Ein Denkmal für Karl Leisner

Ein Denkmal vor der Stiftskirche erinnert an den 1996 selig gesprochenen Karl Leisner.
Ein Denkmal vor der Stiftskirche erinnert an den 1996 selig gesprochenen Karl Leisner.
Foto: NRZ
Der Internationale Karl Leisner Kreis weiht das erste Denkmal für den Geistlichen vor der Klever Stiftskirche ein. Geschaffen vom Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim

Kleve. Zwei Jahre ist es her, dass die Mitglieder des Internationalen Karl Leisner Kreises (IKLK) im Klever Kolpinghaus die Idee entwickelten, knapp vier Monate hat es gedauert, bis die Finanzierung ihres Projektes gesichert war, ein Jahr lang arbeitete der in Düsseldorfer lebende Bildhauer Bert Gerresheim an der Realisierung. Gestern nun wurde das Karl Leisner Denkmal vor der Stiftskirche installiert. Mit einem Festakt am kommenden Samstag wird es eingeweiht.

Intensive Spurensuche

„Das alles ist ein einziger Glücksfall“, freute sich die Vizepräsidentin des IKLK und Nichte Karl Leisners, Monika Kaiser-Haas, über den reibungslosen Ablauf. Man habe lange überlegt, wie man Karl Leisner ehren könne“, erinnert sich Kaiser-Haas. Das Klever Kunstwerk ist das erste ‘richtige’ Denkmal für den Geistlichen, der 1915 in Rees geboren wurde und 1945 an den Folgen seiner KZ-Haft starb. Bislang, sagte Kaiser-Haas, gebe es lediglich Reliefs von ihm, so unter anderem im Kevelaerer „Portal der Versöhnung“. Auch tauche Karl Leisner in Kreuzwegen auf, ergänzte Dr. Udo Grote, Diözesankonservator und Leiter des Stiftsarchivs Xanten.

Für den Leisner-Kreis sei die Wahl schnell auf Gerresheim gefallen. „Er ist ein bedeutender sakraler Künstler und hat sich seit langem mit Karl Leisner beschäftigt.“ Im übrigen gebe es auch eine Verbindung nach Kleve und zur Stiftskirche: Gerresheim schuf das Gedenkkreuz in der Apsis des Gotteshauses.

„Meine Darstellung Leisners entstand durch eine intensive Spurensuche, Lektüre von Schriften und Dokumenten sowie den Besuch von Orten, an denen er sich aufhielt“, erklärte Gerresheim. Er müsse, so der Künstler, Berührung schaffen, um möglichst authentisch zu arbeiten.

Die zweieinhalb Meter hohe, auf einer Stele ruhende bronzene Büste zeigt Leisner im Messgewand seiner Primizfeier vor 70 Jahren im KZ Dachau, eine Verletzung am Kopf weist ihn als Märtyrer aus, der unter der Nazi-Herrschaft gelitten hat. 1996 wurde Karl Leisner von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Am Fuß der Stele ergänzen ein (zerbrochenes) Hakenkreuz, eine aufgesprengte Fußfessel und ein Stück Strick dieses Bild. An ihrer Seite erfährt der Betrachter Einzelheiten aus dem Leben Leisners.

Die Bronze-Figur ist 700 Kilogramm schwer und wurde in der Düsseldorfer Kunstgießerei Schmäke zunächst in sechs Einzelteilen gegossen, später verschweißt und ziseliert. Mit Blick auf den häufigen Diebstahl wertvoller Skulpturen in der Vergangenheit versprach Seniorchef Karl-Heinz Schmäke, „dass dieses Objekt fest verankert wird und nicht entfernt werden kann“.

Zu den Kosten: Ausschließlich über Spenden kamen innerhalb kürzester Zeit rund 40 000 Euro für das Denkmal zusammen. Die Stadt Kleve beteiligte sich mit 6500 Euro an der Realisierung (die NRZ berichtete). Der Künstler verzichtete auf ein Honorar.

Begleitbuch im nächsten Jahr

Ergänzend zur Realisierung der Büste, die seit gestern vor der Stiftskirche (Kapitelstraße) steht, wird es im kommenden Jahr ein Begleitbuch geben. Erscheinen soll es Ende 2015. „Die Veröffentlichung“, schreibt der Bonner Autor und Kunsthistoriker Prof. Dr. Wilfried Hansmann in seinem Vorwort, ist beides: Lese-Buch über Karl Leisner und reich illustrierte Dokumentation über die Entstehung eines Kunstwerks.“ Aus Sicht seines Schöpfers, so Hansmann, gebe die Skulptur Karl Leisner eine „letzte und bleibende Kontur“.

Bert Gerresheim habe schon 1993 bei einem Besuch in Kleve eine erste Idee für eine Stele mit Büste in einem Skizzenblock festgehalten, berichtete Hansmann. Dass er sie so annähernd auch umgesetzt hat und wie sich der Künstler an die Figur herantastete, belegen die zahlreichen Illustrationen in dem Buch, das bei Butzon und Bercker in Kevelaer verlegt wird.

Zeitgleich mit der Einweihung des Denkmals eröffnet eine Ausstellung in der Kirche.