Bürger planen die Zukunft der Stadt mit

Auf Wohnungen in der Innenstadt – hier gestern an der Kirchberg-Galerie gegenüber „Neue Mitte“ – warten alleinstehende Senioren genauso wie Studenten. Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool
Auf Wohnungen in der Innenstadt – hier gestern an der Kirchberg-Galerie gegenüber „Neue Mitte“ – warten alleinstehende Senioren genauso wie Studenten. Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool
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Auftakt am 23. November. Nach dem Stadtentwicklungskonzept folgen jetzt konkrete Ziele für Wohnen, Verkehr, Energie. Große Auftaktveranstaltung Mittwoch, 23. November.

Kleve. Was sind Kleves Ziele bis 2025? In welchen Ortsteilen sollen freie Flächen bebaut werden, wo auf keinen Fall? Wie wohnen, wo arbeiten die Generationen? Wo ändern sich Kindergarten-Standorte? Wie erreicht man künftig aus den Ortsteilen die Innenstadt zu Fuß, per Rad, per Bus, per Pkw? Woher kommt in Zukunft die Energie – Windräder, Photovoltaik? Schulplanung, Sportentwicklung. Das sind Puzzlesteine im Gesamtbild eines „Flächennutzungsplans“ (FNP). In Kleve sind die Bürger gefragt, daran mit zu wirken. Eine große Auftaktveranstaltung beginnt am Mittwoch, 23. November, um 19.30 Uhr in der Stadthalle.

Danach folgen in fünf Ortsteilen Bürgerforen, an denen jedermann mitwirken kann.

Die Basis bot 2007 bis 2009 „mit Erfolg das Stadtentwicklungskonzept“, sagte gestern Bürgermeister Theo Brauer. Es sind allein 20 bis 30 Punkte aus dem Konzept, die jetzt konkret bearbeitet werden, ergänzte Baudezernent Jürgen Rauer. „Das wird jetzt etwas verbindlicher“.

Es sei der Stadt „äußerst wichtig, Bürgerinitiativen, Bürgermeinung mit zu nehmen und Wünsche aufzunehmen“.

Binnenentwicklung, Mobilität, Energie. Gesucht werden eben die örtlichen „Experten“. Es gehe um Themen „wo jeder Bürger etwas zu sagen hat“ – mal der Grundstückseigentümer, mal Eltern mit Kindern, mal Menschen, die sich für Betreuungsangebote im Alter interessieren. „Im Grundsatz wird man nicht viel Neues sehen, aber im Detail wird sehr, sehr viel verändert“, kündigt Rauer an.

Sein Beispiel ist der Wohnbedarf der Hochschulstudenten, Assistenten, Professoren, der viel schneller wuchs als vermutet. „Kleves Philosophie ist es, möglichst keine Wohngebiete weiter zu arrondieren, sondern Innenflächen der Stadt zu nutzen“, so der Bürgermeister. „Boden können wir nur einmal vergeben“.

Einwohnermeinung „äußerst wichtig“

Konflikte in Sachen Verkehr werden angepackt: Wiederbelebung Bahnstrecke, B220n Osttangente Kellen und die vorerst zurückgestellte „Querspange“ Eichenallee Donsbrüggen-Rindern. „Irreal“ sei es aber, die B9neu umzusetzen, so sehr Theo Brauer sie auch wünsche, das europäischen Recht stehe dagegen. Aber das Thema Verkehrsführung sei umfassender, als nur über zwei Straßen zu streiten, so Jürgen Rauer.

In Sachen Energie der Zukunft „brauchen wir die Bürgerbeteiligung erst recht“, betont Bürgermeister Brauer. Schon vor Fukushima habe Kleve die Energiewende auf den Weg gebracht, halte sich nun auch an den NRW-Windenergieerlass, den Ausbau erneuerbarer Energien: „Wo wollen Bürger ein 200-Meter-Windrad und begleitende Trassen vor Augen geführt haben?“, formuliert Brauer. Ob man den FNP gemeinsam mit Kranenburg oder allein entscheide, sei egal.

Joachim Sterl vom Dortmunder Stadtplanerbüro Post-Welters gab den Überblick: Zwei bis drei Jahre dauert die Aufstellung des FNP. Mit Behörden und Bezirksregierung wurde schon vorbereitet. Bleibt 2012 als Arbeitsschwerpunkt. Bürgermitwirkung, Vorentwurf aus den Vorschlägen erstellen, weitere Bürgerbeteiligung im Detail. Behörden nehmen Stellung, der Entwurf wird im Rathaus ausgelegt. Der Rat beschließt. Die Bezirksregierung genehmigt den FNP wohl Ende 2013.

Alt 1976 / Neu 2013

Ein Flächennutzungsplan (kurz: FNP) zeigt die Nutzung aller Flächen im Stadtgebiet: Wohnen, Gewerbe, Erholung, Landwirtschaft. Kleves heutiger FNP stammt aus 1976. Der neue soll 2013 die Stadt „fit für die Zukunft“ machen.

 
 

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