Der Teufel steckt in Kalkar im Detail

Leider lässt sich das Finanzproblem Kalkars nicht so schnell sanieren wie die marode Brücke an der Mühle.
Leider lässt sich das Finanzproblem Kalkars nicht so schnell sanieren wie die marode Brücke an der Mühle.
Foto: NRZ
Wie schwer es fällt zu sparen, zeigte die Haushaltsberatung in Kalkar. Zur Sanierung der städtischen Finanzen wurden viele Vorschläge gemacht – und wieder verworfen

Kalkar..  „Kleinvieh macht auch Mist“, sagte Walter Schwaya während der Haushaltsberatungen im Haupt- und Finanzausschuss. Und zurzeit besitzt die Stadt eine ganze Menge Kleinvieh, das ordentlich auf die Finanzen drückt. Sparen ist angesagt – doch wie schwer das fällt, wurde allen Politikern bei der Besprechung der Einzelposten klar. Das Forum Kalkar und die Freien Bürger legten jeweils umfangreiche Einzelbetrachtungen vor, die Punkt für Punkt abgearbeitet wurden.

Ein Konzept erarbeiten

So wird die Sanierung der Begegnungsstätte in Grieth noch auf sich warten lassen. Mit Mehrheit stimmte der Ausschuss für eine Verschiebung des Vorhabens – solange bis ein Gesamtkonzept für das Gebäude auf dem Tisch liegt. Vorgesehen waren ein Austausch der Fenster (13.000 Euro) und das Anbringen eines Wärmedämm-Verbundsystems (52.000 Euro).

Wie sich während der Beratung herausstellte, ist auch das Dach der Begegnungsstätte marode: „Das Dach ist 60 Jahre alt und es regnet öfter durch“, verdeutlichte Theo Reumer (CDU). Lutz Kühnen (Forum) regte daher an, das gesamte Gebäude zu sanieren und ein Konzept zu erarbeiten: „Jetzt nur die Wände zu dämmen, ohne das Dach zu bearbeiten, ist ziemlich hirnrissig.“

Auch die angedachte Optimierung des städtischen Bauhofes (20.000 Euro) wurde zurückgestellt. Nach Karneval wird die Stadtverwaltung Gespräche mit Bedburg-Hau über eine engere Zusammenarbeit führen. Dabei wird auch eine stärkere Kooperation der Bauhoftätigkeiten Thema sein. Die Anschaffung eines Autos für den Streetworker (25.000 Euro) wurde ebenfalls nicht genehmigt. Hier wünscht sich die Politik ein „Fahrzeugmanagement“.

Angedacht wird, dass sich der Streetworker Peter Holderberg das Auto mit anderen Abteilungen teilt, etwa mit dem Bauhof oder der Feuerwehr.

Der Einbau einer neuen elektronischen Schließanlage für alle Außentüren städtischer Gebäude (200.000 Euro) wurde genehmigt. Fachbereichsleiter Frank Sundermann erklärte, dass man aktuell nicht wisse, welche Vereine und Nutzergruppen einen Schlüssel zu den städtischen Immobilien besitzen: Es sei nicht mehr nachzuvollziehen, wer überhaupt Zugang zu den Gebäuden habe, so Sundermann. Mit dem neuen Schließsystem könne man dies besser kontrollieren. Die Verwaltung werde das Projekt in Etappen umsetzen und Gebäude, die möglicherweise aufgegeben werden sollen, nicht mit neuen Schlössern versehen.

Weihnachtsbäume spenden

Gestrichen wird die Umkastung von Mülltonnen an der Nicolaikirche (30.000 Euro) und die Anschaffung von Weihnachtsbäumen auf dem Marktplatz und in den Ortsteilen (3800 Euro). Diese könne man durch Spenden bereitstellen, sagte Lutz Kühnen. Auch die Wärmedämmung an der Grundschule in Wissel (93.000 Euro) wird nicht kommen. Der Austausch der Fenster (200.000 Euro) und die neue Beleuchtung (24.000 Euro) wurden genehmigt. Auch die historischen Holzfenster des Rathauses dürfen nach 20 Jahren wieder gestrichen werden – für 22.000 Euro.

Angeschafft wird ein neuer Friedhofsbagger (97.500 Euro). Der jetzige Mini-Bagger sei für das Aushaben von Gräbern nicht geeignet und zugelassen. „Das Fahrzeug muss sehr dicht an die Grabkante fahren“, sagte Sundermann. Ein Unglück könne so nicht ausgeschlossen werden.

Uneinigkeit über die Sanierung

Über die Sanierung der Holzbrücken über die Ley (183.000 Euro) herrscht Uneinigkeit. Angesichts der Haushaltslage möchte das Forum auf einen Austausch der maroden Holzbrücke zwischen FBS und Parkplatz verzichten: „Wir haben nicht mehr Geld für Luxus. Und man kann wunderbar die Brücke an der Hanselaerstraße benutzen“, so Kühnen.

Birgit Mosler (SPD) und Bürgermeisterin Britta Schulz möchten gerade diese Brücke nicht aufgeben, da sie stark genutzt werde und touristischen Zwecken diene. Die Verwaltung soll im nächsten Ausschuss das Brückenkonzept vorstellen.

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