Diskussion um KAG-Neubau wäre verfrüht

Der Wohnmobilstellplatz an der van-den-Bergh-Straße schräg gegenüber der Margarine-Union am Bahnhof, wäre als Bauplatz denkbar.
Der Wohnmobilstellplatz an der van-den-Bergh-Straße schräg gegenüber der Margarine-Union am Bahnhof, wäre als Bauplatz denkbar.
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Wichtig, dass jede Schulform eine vernünftige Unterkunft hat. Architekt bremst weiter Schulentwicklung aus

Kleve.  Der Wohnmobilstellplatz hinterm Bahnhof ist nun als möglicher Bauplatz für einen Neubau eines Konrad-Adenauer-Gymnasiums im Gespräch. Die Stadt erfüllt mit dem Vorschlag den Ratsauftrag, bis 30. September geeignete Grundstücke zu suchen. Das zu diskutierten aber wäre verfrüht, weil das mit dem Raumprogramm beauftragte Architektenbüro Hausmann seine vergleichende Arbeit erst begonnen hat. Daraus erwächst die Frage, was erschwinglicher und pädagogisch sinnvoller sei, Altbausanierung KAG am Köstersweg – was Schule, Lehrer, Eltern wünschten – oder Neubau – möglicherweise gleich-teuer und nachhaltiger? „Es ist nichts spruchreif, aber ein stadteigenes Grundstück zu nutzen, wäre sinnvoll, weil preiswerter“, sagt Schulausschussvorsitzende Petra Tekath (SPD). „Das Thema ist unplatziert jetzt. Aber grundsätzlich wäre das Grundstück sehr geeignet, wenn man überhaupt auf die Idee kommt, neu zu bauen“, sagt Jörg Cosar, CDU.

„Zwei Schulthemen muss man in Kleve trennen. Für die deutliche Verbesserung der schulischen Infrastruktur in Kleve ist die Frage Neubau-oder-nicht zurzeit nicht die wichtige, es ist ein Marginalthema. Relevant ist, dass jede Schulform eine vernünftige Unterkunft hat“, mahnt Michael Bay, Grüne. Er erinnert, dass ins vom-Stein-Gymnasium die wesentlichen Konjunkturpaket-II-Gelder flossen, die Kisters-Realschule ein „hervorragendes Gebäude“ nutze. Aber dass seit viereinhalb Jahren die Realschule Hoffmannallee längst schick saniert sein müsste und die Sekundarschule „aus der Hütte des Sebus’“ dorthin umgezogen sein sollte. „Es ist ein Schlagwort: ‘Das Schulgebäude ist der dritte Pädagoge’. Aber es stimmt auch“, so Bay.

Es macht scheinbar alle Ratspolitiker richtig sauer, dass allein ein Architekt mit seinem Ich-habe-den-Sanierungsauftrag-nicht-bekommen-Einspruch vor der Vergabekammer das Schülerleben in Kleve nachhaltig über Jahre stören kann. Er bremst die Sanierung Hoffmann-allee aus, somit den Einzug der Sekundarschule, der für 2018 terminiert ist. Alle geplanten Schul-Umzüge in Kleve sind ineinander verzahnt. „Es bringt mich auf die Palme, dass bestimmte Leute mit ihren Eitelkeiten und dann auch langsam arbeitende Richter verhindern, dass die Schullandschaft effizient ausgebaut und vernünftig Unterricht gemacht werden kann. Weil wir uns von einem Provisorium zum anderen hangeln müssen“ beklagt Bay. Er sieht schwarz, wenn der Architekt noch vors Oberlandesgericht in die nächste Instanz zöge. „Wenn wir Pech haben, verlieren wir die Fördergelder“ für ökologische Sanierung, ahnt Bay. Knapp sei auch die Zeit, um die Wilhelm-Frede-Schule Rindern zum Gesamtschulstandort zu vergrößern. „Über 900 Kinder stehen 2018 vor der Tür und wollen rein“.

Zum uneinsichtigen Architekten beschreibt Rechtssekretärin Petra Tekath auf NRZ-Anfrage: „Da werden dann hoch bezahlte Richter tätig, prüfen jedes Komma. Eine Vergaberüge kann dazu führen, dass man verliert; das ist meist egal, wenn man eine Rechtsschutzversicherung hat, oder dass man Geld raus bekommt oder doch den Zuschlag oder eine Nachbesserungsfrist von sechs Monaten. Darunter leiden Schüler, Lehrer, die Mitarbeiter im Bauamt. Sie sind frustriert und der Streitwert ist dabei lächerlich klein.“

Generell fände Michael Bay übrigens ein Grundstück am Bahnhof für einen eventuellen KAG-Neubau „genial“ und die Erreichbarkeit „ideal“. Zumal beim zuvor diskutierten Grundstück hinter der Kisters-Realschule die Privateigentümer nicht verkaufen wollen und das Zevens-Grundstück gegenüber unter 120 000-Volt-Kabeln liegt – ein Verfahren zur Verlegung der Hochspannung würde drei bis fünf Jahre dauern. Grundsätzlich befürwortet Bay einen Neubau nach modernen pädagogischen Richtlinien vor den „nostalgisch-emotionalen“ Sanierungswünschen im riesigen KAG-Gebäude.

 
 

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