Die standhafte Amalia

Die Stadt Kleve um 1576. So dürfte Amalia ihren Sitz gesehen haben.
Die Stadt Kleve um 1576. So dürfte Amalia ihren Sitz gesehen haben.
Foto: Städtebuch von Braun und Hogenberg
Amalia von Kleve war eine starke Persönlichkeit, die sebst der Bruder Willem der Reiche nicht bändigen konnte. Er ging mit dem Degen auf sie los

Kleve..  Für weibliche Mitglieder des klevischenHerzoghauses gab es im 16. Jahrhundert jede Menge Zwänge. Die Wahl des Ehepartners wurde durch politische Interessen bestimmt und auch sonst wurde erwartet, dass Frauen „stil und zu zucht, fromkeit und gottesforcht uferzogen“ waren. So traf es wohl auch auf Amalia von Kleve zu, zumindest wenn man einem klevischen Gesandten glaubt, der sie anlässlich der Heiratsverhandlungen in England beschrieb.

Amalia (1517-1586) war die Tochter des Herzogs Johann III. und Schwester von Sibylla, Anna und Wilhelm, der als „Wilhelm der Reiche“ Nachfolger seines Vaters wurde. Amalia ist weniger berühmt als ihre Schwestern, jedoch ganz sicher nicht weniger interessant.

Heiratsverhandlungen

Als der englische König Heinrich VIII. in Erwägung zog, eine Schwester des klevischen Herzogs zu heiraten, war ihm das Aussehen der Zukünftigen äußerst wichtig und so ließ er von Hans Holbein d.J. nicht nur ein Miniaturporträt von Anna anfertigen, sondern auch eines von Amalia. Beide Schwestern sind ganz sicher nicht nach ihrer Meinung gefragt worden, ob sie vierte Ehefrau eines mehr als doppelt so alten Herrschers werden wollten, der seine zweite Frau hatte köpfen lassen. Bekanntlich wurde Anna die Auserwählte, Amalia stand dem Heiratsmarkt weiterhin zur Verfügung.

Einige Jahre später strebte Herzog Wilhelm ein neues Bündnis an, welches durch die Ehe seiner Schwester Amalia mit einem Sohn des Markgrafen Ernst von Baden besiegelt werden sollte. In Frage kamen der ältere Sohn Bernhard, der wegen seines „losen Lebens“ vom Vater verstoßen worden war und nur auf Bitten seiner Schwestern wieder in die Familie aufgenommen worden war, und Karl, Sohn des Markgrafen aus zweiter Ehe. Karl war nicht nur zwölf Jahre jünger als Amalia, sondern auch wegen seiner nicht standesgemäßen Mutter nicht ebenbürtig. Fünf Jahre lang dauerten die Heiratsverhandlungen, dann entschied Herzog Wilhelm, dass er seine Schwester weder mit einem Mann verheiraten wolle, der durch die Folgen seines bewegten Vorlebens niemals für einen Erben sorgen könne, noch mit einem nicht Ebenbürtigen. So blieb Amalia unverheiratet und führte ein zurückgezogenes Leben am Hofe ihres Bruders.

Die Erzieherin

Sie konnte lesen und schreiben. Lange wurde ihr das „Liederbuch der Amalia von Kleve-Jülich-Berg“ zugeschrieben, eine Handschrift mit geistlichen und weltlichen Liedern, die sie womöglich zeitweise besessen hat, deren Eigentümerin sie jedoch nicht war. Diese war Katharina von Hatzfeld, die mit der Herzogsfamilie befreundet war und eine Zeit lang am Hofe lebte. Jedoch enthält das Buch ein Gedicht, welches Amalia selbst dort hinein geschrieben hat, ein Lied über die Sehnsucht nach der entfernten Geliebten. Das dürfte ebenso wenig mit ihren eigenen Erfahrungen zu tun haben wie die derbe Klage einer Frau, deren meist betrunkener Ehemann sie anwidert und die lieber von einem jungen Liebhaber träumt. Dieses Gedicht war geschwärzt worden, vielleicht, um es vor Amalias Augen zu verbergen.

Hauptsächlich widmete sich Amalia am Hofe ihres Bruders der Erziehung ihrer vier Nichten, auf die sie großen Einfluss ausübte. Die Töchter Herzog Wilhelms wurden lutherisch erzogen, die beiden Söhne dagegen katholisch. Ursprünglich war dies im Sinne Wilhelms des Reichen gewesen, um sich politisch mehr Möglichkeiten offenzuhalten, allerdings fühlte er sich im Laufe der Jahre immer mehr zum Katholizismus hingezogen. Es gab zunehmend Spannungen, weil weder Amalia noch ihre Nichten zum katholischen Glauben übertreten wollten, sondern stattdessen das Lutherische vehement verteidigten. Bei einem weiteren Versuch, seine Schwester umzustimmen, geriet er über ihre Standfestigkeit so in Wut, dass er seinen Degen zog und auf Amalia losging. Diese flüchtete vor ihrem Bruder und es wäre wohl das Schlimmste zu erwarten gewesen, hätte nicht ein Diener dem Herzog eine Tür vor der Nase zugeschlagen.

Familienstreitigkeiten

Als 1581 Maria von Habsburg starb, die Ehefrau Herzog Wilhelms, nahm Amalia nicht an der Beisetzung ihrer Schwägerin in der Klever Stiftskirche teil, da diese nach katholischem Ritus vollzogen wurde. Wilhelm wusste sich zu rächen: als gut vier Jahre später auch Amalia starb, ließ Wilhelm sie in der katholischen St. Lambertus-Kirche in Düsseldorf beisetzen.

 
 

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