Das Kind in den Mittelpunkt

Die Teilnehmer des Lehrgangs freuen sich über die Qualifikation.
Die Teilnehmer des Lehrgangs freuen sich über die Qualifikation.
Foto: NRZ
Die Lehrer der Sekundarschule Kleve und der Paul-Moor-Schule haben zwei Jahre lang gelernt, wie man den Blick auf Schüler verändert

Kleve..  Zwei Jahre lang haben die Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarschule Kleve und der Paul-Moor-Schule Bedburg-Hau das Qualifizierungsprojekt „Vielfalt fördern“ bearbeitet. Jetzt bekamen die Lehrkräfte ihr Abschlusszertifikat. Offenbar keine gewöhnliche Fortbildung, sondern ein umfassender Prozess, der den Blick auf die Schüler verändert – mit allen Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben.

„Wir sind durch Täler gegangen“, sagte Gabriele Pieper, Schulleiterin der Sekundarschule. Und Schulamtsdirektor Johannes Mulders ergänzte: „Das ist nicht ruckelfrei verlaufen.“ „Vielfalt fördern“ setzt sich aus vier Modulen zusammen, die von Teamentwicklung bis zur Diagnostik reichen. Für viele Lehrkräfte sei das Projekt Neuland gewesen, sagte Mulders. Zunächst musste man überhaupt erst definieren, was Vielfalt überhaupt bedeutet, und die unterschiedlichen Blickwinkel von Sonderschulpädagogen und Gymnasiallehrern auf einen Nenner zu bringen. Zudem mussten die Pädagogen wohl auch Idealismus mitbringen: „Die Stundenvergütungen reichen bei weitem nicht für das aus, was Sie geleistet haben“, bedankte sich Mulders bei den Lehrkräften für ihr Engagement.

Die Bertelsmann-Stiftung und das nordrhein-westfälische Ministerium für Schule und Weiterbildung haben die zweijährige Fortbildung gemeinsam entwickelt. Hintergrund ist der Umbruch in der Schullandschaft, gerade durch die Inklusion. Hierauf wird bei der Lehrerausbildung wohl zu wenig Wert gelegt. „Wenn neue Kollegen aus den Seminaren kommen, sind sie auf homogene Lernentwicklungen eingestellt“, bemängelt Pieper. Die Schulwirklichkeit sei aber gerade heterogen. „Dafür leben wir hier, und dafür haben wir uns fit gemacht“, so Pieper.

Die Ergebnisse des Qualifizierungsprojekts sollen nun ins Schulprogramm einfließen. Und natürlich in den Unterricht. Mittels Diagrammbögen will man bei Schülern, die besonders ins Auge fallen, Potentiale und Probleme festhalten. Pieper: „Wenn man weiß, was für ein Lerntyp ein Kind ist, kann man es besser fördern.“ Wichtig sei gerade der multiperspektivische Blick, der Austausch von Lehrern über die Kinder. Auch das muss erst einmal selbstverständlich werden.

Insgesamt haben nun sieben Schulen das Projekt abgeschlossen. Neben Sekundarschule und Paul-Moor-Schule sind dies die Sekundarschule Straelen, die Gesamtschule Kleve, die Karl-Kisters-Realschule, die Hansa-Realschule Emmerich und die Realschule An der Fleuth in Geldern. Das Kompetenzteam des Kreises Kleve will am 16. September in einem Praxisforum weitere Schulen für eine Teilnahme an der Qualifizierung gewinnen.

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