„Die Verwaltung muss sich öffnen“

Andreas Gebbink
Sonja Northing will Bürgermeisterin in Kleve werden.
Sonja Northing will Bürgermeisterin in Kleve werden.
Foto: NRZ
Sonja Northing möchte als Bürgermeisterin mehr Transparenz und Bürgernähe walten lassen. Es geht um Netzwerkarbeit mit dem Bürger

Kleve.  Sonja Northing ist zurzeit viel unterwegs. Fast jede Mittagspause nutzt die 47-Jährige, um Termine abzuarbeiten. „Als Fachbereichsleiterin habe ich nie in der Öffentlichkeit gestanden“, sagt sie. Und das muss sie jetzt im Wahlkampf nachholen. Sonja Northing will Bürgermeisterin in Kleve werden und klappert jetzt in ihrer Freizeit die Festivitäten der Stadt ab. Sie will mit den Bürgern ins Gespräch kommen, sich vorstellen, zuhören. Bislang segelt sie auf einer großen Woge der Sympathie. Bei den bisherigen Bürgermeister-Diskussionen hat sie sich gut verkauft. Im NRZ-Interview spricht sie über ihre Ziele.

Eine neue Verwaltungskultur

Sonja Northing redet nicht lange drumherum. Auf die Frage, was ihre wichtigsten Themen im Wahlkampf sind, sagt sie offen, dass es vor allem ihre Person selbst sei. Sie wolle vieles anders machen, als ihre Vorgänger. Sie werde sich um Konsens bemühen, die Bürger anhören und sie werde für eine neue Verwaltungskultur stehen. Sie werde einen kooperativen Führungsstil prägen und die Verwaltungsspitze breit aufstellen: „Das hat in meinem Fachbereich sehr gut funktioniert. Die Kollegen stehen absolut hinter mir und es ist gut, wenn man die Mitarbeiter hinter sich weiß“, sagt sie.

Als Bürgermeisterin würde sie als erstes den Mitarbeitern das Vertrauen aussprechen, betont Northing.Denn mehr Vertrauen in die Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter sei Grundvoraussetzung für eine gut funktionierende Stadtverwaltung. „Und dann werde ich mich zuerst um die Finanzen kümmern“, sagt sie. So offen, wie sie ihren Führungsstil führen möchte, so offen soll auch die Verwaltung insgesamt werden. Das Internet werde hier noch eine viel wichtigere Rolle spielen als jetzt. Öffentliche Dokumente und Verwaltungsberichte müssen künftig für den Bürger aktuell abrufbar sein. „Die Verwaltung muss sich noch viel mehr öffnen“, sagt Northing. Es gehe um Netzwerkarbeit mit den Bürgern. Der „Runde Tisch Asyl“ zeige beispielhaft, wie man die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürgern für alle zum Vorteil gestalten kann.

An eine politische Blockbildung – hier CDU und Grüne, da SPD, OK und FDP – glaubt Northing nicht. Diese Zeiten seien lange vorbei. Es gehe vielmehr um wechselnde Mehrheiten, die sich je nach Thema ändern werden. „CDU und Grüne haben ja auch nicht immer eine Meinung. Es wird darum gehen, gute Argumente bei den einzelnen Themen zu finden.“

„Es muss schön werden“

Das Unterstadtverfahren sei unsäglich gewesen, sagt Northing. Es gehe jetzt darum, eine ausgewogene Lösung für die Bebauung des Minoritenplatzes zu finden. Der Bau einer Tiefgarage ist für Northing nicht unbedingt notwendig: „Die Frage ist nicht, ob wir eine Tiefgarage brauchen oder nicht, sondern ob wir eine kleinteilige Bebauung mit viel Grün hingekommen. Das ist wichtiger als eine Tiefgarage“, sagt sie. Ein Bürgerentscheid über diese Frage müsse nicht sein: „Das ist die falsche Wahl. Wichtig ist, dass es schön wird“, sagt Northing. Wenn man Bürgerentscheide herbeiführen wolle, dann müssten diese auch bindend sein.

Aufenthaltsqualität stärken

In Sachen Einzelhandel erwartet die Kandidatin künftig eine bessere Zusammenarbeit der Einzelhändler. Es müsse vorrangig um eine höhere Aufenthaltsqualität in der Stadt gehen, um eine breitere Gastronomie und eine geschlossene Werbegemeinschaft. Persönliche Befindlichkeiten müssten zurückgestellt werden. „Wenn wir erfolgreich werben, dann bringt das auch gute Ergebnisse“, sagt sie.

Die interkommunale Zusammenarbeit möchte sie auf breitere Füße stellen. Viele Probleme könne man nur über die Grenzen hinweg lösen. Hier müsse es zu einem intensiveren Miteinander kommen. Mit Bedburg-Hau werde es eine sehr gute Zusammenarbeit geben, sagt sie. Und auch mit Kranenburg wolle sie eine bessere Verbindung knüpfen.