Der Geruch der Erde

Sebastian Pieters
Sebastian Pieters
Foto: NRZ
Sebastian Pieters ist drei Jahre lang mit einem kleinen Boot um die Welt gesegelt. Jetzt hat er ein spannendes Buch über seine Reise geschrieben

Kleve..  Eigentlich hat niemand die Zeit, sich drei Jahre aus allem auszuklinken und um die Welt zu segeln. Man muss sich die Zeit halt nehmen. Sebastian Pieters, Jahrgang 1981, hat es gemacht. Nach Schule, Ausbildung und Fachabitur wollte er mal etwas anderes sehen als den Niederrhein. Mit dem Rucksack durch ferne Länder streifen oder mit dem Fahrrad durch Afrika radeln. Als er mit einem Freund darüber sprach, kamen sie auf die Idee, die Erde per Segelboot zu erkunden. Der Freund sprang ab, dafür fand Pieters’ ehemaliger Mathelehrer die Idee so gut, dass er ihm für drei Jahre sein Schiff, die Kiwitt, lieh.

Entsetzte Eltern

Einfach mal lossegeln - so einfach war es nicht. Pieters arbeitete ein Jahr, um Geld für die Reise zu sparen. 12 000 Euro hatte er schließlich zusammen, also etwa 330 Euro für jeden Monat. Davon musste er die Krankenversicherung bezahlen, Lebensmittel, Gebühren, Reparaturkosten und einiges andere. Er musste in die entsetzten Gesichter seiner Eltern schauen, die ihn schließlich doch haben ziehen lassen. Und er musste jemanden finden, der mitfuhr. In einem Internetforum lernte er schließlich seine Reisebegleiterin Heike kennen. Ein Paar waren sie nicht, darauf weist Pieters sogleich hin. Aber dafür eine ziemlich ideale Zweckgemeinschaft.

Planung ist alles

Gesegelt hat Pieters erstmals mit acht oder neun Jahren, eine Zeit lang auch im Verein. „Ich bin kein besonders toller Segler“, sagt er von sich. Das sei auch gar nicht die Hauptschwierigkeit. Auf hoher See gehe ohnehin kaum ein Boot unter. „Es ist gefährlicher, 3000 Kilometer mit dem Auto zu fahren, als um die Welt zu segeln.“ Man muss halt die Reise genau planen und die Taifun-Monate an Land verbringen. Es geht ums Organisieren, darum, alles zu können - vom Brotbacken bis zu allen erdenklichen Reparaturmaßnahmen. Und ums Durchhalten. Den Koller zu überstehen, wenn man 29 Tage auf ein paar Quadratmetern hockt und nichts passiert. Einen Fisch zu angeln, das ist dann schon eine Sensation.

Andererseits erinnert sich Peters gerne an diese Stille und Einsamkeit. Zeit zu haben. Zeit zum Nachsinnen. Zum Verarbeiten all der vielen Eindrücke. Was haben die beiden alles gesehen: Gibraltar und Galapagos, die Kapverden und die Karibik, Samoa und die Salomon-Inseln, Eritrea und Ägypten. Und dann ist da dieses riesige Gefühl, wenn man nach Tagen oder Wochen auf See eine Insel ansteuert und plötzlich die schwere, feuchte Luft riecht, die Erde, die Vegetation, die Tiere. Zeiten der Stille wechseln mit solchen, in denen man ganz viele Menschen kennenlernt, darunter etliche gastfreundliche Einheimische. Oder man sieht Inseln wie aus den Werbeprospekten. Oder, auch das gibt es, man muss in Indien einen Arzt zwecks Zahnwurzelbehandlung finden oder in verrotteten Staatswesen Beamte bestechen.

Der Traum von der großen Reise

Bis zu 400 Boote sind jährlich auf Weltumseglung, schätzt Pieters. Die meisten Weltumsegler sind Rentner. Einen aus Kleve hat er übrigens auch getroffen, auf den Fidschi-Inseln und dann später in Neuseeland wieder. Als Pieters 2006 nach 30 000 Seemeilen schließlich wieder am Altrhein ankam, war er vor allem eines: gelassen. „Sorgen, die man sich hier so macht, sind in anderen Teilen der Welt völlig irrelevant“, sagt er. Nach vier Wochen arbeitete er wieder, ein halbes Jahr später begann er mit dem Studium. Heute ist er Entwicklungsingenieur. Mit großen Reisen ist es vorläufig ohnehin vorbei. Er hat jetzt Frau, Kind, Haus, Garten und Auto. Nur ein eigenes Boot, das besitzt er immer noch nicht. Träumt er noch oft von der großen Reise? „Jeden Tag“, antwortet er.

Sebastian Pieters’ lesenswertes Buch „Auf acht Metern um die Welt“ ist kürzlich im Münchener Aequator-Verlag erschienen. Es hat 208 Seiten, kostet 12,95 Euro und ist im Buchhandel erhältlich.

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