„Die Kredite sind gut angelegt“

Andreas Gebbink
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Weeze.  Der Flughafen ist für Weeze ein Glücksfall. Bürgermeister Ulrich Francken zieht nach zehn Jahren Flugbetrieb auf dem Airport Weeze für seine Gemeinde ein rundum positives Fazit: „Ich war von Anfang an der Meinung, dass der Flughafen ein Erfolg wird. Dass es letztlich so eingetreten ist, sehe ich als Bestätigung“, sagt Francken.

Seine Zahlen sprechen eine überzeugende Sprache: Seitdem der Flughafen den Betrieb aufgenommen hat, erhöhte sich die Zahl der Arbeitsplätze in Weeze von 1800 auf 2600 und die Zahl der Einwohner stieg von 9200 auf 10 800. „Dies kann man vielleicht nicht nur allen mit dem Airport in Verbindung bringen, aber die Entwicklung ist insgesamt doch sehr positiv. Und dazu hat auch der Flughafen beigetragen“, so Francken.

Sehr deutlich lassen sich die Effekte im Gastgewerbe ablesen: 2009 gab es in Weeze 7613 Übernachtungen, im Jahr 2012 waren es 21 966. „Das ist für uns riesig“, freut sich der Bürgermeister. Auch die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten ist gestiegen. 260 Betten gibt es mittlerweile in Weeze: „Und die Auslastung ist sehr gut.“

Der Flughafen Weeze bringe der Gemeinde jedes Jahr 500 000 Euro an Gewerbe- und Grundsteuern ein, dazu die weiteren Arbeitsplätze. Francken nennt das Taxigewerbe, die Hotelbranche, die Feuerwehr, viele Kleinbetriebe: „Am Flughafen sind 1200 Menschen beschäftigt, 70 Prozent davon in Vollzeit. Und alle sozialversicherungspflichtig.“

Natürlich hofft auch Francken darauf, dass der Flughafen bald seine Zinsen für die Kreis- und Gemeindekredite bezahlen kann. Immerhin hat auch Weeze stolze drei Millionen Euro an Krediten gewährt. Aber: „Die Arbeitsplätze sind ein erheblicher Gegenwert“, sagt Francken. „Die Kredite sind gut angelegt.“

Die gestiegenen Passagierzahlen am Airport bedeuten aber nicht nur steigende Übernachtungszahlen und mehr Umsätze im Gastgewerbe, sondern auch Mehrbelastungen durch den Verkehr. Weeze habe in den vergangenen Jahren seine Infrastruktur immer wieder angepasst, um das gestiegene Verkehrsaufkommen zu bewältigen. Auf der B9 wurde eine Rechtsabbiegerspur eingerichtet, der Kreisverkehr am Willy-Brandt-Ring sei wichtig gewesen und jetzt setzte man darauf, den Verkehr weiträumig von Weeze fern zu halten.

Ortsumgehung wichtig

Die OW 1 (Ortsumgehung Kevelaer-Winnekendonk) soll eine weiträumige Zuführung des Verkehrs aus Richtung Süden zum Flughafen gewährleisten. Die Nord-West-Umgehung im Bereich B 9 zwischen Weeze und Goch soll die Autos künftig aus Richtung Norden und Osten sowie den Niederlanden um das Zentrum herumleiten und gleichzeitig für eine bessere Anbindung des Flughafens an die A 57 sorgen. Gemeinsam mit Straßen.NRW möchte Francken die Planungen vorantreiben. Die Kosten für das Linienbestimmungsverfahren der Trasse würde die Gemeinde sogar selbst zahlen.

Als Teil der Verkehrspotenzialanalyse wurde auch über einen vierspurigen Ausbau der B9 von Schloss Wissen bis zur Kreuzung Willy-Brandt-Ring und auch aus Richtung Goch nachgedacht. Aber dies habe nicht die oberste Priorität, so Francken, da es dann ein Nadelöhr im Bereich Südwesttangente gäbe.

Den Flughafen vom Bahnhof Weeze schienengebunden anzuschließen, hält Francken nicht für realistisch: „Eine Busverbindung zwischen Bahnhof und Flughafen reicht derzeit völlig aus und ist auch kostengünstiger.“ Nur die Taktung müsse für die Fluggäste attraktiv auf halbe Stunden verdichtet werden.“ Für die Strecke Kleve-Nimwegen sieht er gute Chancen.