Dieser Job ist eine runde Sache

Joachim Böhmer ist Geschäftsführer bei DerbyStar.
Joachim Böhmer ist Geschäftsführer bei DerbyStar.
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Derbystar in Goch: Joachim Böhmers Entscheidungen wirken sich für 45 Leute hier und 1500 im Fair-Trade-Betrieb in Pakistan aus.

Goch..  Der Ball ist rund und einer wie der andere? Nein, Fußballer vertrauen Fußball-Herstellern, Handballer den Herstellern von 58-Zentimeter-Bällen. Das hat „Derbystar“ in Goch erfahren und fusionierte mit den Dänen von „Select“ (1,5 Millionen Umsatzvolumen). Seit dem vorigen Jahr werden zwei Best-Marken deutschlandweit aus einer Hand von Goch aus vertrieben.

Derbystar ist und bleibt der Fachmann für den Fußball, speziell in Deutschland und den Niederlanden – dort rüstet das Unternehmen seit 2006 auch die niederländische Fußballliga „Eeredevisie“ aus, was aktuell für weitere vier Jahre verlängert wurde. Goch bespielt obendrein Japan und Kanada. Produktion, Marketing und Administration hat Joachim Böhmer von der Feldstraße aus im Blick.

„Ich bin seit über 30 Jahren im Unternehmen und habe alles gemacht, außer Buchhaltung.“ Lager, Verkauf, Einkauf. Der Mann, der Industriekaufmann bei „Elefantenschuh“ gelernt hatte, brachte Derbystar mit auf das Level, auf dem es steht. 2006 machte es fünf Millionen Euro Umsatz, 12,5 Millionen Euro Umsatz sind es heute.

Joachim Böhmer ist einer, der nicht in zweiter Reihe steht, sondern Verantwortung nicht scheut. „Ich nehme gerne Einfluss auf das, was ich mache“, sagt Böhmer, der mit einem zweiten Prokuristen (Andreas Filipovic in Verkauf und Sponsoring) das Unternehmen seit 2007 eigenständig leitet.

45 Leute im Betrieb in Goch und neun Außendienst-Mitarbeiter teilen seinen Stolz, genau für diese Firma tätig zu sein. Bei der Umsatzentwicklung half, als Böhmer mit entschied: Nicht mehr freie Handelsvertreter, sondern eigene Derbystar-Leute überzeugen den Sportfachhandel von der Qualität der Gocher Produkte: Bälle (übrigens auch die der Kino-Kinderbande „Die wilden Kerle“), Sporttaschen, Ballsäcke bis Schienbeinschützer, mittlerweile ein beachtliches Sortiment an Trikots und neuerdings Torwart-Handschuhe.

An der Neuentwicklung von flexiblen Materialien mit weicher Struktur – Hightech Polyurethan – hat Joachim Böhmer seinen Entscheidungs-Anteil. Mit Spannung erwarten Fans zudem geänderte Designs, die NL-Liga wechselte etwa von Petrol-Orange jetzt zu Weiß-Grau-Silber.

Ball mit GPS-Technik

Auch die Technik macht den Job zur runden Sache. Derbystar entwickelte den Ball mit Tor-Chip per GPS-System: ob der Fußball nun drin war oder auf der Linie. Das wurde 2012 von der FIFA anerkannt. Der i-Ball („intelligent ball“) kam aber leider nicht zur weltweiten Anwendung, sondern das kamera-basierte System.

Produziert wurde zunächst in Goch, einer Lederfabrik für Reitsättel, Gamaschen und Bälle, dann in Ungarn, seit den 80er Jahren in Pakistan. Unter fairen Bedingungen. Die Produktionsstätte in Sialkot erfüllt die Fairtrade-Standards. Jedes Jahr erneut sitzt Joachim Böhmer mit am Beratungstisch und bekräftigt, dass allen Ball-Nähern aus der islamischen Republik vor Ort weiterhin der Derbystar-Sozialfond angeboten wird: Schulbesuch für die Kinder, Hygieneschulung, Gesundheitsversorgung für die Familien der Näher/innen (geleitet von einer deutschen Mitarbeiterin). Die meisten der 1500 Näher/innen sind fest angestellt. Zweimal im Jahr schaut sich Joachim Böhmer vor Ort um, „ansonsten halten wir Kontakt per e-mail oder Skype“, dem Video-Telefon.

Doppelknoten

Die Pakistani nähen lieber die neuen weichen Materialien, denn das geht schneller, sie werden nach Menge bezahlt. Aber für Profifußball muss es eher das stabile Material sein. Es liegt mit an Manager Böhmer, wenn den Nähern vorgestanzte Löcher in den Ball-Puzzleteilen die Arbeit erleichtern. Neopren-Schaumstoff als Untermaterial „hat uns aber nicht überzeugt“, so der Gocher. „Unser Know-how, unsere Qualität, sind unser höchstes Gut“. Egal, dass Konkurrenten am Markt ihre Näher nach jedem Stich bloß einzelne Knoten setzen lassen, Derbystar besteht bei 18 Metern Faden pro Ball auf Doppelknoten, damit es hält.

Besonders im Freizeit-Ballsport gewinnt neben Qualität fair produzierte Ware an Bedeutung. Privatleute erlauben sich her, darauf zu achten. „Vereine haben ein festes Budget für zehn Bälle“, vergleicht Familienvater Böhmer, der seit dieser Saison Trainer der 1. Mannschaft seines Heimatvereins SV Nütterden ist.

Am Rande bemerkt: Als der BVB Borussia Dortmund 1995 Deutscher Meister wurde, spielte er mit einem Derbystar-Ball...

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