Die Hand im Ameisenhaufen

Am Montag, 05.09.2011 in Kleve fand ein Gitarrenkonzert im Treibhaus statt. mit v.l. Juergen Slojewski, Thomas Geisselbrecht und Norbert von Os. Foto: Heinz Holzbach/Waz/FotoPool
Am Montag, 05.09.2011 in Kleve fand ein Gitarrenkonzert im Treibhaus statt. mit v.l. Juergen Slojewski, Thomas Geisselbrecht und Norbert von Os. Foto: Heinz Holzbach/Waz/FotoPool
Foto: Kleve

Kleve-Rindern.. Der Ort macht die Musik: Drei Gitarristen traten im Gewächshaus Schneider-Maessen in Rindern auf.

Hoch oben ziehen die Wolken hin, ein bisschen rosa gefärbt im Abendlicht. Auf der rechten Seite fegt der Wind durch meterhohe Bäume. Und an die Ohren dringt die Musik Andalusiens und der Copacabana. Man ist nicht richtig draußen, aber irgendwie auch nicht drinnen. Sondern in einem Gewächshaus. „Monday-Night at Schneider-Maessen“ war das Konzert mit drei niederrheinischen Gitarristen überschrieben.

Tatsächlich ist das Gewächshaus der Gärtnerei Schneider-Maessen inzwischen in der Klever Kulturszene gut bekannt. Lesungen finden hier statt und Ausstellungen. Direkt nebenan kann man durch einen wunderschönen Garten wandeln. Kein Wunder also, dass das Konzert ausverkauft war. Genügend Stühle konnten glücklicherweise noch aus irgendwelchen geheimen Ecken herbeigeschafft werden. Für ein gut gelauntes Publikum war also gesorgt.

Und das konnte sich über einen Mangel an Sinneseindrücken nicht beklagen. Jürgen Slojewski, Thomas Geisselbrecht und Norbert van Os, alle drei in der Gitarreninitiative Niederrhein organisiert, hatten Stücke herausgesucht, die zu einem Abend im Spätsommer passten.

Programmatisch begannen sie mit „Fun for Three“. Musik, die locker durch die Lüfte hüpfte. Überhaupt setzten die drei Interpreten auf vertraute Klänge und Rhythmen – vieles hatte man irgendwie schon mal gehört. Sogar der zweite Satz des berühmten Concierto de Aranjuez von Joaquin Rodrigo erklang, ganz sehnsuchtsvoll und melancholisch in einer Fassung für zwei Gitarren und Kontrabass, die Norbert van Os eigens für das Trio angefertigt hatte. Es geht also auch ohne Orchester.

Das klang alles sehr überzeugend und war natürlich technisch einwandfrei und voller Hingabe gespielt. Angehende Gitarristen dürften sich über hilfreiche Tipps gefreut haben: „Das Tremolo gelingt am besten, wenn man vorher zehn Minuten die Hand in einen Ameisenhaufen gesteckt hat“, sagte Thomas Geisselbrecht anlässlich eines spanischen Stückes, das prächtig mit dem Rauschen der Blätter harmonierte. Behutsam elektronisch verstärkt, schienen die elegant gezupften Klänge wie geschaffen für das Gewächshaus mit seinen Blumenkübeln, Efeuranken, Bildern, Sonnensegeln und grünen Sträuchern. Eigenkompositionen und Expeditionen in jazzige Gefilde rundeten den rundum gelungenen Abend ab.

Der Garten ist am Sonntag von 11 bis 17 Uhr im Rahmen der „Offenen Gärten“ geöffnet, Spyckstrasse 193.

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