Berufsorientierung wird abgespeckt

Gesamtschule Mittelkreis Goch, Berufsbildung mit dem SOS Kinderdorf Kleve, v.l. Erik Spicker (Berufsorientierungsprogramm SOS), Sonja Laarmanns (didaktische Leitung Gesamtschule Goch), Heinz Driehsen (Technischer Leiter Bildung SOS), Christian Koczy (Lehrer Gesamtschule Goch)
Gesamtschule Mittelkreis Goch, Berufsbildung mit dem SOS Kinderdorf Kleve, v.l. Erik Spicker (Berufsorientierungsprogramm SOS), Sonja Laarmanns (didaktische Leitung Gesamtschule Goch), Heinz Driehsen (Technischer Leiter Bildung SOS), Christian Koczy (Lehrer Gesamtschule Goch)
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Für mehr Schüler, aber an weniger Tagen. Keine freie Partnerwahl mehr

Kreis Kleve..  „Wir sind froh, dass wir bei der Berufsorientierung mit dem SOS-Kinderdorf kooperieren“, sagt die didaktische Leiterin an der Gesamtschule Mittelkreis, Sonja Laarmanns. Die Schule bemühte sich selbst um diesen Partner. „Leider wird den Schulen die Entscheidung aus der Hand genommen“. Nur fürs nächste Schuljahr konnten Schulen noch selbst Träger wählen, mit denen sie arbeiten wollen. Laut der Kreis Klever Schulrätin Angelika Platzen wird dann künftig der Kreis die „kommunale Koordinierung KoKo“ zentral übernehmen. Wie Kreissprecherin Elke Sanders der NRZ antwortet, benannte der Kreis Anfang Januar 1200 Schüler der 8. Klassen, die profitieren sollen vom „KAoA BOP“, sprich: dem Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss Berufsorientierungsprogramm“. Es gilt für alle Schüler, von Gymnasien bis zu Förderschulen.

Statt je drei Tagen Berufserfahrung in drei Berufsfeldern, wie es die Gesamtschüler jetzt erleben, gibt es dann je einen Tag für Einblicke ins Arbeitsleben, statt drei Tagen Fähigkeits-Analyse nur einen. „Sich handwerklich wirklich auszuprobieren, fällt weg, wenn man den Praxisanteil runter schraubt“, fürchtet Erik Spicker, Koordinator Berufsorientierung von SOS. Schon die Teilnahme am routinemäßigen „girls day“ gelte dann als Praxispart.

Und wer Träger der Angebote wird, das entscheidet auch der Kreis – nach Geld, nicht nach Qualität. EU-weit werde ausgeschrieben. Andernorts wurde sowas bereits umgesetzt in Form von Praxis-Info-Boxen in großen Hallen. „Das ist Praxis, die nur daneben gehen kann“, urteilt Heinz Driehsen (Technikleiter SOS). Kaputt gemacht werde zudem, was über Jahre an Kontakten wuchs, ahnt auch Sonja Laarmanns. Denn Know-How entsteht nicht nur bei den Kindern, sondern auch den Ausbildern, ergänzt Erik Spicker. Und trotzdem: „Ein Tag Potenzialanalyse und drei Tage Praxis sind besser als gar nix“, betont er.

Bis Ende 2018/19 wird das Übergangssystem Schule-Beruf in NRW ausgebaut für 512 000 Schüler/innen aller Klassen 8 bis 10, koordiniert vom Arbeitsministerium. Von allen 53 Kreisen und Städten waren der Kreis Kleve und die Stadt Olpe nun die beiden letzten, die beim längeren Berufsorientierungsprogramm mitmachten.

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