Bleibt Befestigungs-Anlage sichtbar?

Ulrich Ocklenburg begleitet die Ausgrabungen an der Stadtmauer. Foto: Roy Glisson
Ulrich Ocklenburg begleitet die Ausgrabungen an der Stadtmauer. Foto: Roy Glisson
Foto: WAZ FotoPool
Am gestrigen Montag, den 21. Mai, beendeten die Archäologen ihre Arbeit an der Werftstraße.

Kleve.. Erstmals erwähnt wurde die mächtige Stadtmauer schon 1390, knapp 150 Jahre nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1242. Kleves Blütezeit bahnte sich an, die Stadt brauchte eine starke Befestigung. Jetzt, wo an der Werftstraße in der Unterstadt ein neues Volksbankgebäude entsteht, haben Archäologen Reste der einst gewaltigen Doppelmauer – und den Stumpf eines Wehrturms, des Netelenhorst – gefunden.

Befestigung verfiel im Laufe der Jahrhunderte

„Das ist ein besonderer Fund“, meinte gestern denn auch Archäologe Ulrich Ocklenburg, der von der Stadt mit der Untersuchung beauftragt wurde und nun seine Arbeit vor Ort beendet hat. Jetzt werden die Ergebnisse weiter ausgewertet, dann setzt sich das Denkmalamt in Bonn mit der Stadt als (noch) Grundstückseigentümerin in Verbindung.

Was tun mit den historischen Steinen, die jetzt ans Tageslicht gekommen sind? Sie erinnern an den Turm, einst gut zehn Meter hoch und eingebettet in die kilometerlange Mauer, die die Stadt schützte. „Und nie durch kriegerische Einwirkung zerstört wurde“, weiß Stadtarchivar Bert Thissen. Bis um 1700 erfüllte die Mauer ihre Funktion, „danach zerfiel sie einfach über die Jahrhunderte. Weil Kleve anders etwa als Rees und Goch, nicht zu einer Festung ausgebaut wurde“. Wobei noch bis vor den Zweiten Weltkrieg Spuren sichtbar gewesen sind, sagt Thissen.

Archäologe Ulrich Ocklenburg ist ob der Funde jedenfalls erfreut, nicht nur über das gut 1,50 Meter breite Mauer-Fundament, das gewaltiger ist als bei vielen anderen Befestigungsanlagen. In Rees, so Ocklenburg, seien es mal gerade 70 bis 80 Zentimeter gewesen.

Der Turmstumpf an der nord-östlichen Ecke der Befestigung, direkt am Spoykanal, sei jedenfalls ein wirklich interessanter Fund. Von der Ecke aus zog sich die Stadtbefestigung einmal in Richtung Minoritenplatz, zum anderen entlang des Spoykanals in Richtung Herzogbrücke. Geklärt werden könnte jetzt anhand der Ausgrabungen auch, ob Kleve, das über weite Strecken über eine Doppel-Mauer verfügte, diese schon immer hatte. Zwischen innerer und äußerer Befestigung lagen bis zu zehn Meter.

„Es wäre natürlich schön, diese Bodendenkmäler auch weiter sichtbar zu halten“, meint der Archäologe mit Blick auf den geplanten Volksbank-Neubau. Allzu große Hoffnung wollte Frank Ruffing, Vorstands-Vorsitzender der Volksbank Kleverland, da aber nicht machen.

Noch gehöre das Grundstück der Stadt, die es aber baureif an die Volksbank veräußert hat. „Und natürlich brauchen wir die Tiefgarage mit einer Betonwanne“, erklärt Ruffing. Teile der historischen Funde befänden sich aber wohl außerhalb des Gebäudes. Da könne man ja mal sehen, was möglich ist. So ganz wertvoll könne das alles nicht sein, so Ruffing. „Sonst hätte die Stadt das schon längst ausbuddeln lassen und darüber ein Museum gebaut“.

 
 

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