Bekenntnisschulen widersprechen der Inklusion

Walter Seefluth, Vorstand Kreis Kleve der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften.
Walter Seefluth, Vorstand Kreis Kleve der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften.
Foto: WAZ FotoPool
GEW: Katholische Grundschulen handeln nicht „unabhängig von Religion, Behinderung, Hautfarbe“

Kreis Kleve.  Heftig wird über die Umsetzung der Inklusion, des gemeinsamen Lernens aller Kinder unabhängig von Religion, Hautfarbe, Behinderung oder Herkunft diskutiert. Aber in der Hälfte der Gemeinden des Kreises Kleve – Kalkar, Uedem, Weeze, Kevelaer, Kerken, Rheurdt, Straelen, Wachtendonk – gibt es ausschließlich katholische Bekenntnisgrundschulen. Da genießen andere Religionen nur ein Minderheitenrecht. „Die Bekenntnisschulen widersprechen einem inklusiven Schulsystem,“ sagt Walter Seefluth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Wenn Eltern ihre Kinder in den anderen acht Gemeinden (Anteil katholischer Bekenntnisgrundschulen: Kleve 56 %, Goch 20 %, Bedburg-Hau 50 %, Kranenburg 50 %, Emmerich 50 %, Geldern 71 %, Issum 50 %, Rees 33 %) anmelden wollen, haben sie auch dort kein Recht auf z. B. evangelischen Religionsunterricht.

Also seien die Grundschulen mit Gemeinsamem Unterricht (GU) meistens Gemeinschaftsschulen, erklärt Dagmar Wintjens vom Vorstandsteam der GEW. Und die müssen alle Kinder aufnehmen.

Weitere Probleme macht die Religionszugehörigkeit bei der Besetzung von Lehrerstellen (die NRZ berichtete): nur katholische Lehrer und Schulleiter für Bekenntnisgrundschulen. „Fast die Hälfte der Bewerberinnen können sich darum nicht schulscharf bewerben,“ oder versetzen lassen, so Wintjens. „Dies ist ein weitere Ursache für die mangelhafte Besetzung besonders in den Schulleitungen des Kreises.“

Die Eltern hielten es in der Hand, die Schulen umzuwandeln und damit für eine Verbesserung zu sorgen. Auf Antrag von 20 Prozent der Eltern muss über die Umwandlung abgestimmt, wenn zwei Drittel dafür sind, vollzogen werden, nennt Anja Oster (GEW) auf das Verfahren.

So lief es an der Karl-Leisner Schule in Kleve. „Wir möchten weitere Schulen auffordern, diesem Beispiel zu folgen“,das sei der richtige Schritt für die Zukunft in einem inklusiven System, mahnen die Gewerkschafter eine „zeitgemäße Schule“ an.

Seefluth wünscht sich jedoch von der Landesregierung mehr Aktivität, „wenn es mit der Inklusion wirklich ernst gemeint ist“. Eine Vereinfachung des Schul-Umwandlungsverfahrens koste „keinen Cent“.

 
 

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