Ein dunkles Kapitel der Geschichte

Crischa Ohler und Sjef van der Linden vom Theater Mini art
Crischa Ohler und Sjef van der Linden vom Theater Mini art
Foto: NRZ
Kinder- und Jugendtheater Mini art stellt Spielplan vor. Das neue Stück „Das Schutzengelhaus“ ist keine leichte Kost, es beschäftigt sich mit Kinder-Euthanasie

Bedburg-Hau..  Langsam schiebt die Frau mit den offenen Haaren den Rollstuhl mit dem kleinen Menschen darin herein. Ganz in Weiß bandagiert hat die Puppe nicht mal Gesichtszüge. Verschreckt reagiert ist der kleine Junge in kurzen Hosen, mit schwarzen Kniestrümpfen, die in schwarzen Schnürschuhen stecken – gekleidet in der Mode der 1930er, 1940er Jahre. Mit dieser Szene beginnt das neueste Stück des Kinder- und Jugendtheaters mini art. Derzeit wird noch geprobt, die Premiere für „Das Schutzengelhaus“ ist für das Wochenende 30. September bis 2. Oktober vorgesehen.

Das Stück, eine theatrale Collage zum Thema Kinder-Euthanasie im Nationalsozialismus, ist alles andere als leichte Kost. Nach „Ännes letzte Reise“ im Jahr 2012 beschäftigen sich die Theatermacher Crischa Ohler und Sjef van der Linden erneut mit einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte, noch dazu mit einem weniger bekannten. Am Beispiel der ehemaligen Kinderfachabteilung Waldniel-Hostert bei Mönchengladbach recherchierten die beiden die grauenvollen Schicksale von Kindern, die der ehemaligen Pflegeanstalt zur „Behandlung“ überlassen und dort gequält und ermordet wurden. Die Kinder galten nach der Ideologie der Nazis als „unwertes Leben“.

„Wir wollen nicht Änne 2 spielen“, erklärt Crischa Ohler. Bei der Vorbereitung aber seien sie schon damals immer wieder auf die Kinder-Euthanasie gestoßen. Das jetzt entstandene Stück sei eine Collage aus persönlichem Herangehen an das Thema und dokumentarischen Anteilen. So zeigen auf das Bühnenbild aufgespielte Bilder das alte Gebäude in Waldniel, das heute dem Verfall preisgegeben ist.

Kurze Texte nennen historischen Fakten oder sind etwa Zitate Hitlers. Erzählt wird die Geschichte aus den wechselnden Perspektiven eines Kindes, seiner Mutter und Ärzten. „Das Publikum“, sagt Regisseur Rinus Knobel, „soll einen Eindruck bekommen vom Gedankengut damaliger Zeit.“ Zum Schauplatz des Bühnenstücks wählte mini art die verlassene Ruine der Anstalt. Nach der Schulpremiere am Freitag, 30. September, 10 Uhr, spielt mini art das Stück erstmals am Samstag, 1. Oktober, 18 Uhr, und Sonntag, 2. Oktober, 16 Uhr, auf der Bühne am Brückenweg 5.

Wieder im Spielplan sind in der kommenden Spielzeit u.a. „Oskar und die Dame in Rosa“ für Zuschauer ab 12 Jahren (12., 14. und 15. November) und „Vom Prinzen, der auszog die Liebe zu finden“ für Kinder ab fünf (27. und 28. November, 2., 3., 5. und 6. Dezember). Weitere Infos und Karten, 02821/81 15 70 oder www.mini-art.de

 
 

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