Diskussion kann der Hochschule schaden

Astrid Hoyer-Holderberg
Über die Wahl der Präsidentenstelle an der Hochschule Rhein-Waal ist ein heftiger Streit entbrannt.
Über die Wahl der Präsidentenstelle an der Hochschule Rhein-Waal ist ein heftiger Streit entbrannt.
Foto: WAZ FotoPool
Präsident der Nimwerger Radboud-Uni: Vorwürfe gegen ihn seien unter der Gürtellinie

Kreis Kleve.  Dass sich jetzt in die Wahl einer Hochschulpräsidentin der Landrat, der Klever Bürgermeister und Vertreter der lokalen Wirtschaft einmischen, kann böse Folgen haben. Das befürchten mehrere Personen an der Hochschule Rhein-Waal und mit ihnen auch der Vorsitzende des Senats, Prof. Dr. Ralf Klapdor. „Wie man die Radboud Universität Nimwegen als Konkurrenz darstellen kann, das ist absoluter Unfug“, urteilt er über die Äußerungen von Landrat Wolfgang Spreen gestern. „Das ist ein Bestandteil der Diskussion, die mit Sicherheit der Hochschule schaden kann. Wir verprellen einen Partner mit diesem Zungenschlag. Das ist inhaltlich nicht geboten. Das ist sehr gefährlich“.

Der Vorsitzende des Hochschulrates, Prof. Dr. Gerard J.M. Meijer, Präsident der Radboud Universität Nimwegen, sagt auf anfrage der NRZ: Die öffentlichen Vorwürfe gegen ihn seien dermaßen unter der Gürtellinie, dass er dazu keine Stellung nehmen wird.

Die Hochschule Rhein-Waal ist in der Kooperation mit Nimwegen nicht nur gerne Partner, sondern auch darauf angewiesen. „Wir haben kein Promotions-Recht“, erinnert Prof. Klapdor. Deshalb sei die Zusammenarbeit „exorbitant wichtig. Für uns war es stets angenehm, ja, wir waren eher überrascht, wie gut die Gespräche auf Augenhöhe funktioniert haben“ zwischen der kleinen Hochschule in Kleve/Kamp-Lintfort und der großen Uni Nimwegen, sagt Klapdor. „Das ist für deutsche Unis nicht selbstverständlich“. Wenn die Äußerung des Landesrates an der Radboud ernst genommen würden, sei ein Schaden für die Hochschule Rhein-Waal „erst schrittweise“ zu spüren.

Einmischung durch Klever Politik

Auf die Einmischung in den demokratischen Findungsprozess einer Hochschulpräsidentin reagieren außerdem die Kollegen am Hochschulstandort Rhein-Waal in Kamp-Lintfort „befremdet“. Dass man hier eine „öffentliche Klever Diskussion draus macht.“ Rechtlich hat das Land die „kritische Öffentlichkeit in Form des Hochschulrates angelegt. Der Senat vertrete die interne Meinung der Hochschule, so Klapdor. „Nun versucht man, alles auf den Kopf zu stellen.“ Die Kollegen in Kamp-Lintfort beobachteten mit Sorge, was durch die Aktionen in Kleve „alles kaputt geht“. Kamp-Lintfort übrigens stellt zwar nur eine Fakultät, aber die größte Anzahl an Professoren und an Mitarbeitern an der Hochschule Rhein-Waal.

Wie berichtet, haben sich mehrere Politiker – unter ihnen Wolfgang Spreen und Theo Brauer – und Wirtschaftsvertreter öffentlich zu Wort gemeldet, um Dr. Marie-Louise Klotz im Amt zu halten und eine Nachfolge durch Dr. Heide Naderer zu verhindern, die aber von der Findungskommission einstimmig nominiert war.