Der Landrat und der Kaiser

Kleve..  Der Höhepunkt in Eichs Berufsleben war vielleicht der Kaiserbesuch am 9. August 1909. Als Vorsitzender des Festausschusses hatte er diesen Besuch maßgeblich mit vorbereitet und konnte sich nun im kaiserlichen Glanz sonnen. Man kann bezweifeln, ob die Bevölkerung diesen patriotischen Festen tatsächlich die immer wieder beschriebene Begeisterung entgegenbrachte. Sicher ist indes, dass Kaiser Wilhelm II. solche Auftritte liebte und die kommunalen Eliten dies als willkommene Bühne zur Selbstdarstellung gegenüber der Obrigkeit und der Bevölkerung nutzten.

Geboren wurde Peter Eich 1837 als jüngstes von 16 Kindern auf dem Gut Bödinger im Siegkreis. Nach Beendigung seines Jurastudiums wurde er 1868 zum Regierungsassessor ernannt.

Von 1872 bis 1876 war er Landrat des Kreises Daun in der Eifel. Hier hatte er ganz andere Probleme zu bewältigen als später in Kleve. Die soziale Not der Bevölkerung in der auch „Preußisch Sibirien“ genannten Eifel trieb die Menschen zur Auswanderung nach Amerika und in die Hüttenwerke in Wales. Eich warnte vor der konzessionierten Auswandereragentur in Daun, die mit falschen Versprechungen lockte. Auch eine hohe Kindersterblichkeit sorgte dafür, dass die Bevölkerungszahl trotz hoher Geburtenraten sank.

Ehrenbürger in Goch

Eich gelang es mit seinen Hilferufen an höchste Stellen immerhin, dass der preußische Landwirtschaftsminister sich auf einer Rundreise durch den Kreis das Elend mit eigenen Augen ansah.

Eichs Amtsantritt in Kleve 1876 stand keineswegs unter einem guten Stern. Mitten im Kulturkampf musste er die Stelle von dem ins Saarland strafversetzten Landrat Prosper Devens übernehmen.

Merkwürdigerweise scheint die Geschichte des Landratsamtes während der Amtszeit Eichs kaum aufgearbeitet zu sein. Dabei ist schon aus der langen Zeitspanne zu ermessen, dass sich in dieser Zeit im Kreis Kleve einiges getan haben muss. Als Eich sein Amt antrat, war die Gründung des Deutschen Kaiserreichs gerade sechs Jahre her und als er mit seinem Tod 1919 sein Amt aufgab, lagen der Erste Weltkrieg und das Ende des Kaiserreichs schon hinter ihm.

Viele Jubiläen konnten gefeiert werden und waren Anlass für Berichterstattung in den Zeitungen. Hier erfährt man einiges über Eich, auch wenn bei solchen Lobeshymnen natürlich Vorsicht geboten ist. Doch auch seine lange Amtszeit spricht für sich.

Zu seinem 25jährigen Dienstjubiläum erhielt er 1901 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Goch.

Als er 1911 auf fünfzig Jahre als Staatsbeamter zurückblicken konnte, zählte das Clever Kreisblatt seine Verdienste auf. So hatte er – auch in seiner Eigenschaft als Mitglied des Provinziallandtags und -ausschusses – die Renovierung von kirchlichen Denkmälern, den Wegebau und Schulneubauten in den Landgemeinden unterstützt. Beihilfen erhielt die Stadt Kleve für die Anlage des Prinz-Moritz-Parks und die Stadt Goch für den Bau einer zweiten festen Brücke über die Niers.

Als die Provinzial-Verwaltung im Rheinland die Gründung einer neuen Heil- und Pflegeanstalt plante, konnte Eich ein geeignetes Grundstück anbieten, so dass die Anstalt in Bedburg gebaut werden konnte.

Der Landrat wohnte im Amt

Insgesamt bescheinigte man ihm, „daß er stets milde und rücksichtsvoll, maßhaltend nach allen Richtungen hin urteilt und entscheidet, und daß gerade diese Art seines Vorgehens nebst seinem wohlwollenden Verhalten im mündlichen Benehmen Bittstellern gegenüber ihm die Achtung, Ehrung und Liebe der Kreisbevölkerung erworben hat.“

Ende des 19. Jahrhunderts entstand im historistischen Stil das neue Landratsamt an der Nassauerallee, das Eichs Amts- und Wohnsitz wurde.

Zu seinem 40-jährigen Jubiläum als Landrat in Kleve erhielt er 1916 auch die Ehrenbürgerwürde der Stadt Kleve. Mitten im Ersten Weltkrieg verzichtete man allerdings auf eine große Feier.

Das Krieg und die anschließende Belgische Besatzung überschatteten Eichs letzte Jahre. Nach kurzer Krankheit starb er 1919 während eines Erholungsaufenthaltes in Wiesbaden im Alter von 81 Jahren.

Nachfolger im Amt wurde sein Sohn Hermann, bis dieser 1936 dem nationalsozialistischen Landrat Friedrich Neven weichen musste. Aber dies ist ein anderes Kapitel.

 
 

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