Der Montblanc muss warten

Findet „alles Geradlinige langweilig“:
Findet „alles Geradlinige langweilig“:
Foto: WAZ FotoPool
Die Kunsthistorikerin Valentina Vlasic sollte eigentlich BWL studieren. Doch dann diplomierte sie über einen Kunstvernichter. Jetzt arbeitet sie im Museum Kurhaus in Kleve.

Kranenburg..  Ihre Mutter stammt aus Serbien, ist aber halbe Kroatin, ihr Vater kommt aus der Herzegowina, geboren und aufgewachsen ist sie in Graz. Seit mehr als acht Jahren wohnt sie am Niederrhein, und als sie kürzlich ihren Bruder in Wien besuchte, musste sie über den österreichischen Dialekt schmunzeln. Denn der geht ihr allmählich verloren. „Wenn man mich fragt, was ich bin, antworte ich: Europäerin“, sagt Valentina Vlasic.

Fasziniert vom Museumsbetrieb

Die Kunsthistorikerin arbeitet im Museum Kurhaus, in Kleve, und wenn sie aus dem Fenster schaut, kann sie den Tiergarten erspähen. Eigentlich sollte Kleve nur eine Zwischenstation sein auf dem Weg nach Berlin. Schon ihre Diplomarbeit hatte sie vor diesem Hintergrund gewählt: 350 Seiten über die Kunstauffassung von Walter Ulbricht, dem einstmals mächtigen Mann der DDR. „Ich wollte das Pferd von hinten aufzäumen und über jemanden schreiben, der Kunst zerstört“, sagt Valentina Vlasic. Das sollte ihr Ticket nach Berlin werden. Jetzt ist sie froh, dass sie in Kleve so viel mehr Möglichkeiten hat, als sie in Berlin vermutlich je hätte.

Fasziniert vom Museumsbetrieb war sie schon als Jugendliche in Graz. „Ich habe immer gerätselt, was für einen Berufszweig man wählen muss, um im Museum arbeiten zu können“, erinnert sie sich. Ihre Eltern, arme Gastarbeiter, wie sie sagt, rieten ihr um Gottes Willen vom Kunstgeschichte-Studium ab. Ihre Mutter war Krankenschwester, ihr Vater ein ehemaliger Franziskanermönch, der als Religionslehrer arbeitete. Also studierte sie zunächst Betriebswirtschaftslehre. Eine Qual. Als sie dann ihren Lebensgefährten kennenlernte, sagte der: So geht das nicht. Du musst das tun, was Dir Spaß macht. Ich helfe Dir.

„Ich fühle mich privilegiert“

Sie zog nach dem Studium zu ihm nach Kranenburg. Und war sofort fasziniert von diesem neuen Museum in Kleve. Sie stellte sich vor, bekam eine Volontärsstelle. Lernte die Klever Kunstinteressierten kennen, die Künstler, wenn sie mit großen Augen von ihren Projekten erzählen, knüpfte Kontakte. Die braucht sie auch, wenn sie durch die Welt reist, um Museen, Galerien und Kunstmessen zu besuchen. Demnächst ist sie in Neapel, Ettore Spalletti stellt dort aus, der war auch schon in Kleve, und sie kann bei seiner Assistentin übernachten. „Ich fühle mich privilegiert, dass ich mich in diesen Kreisen bewegen darf“, sagt sie.

Aber nicht nur die Höhenflüge der Kunst haben es ihr angetan. Sie schwärmt auch für die Höhenzüge dieser Erde. Sie hat schon den 4167 Meter hohen Toubkal in Marokko bestiegen, die Zugspitze, den Gran Paradiso. Den Montblanc musste sie dreimal wegen schlechten Wetters aufgeben. Reisen führen sie auch immer wieder in die Heimat ihrer Eltern, zum Beispiel zu wilden Hochzeitsfesten in Kroatien, wo sich 400 Leute treffen, um 14 Stunden lang zu feiern. Sie ist dort „die aus Deutschland“. Hier hat sie sich eingelebt: „Das Verschrobene des Niederrheiners ist mir durchaus bekannt“, sagt sie. „Aber alles Geradlinige finde ich ohnehin langweilig.“

 
 

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