Ein großer Wurf

Der niederländische Schriftsteller Jaap Robben hat seinen ersten Roman geschrieben.
Der niederländische Schriftsteller Jaap Robben hat seinen ersten Roman geschrieben.
Foto: Claudia Gronewald
Der junge niederländische Schriftsteller Jaap Robben legt gleich mit seinem ersten Roman „Birk“ ein ebenso faszinierendes wie verstörendes Buch vor

Kranenburg..  Seine Geschichte spielt auf einer abgelegenen Insel im Nirgendwo zwischen Schottland und Norwegen. In diesem Nirgendwo, das es nur in der Fantasie des Autors gibt, leben Dora und Karl, der neunjährige Mikael und sein Vater, Birk. Bis eines Tages das Schicksal über sie hereinbricht: Birk ertrinkt im Meer bei dem Versuch, den Ball des Jungen aus dem Wasser zu holen. Mikael verschweigt seiner Mutter, was passiert ist.

Beklemmende Erzählung

Was sich nun entwickelt ist die zunehmend beklemmende, fast verstörende Erzählung, was die Tragödie nach und nach mit den Übrig gebliebenen macht. Ein Buch, das man fast fassungslos liest und dennoch bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legen kann.

Mit dem Roman „Birk“ veröffentlicht der junge niederländische Schriftsteller Jaap Robben sein erstes Buch für Erwachsene und schafft gleich einen großen Wurf. Das Werk ist gerade in deutscher Sprache erschienen.

„Ich wollte herausfinden, was Einsamkeit mit Menschen macht“, sagt der in Kranenburg-Mehr lebende Robben im Gespräch mit der NRZ. Er habe die Idee gehabt, über das völlige Fehlen sozialer Kontakte und den unbeholfenen Umgang der Protagonisten mit Nähe zu schreiben.

In einer sparsamen, reduzierten Sprache erzählt der 32-Jährige von der immer größer werdenden Stille und dem Schweigen zwischen Mikaels Mutter Dora, Mikael und dem Fischer Karl. Schwer erträglich und doch faszinierend ist es für den Leser zu erfahren, wie die Mutter ihren heranwachsenden Sohn in ihrer entsetzlichen Einsamkeit immer mehr an sich zu binden sucht. So wirft sie alle Kleidungsstücke des Jungen weg und zwingt ihn dadurch die Sachen seines Vaters anzuziehen.

„Das Buch“, sagt Robben, „war wie ein Experiment für mich.“ Und er erzählt von persönlichen Erfahrungen als Freiwilliger in einem Heim für Demenzkranke und einem Gespräch mit einer alten Dame, die ihn für ihren längst verstorbenen Mann hielt. Ihn habe beschäftigt, so der Autor, dass die Frau nach Kontakt zum Vertrauten suchte und dabei schon so lange mit sich allein war.

Zum Thema macht er aber auch die unausgesprochen bleibende Schuld des Jungen am Unglück des Vaters. Denn, am Ufer der Insel mit dem Ball zu spielen hatte seine Mutter ihm verboten.

Ein ebenso leises wie ergreifendes Buch, das verstört und fasziniert zugleich.

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