Die Zukunft gehört dem Fahrrad

Andreas Gebbink
NRW-Verkehrsminister Michael Groschek unterschrieb die Mitgliedsurkunde im AGFS. Bürgermeisterin Sonja Northing und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks waren dabei.
NRW-Verkehrsminister Michael Groschek unterschrieb die Mitgliedsurkunde im AGFS. Bürgermeisterin Sonja Northing und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks waren dabei.
Foto: NRZ
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und NRW-Verkehrsminister Michael Groschek zeigten Verkehrslösungen für die Zukunft. Kleve ist Mitglied in der AGFS

Kleve.  Der Unfall mag schon 50 Jahre zurück liegen, aber Barbara Hendricks ist er im Gedächtnis haften geblieben. Auf dem Weg zum Freibad nach Kellen ist sie „ganz fies mit dem Fahrrad gestürtzt.“ Damals gab es in Kleve noch kein Radverkehrswegekonzept und keine üppige Fahrradwege. Dafür gab es eine Straßenbahn und just in jenen Schienen ist die heutige Bundesumweltministerin als Kind hängen geblieben. Vom Fahrradfahren hat sie dieser Sturz nicht abgehalten. Im Gegenteil: Barbara Hendricks ist in ihrer Freizeit mit großer Begeisterung auf der Rad unterwegs.

Die Klever SPD-Politikerin erzählt den Schwank aus ihrem Leben am Freitagnachmittag während einer Feierstunde im Klever Kolpinghaus. Ihre Heimatstadt hat es geschafft, mit einem überzeugenden Konzept und ersten Taten in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte (kurz AGFS) aufgenommen zu werden. Für Hendricks sind die Maßnahmen der vergangenen Jahre eine wegweisende Politik für die Zukunft. Denn das Auto werde auf dem Land natürlich auch in den nächsten Jahren noch eine sehr wichtige Rolle spielen. Aber angesichts verstopfter Straßen würden Elektrofahrräder für den Berufsverkehr immer wichtiger: „In Berlin haben bereits heute 40 Prozent der Haushalte kein Auto mehr“, sagte Hendricks. Dies werde man natürlich auf dem Lande niemals erreichen können, aber eine fahrradfreundlichere Politik wird eine Politik der Zukunft sein: „Wir werden auch darüber nachdenken müssen Fahrspuren zurück zu bauen und neue Fahrradstraßen anzulegen“, sagte sie.

Im kommenden Jahr werde ihr Ministerium auch den Bau von Radwegen in Kommunen fördern können. Die Haushaltsmittel stehen dafür bereit: „Ich kann nur dazu ermutigen, den Radverkehr auszubauen“, so Hendricks, die anerkennend lobte, dass Kleve bereits 800 000 Euro in die Verbesserung des Radverkehrs investiert habe.

Staus auf dem Radschnellweg

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek zeigte sich überrascht, dass Kleve noch nicht Mitglied in der AGFS ist. „Sie liegen doch so nah an den Niederlanden“, sagte er. Es sei gut, dass sich die Stadt auf den Weg gemacht habe. Denn die Elektromobilität werde sich bis 2020 nicht auf vier Rädern, sondern auf zwei Rädern vollziehen, ist ist Groschek sicher. Er nannte ein kurioses Beispiel aus Wuppertal: „Hier gibt es auf einem Radschnellweg regelmäßig Staus. Den müssen wir jetzt mit einer Verbreiterung des Straße beheben“, schmunzelt Groschek. Dieses Beispiel zeige, wohin die Zukunft die Radmobilität noch führen werde.

Der Minister lobte das gute Verkehrskonzept, die guten Radwegeverbindungen und die Fahrradstraßen. Gleichwohl könne man immer noch vieles verbessern. Die Ampelschaltung etwa oder die Öffnung der Fußgängerzone: „Wo Busse fahren können, sollten auch Radfahrer Platz haben können“, so der Verkehrsminister. Allerdings müssten sich auch die Radfahrer rücksichtsvoller verhalten: „In der Fußgängerzone muss der Fußgänger Vorrang haben. Das muss so auch bleiben“.

Bürgermeisterin Sonja Northing dankte ihrer Verwaltung für das Engagement. Auch in Zukunft werde es darum gehen, den Radverkehr in der Stadt zu stärken.