niederrheinischen Landschaften offenbar sehr gut an. Zunächst ließ er sich in der Kleinstadt Covington im Bundesstaat Kentucky nieder. Nicht zufällig, denn dort lebten bereits viele deutsche Auswanderer. Genauso wie in Cincinnati, wohin die Familie schon 1872 umzog. Er stellte seine Werke schon in den frühen 70er Jahren aus, dann immer wieder. Von 1897 bis 1902 sogar im Kunstinstitut von Chicago.

Hoch hinaus wollte er immer, zumindest in seinen Bildern. Beeindruckend sind seine mitunter riesigen Bäume, geradezu Baum-Persönlichkeiten, die sich filigran nach oben und zur Seite hin verästeln. Malerisch ist er Romantiker der Klever Schule geblieben, und vielleicht war er damit in den Vereinigten Staaten auch besser aufgehoben als in Europa, wo Biesters nur unwesentlich jüngere Malerkollegen Paul Cezanne und Claude Monet so ganz andere Wege gingen. Anton Biesters Sohn Oswald übrigens wurde Freskenmaler und Innendekorateur.

 
 

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