Das halten die Händler vom Kleingeld-Verzicht in Kleve

„Geehrte Kunden, wir runden“, meldet das Schild links. Bäckereifachverkäuferin Petra Dzikarski bietet das auch bei 31-Cent-Brötchen an. – Kleines Bild:
„Geehrte Kunden, wir runden“, meldet das Schild links. Bäckereifachverkäuferin Petra Dzikarski bietet das auch bei 31-Cent-Brötchen an. – Kleines Bild:
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Viele Einzelhändler in Kleve kommen ohne Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus. Wer bei der Aktion mitmacht, ist zufrieden. Es gibt aber auch Skeptiker.

Kleve.. Genau vier Wochen ist es her, dass einige Geschäfte in Kleve begannen, auf Ein-Cent-Stücke und Zwei-Cent-Münzen zu verzichten. Werbetechnisch war die Idee ein voller Erfolg für die Stadt, berichteten doch Fernsehen, Radio deutschlandweit und Zeitschriften von Titanic bis Yellow Press darüber. Interesse als Nachahmer gibt es von Lingen im Emsland nahe der NL-Grenze bis nach Österreich.

Aber bringt die Sache auch dem Handel etwas? Die Meinungen sind geteilt. Ja, sagen Vertreter der City-Netzwerkes. Der Anfang ist gemacht und wird nicht aufgegeben. Ute Marks, Chefin des Kleve-Marketing, will am Mittwoch bei der Mitgliederversammlung des Klever City-Netzwerkes (KCN) erste Erfahrungen berichten, von hier und aus dem Nachbarland, das schon im Herbst 2004 die kleinen Centstücke abschaffte.

Keine Münzgebühren mehr für die Händler

Das ist sogar für Bäcker kein Problem, sagt Gerd Derks. Er unterhält nicht nur im Kreis Kleve seine Bäckerei-Filialen, sondern auch über die Grenze. „Da ist es selbstverständlich. Die Klever tun sich noch schwer, abzurunden, wenn es um zwei Cent geht. Aber der Kunde hat ja die Wahl. Wir überreden niemanden“, sagt er. „Bei 300 bis 400 Kunden pro Tag ergibt sich eine Differenz von vielleicht fünf Euro“, überschlägt der Bäckermeister. Dagegen gerechnet werden müssten der zeitliche Aufwand und die Münzgebühren bei den Banken (wie berichtet).

Selbst an den Benzin-Zapfsäulen klappt der Verzicht auf Cents. „Eigentlich doch seit Jahren schon“, sagt Tankstellenverwalterin Helga Erwig von der „Total“ in Kellen, die freiwillig bei der Aktion mitmacht, ohne KCN-Mitglied zu sein. Allerdings ist es meist die Tankstelle, die dem Kunden einen Cent schenkt. Umgekehrt seien Deutsche doch sehr genau, wohingegen Niederländer das locker nähmen.

Bei mehreren kleineren Läden in der Klever Fußgängerzone regiert die Skepsis. „Das kann nicht klappen“. „Das ist zu umständlich“, sagen Verkäuferinnen, die namentlich nicht genannt werden wollen. In Bekleidungsgeschäften geht es ohnehin nicht um Cents. Im Drogeriemarkt sind bereits seit 20 Jahren die Preise auf die runde Null oder eine Fünf am Ende vereinfacht. Franchise-Nehmer wie Petra Lauer im Tee-Fachhandel haben nur wenig Einfluss auf pekuniäre Geschenke an die Kunden. „Ich glaube, die Idee wird wieder einschlafen“, sagt sie.

Hochschule soll eine Kasse analysieren

Das Gegenteil erwartet aber Klaus Fischer. Zwar klimpern bei Herrenmoden weniger Kleinstmünzen in die Kasse, aber Fischer ist ja in vielen Läden selbst ein Kunde. Anfangs in den Niederlande „hatte mein Bauchgefühl“ getrügt, dass die Kassierer ihn übern Tisch ziehen wollten, weshalb er den Argwohn mancher Käufer in Kleve verstehe. Aber er erinnert zum einen ans lästige Münzen-Suchen an den Kassen ‘Haben Sie zwei Cent klein?`, und dass auch bei Supermärkten das ‘Aufrunden, bitte’ mit anschließender Spende für soziale Zwecke doch gut funktioniere. Kleve werde „am Ball bleiben“.

Das KCN nehme die Bedenkenträger ernst, die Überforderung des Personals sowie bei EDV und Finanzamt Stolpersteine befürchten. „Wir werden Lösungsansätze bieten“ und „Wir wollen mit der Hochschule eine fundierte Überprüfung anstellen.“ Ein kritischer Bäcker werde bei sich eine Kassen-Analyse ermöglichen.

"Es ist eine Herausforderung"

Computergestützte Kassen schaffen die Umstellung blitzschnell, beweist Hauptkassiererin Ilona Janßen. im Modehaus Mensing. „Ich gebe nur eine Tastenkombination zur Betragsrundung ein. Ein EDV-Fachmann in der Zentrale hat das so eingerichtet, für den Kassierer ist das kein Mehraufwand“, schildert sie. „Die meisten Kunden finden das prima und wünschten, es gäbe das überall in Deutschland.“

Dass es auch bei Franchise-Nehmern klappt, beweist Christoph Dammers im Sportgeschäft am EOC. „Es ist eine Herausforderung, wir bekommen die mit x-99 Cent ausgezeichneten Waren. Wir gehen damit pragmatisch um, runden auf und ab. Die Differenz in der Kasse ist marginal, vielleicht 20 Cent pro Tag.“ Die meisten seiner Kunden zahlen per EC-Karte, unter den 600 Bargeld-Kunden in den ersten beiden cent-freien Testwochen bei Dammers „haben nur zwei auf cent-genaue Geldrückgabe bestanden“, sagt er. „Da stecken noch Emotionen drin. Die meisten aber fanden die Idee sensationell gut.“

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