Ein erkämpfter Erfolg

Andreas Gebbink
Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber führt seit 2005 die Geschäfte in Weeze.
Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber führt seit 2005 die Geschäfte in Weeze.
Foto: Kleve
Ludger van Bebber ist stolz auf die Entwicklung des Flughafens. Trotzlangjähriger Rechtsstreitigkeiten habe sich der Airport gut entwickelt

Weeze.  Ludger van Bebber überlässt ungern etwas dem Zufall. Der Manager des Flughafens Niederrhein sitzt im Restaurant der Abflughalle und erzählt über die noch junge Geschichte des Airports Weeze. Es waren zehn turbulente Jahre, mit langwierigen Rechtsstreitigkeiten, Anfeindungen und anfänglichen Misserfolgen – für Ludger van Bebber und seine Mannschaft eine anstrengende Zeit. Aber heute, zum Jubiläum des Flughafens, darf er eine positive Bilanz ziehen. Denn trotz aller Widerstände und Widrigkeiten hat sich der Airport auf dem Markt durchgesetzt und eine Stellung erkämpft. Ein Erfolg harter Arbeit.

Wie gesagt: Ludger van Bebber überlässt ungern etwas dem Zufall. Das neue Restaurant, in dem er gerade sitzt, vermittelt eine gemütliche Atmosphäre. Wie man hört, hat der Geschäftsführer bei der Gestaltung des Aufenthaltsraumes ein Wörtchen mitgeredet. Der rustikale Konferenztisch, die bequemen Stühle, die Bilder an den Wänden, die Farben für die Polsterbezüge der Sitzbänke: Ludger van Bebber kümmert sich auch um Details. Selbst der Teppich wurde auf seinen Wunsch mit der Einrichtung abgestimmt – er greift die Farben des Wanddekors auf.

Ein Alleinstellungsmerkmal als Unternehmen zu entwickeln, sei ein wichtiges Ziel der Unternehmensführung, sagt van Bebber. Und das beschränkt sich in seinem Selbstverständnis offenbar nicht nur auf die Auswahl der Airlines und Reiseziele, mit denen er dem Flughafen Niederrhein zum Erfolg verholfen hat. Die Gäste des Flughafens Niederrhein sollen sich wohl fühlen, zufrieden sein. Und dazu zählt auch ein geschmackvolles Restaurant.

Seit 2005 führt Ludger van Bebber die Geschicke in Weeze. Und dass er sich als Flughafen-Chef durchgesetzt hat, war ursprünglich gar nicht geplant. Als Geschäftsführer der Kreis Klever Baugesellschaft (KKB) bekam er den Auftrag, sich den sich in Turbulenzen befindenden Flughafen anzuschauen und neue Strukturen aufzubauen. „Mein Engagement war zuerst als Übergangsintermezzo geplant“ erinnert sich van Bebber. Dabei kam er gar nicht aus der Flughafenbranche. Er verfügte zwar über kaufmännische und technische Kenntnisse, aber die besonderen Fallstricke der Flugbranche kannte er nicht. Van Bebber hat sich reingekniet und dies auch als Chance für sich gesehen: „Wenn man ein Unternehmen managet, kommt es am Ende auf zwei Kernfragen an: Wie ist man personell aufgestellt? Und: Was ist das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens?“ Für van Bebber war schnell klar, dass man auf die neue Entwicklung des „Low-Cost-Fliegens“ aufspringen muss.

Für ihn und den Flughafen war die allgemeine Reiselust der Europäer ein Glücksfall. Es war das Jahrzehnt der Low-Cost-Anbieter. Ryanair konnte in den 2000er Jahren seine Idee vom Billigfliegen salonfähig machen und der Flughafen Niederrhein profitierte von dieser Entwicklung ungemein. 2006 nutzten 500 000 Passagiere den Flughafen, heute sind es fünf Mal so viele. „Wir wussten, dass wir nicht viel Zeit für unsere Entwicklung haben“, sagt van Bebber. Doch mit der Stationierung von Ryanair-Flugzeugen in Weeze kam 2006 der Take-Off: Die Reiseziele konnten deutlich ausgeweitet werden, mit den Charterflügen wurde ein neues Segment aufgebaut – und damit stieg auch das Interesse, ab Weeze zu fliegen. „Mit 60 Strecken haben wir heute ein gewaltiges Angebot“, sagte van Bebber. „Wir sind jetzt die Nummer 3 in NRW und der Abstand zu den anderen Kollegen wächst noch.“

Und die starke Abhängigkeit von Ryanair? „Das ist der Preis, den man für seine Strategie zahlt. Aber was ist die Alternative? Die Alternative wäre, dass wir deutlich weniger Flüge anbieten können“, sagt van Bebber. Und dann würde der Flughafen bedeutungslos.

Den Glauben an den Erfolg hat Ludger van Bebber nie aufgegeben. Auch nicht, als im Januar 2006 das Oberverwaltungsgericht in Münster dem Airport die Betriebsgenehmigung entzog. „Sicherlich war das damals der Super-Gau“, sagt van Bebber heute. „Das hat uns ganz schön durchgeschüttelt.“ Für das Geschäft sei dies ein gewaltiger Hemmschuh gewesen. „Wir hätten uns sonst sicher schneller erfolgreich entwickelt.“ Aber: „Man darf auch nicht immer nur auf die kurzfristigen Entwicklungen achten. Langfristig hat sich gezeigt, dass die Branche stetig gewachsen ist. Und dies wird sich auch so schnell nicht ändern“, ist sich van Bebber sicher.