Beim Buchhandel Hintzen trifft Weltliteratur auf Regionales

Die Buchhandlung Hintzen kurz vor dem Krieg in den 30er Jahren. Damals war das Geschäft an der Ecke Große Straße/Marktstraße.
Die Buchhandlung Hintzen kurz vor dem Krieg in den 30er Jahren. Damals war das Geschäft an der Ecke Große Straße/Marktstraße.
Foto: NRZ
Teil 3 der „Klever Schätze“: Die Buchhandlung Hintzen gibt’s in Kleve seit 1925, mittlerweile in dritter Generation.

Kleve..  Wohl auf keinem Gebiet gibt es so viele Klassiker, und doch ist kaum ein Wirtschaftszweig so sehr auf Neues und Allerneuestes spezialisiert wie der Buchhandel. Keine SMS kann die „Suche nach der verlorenen Zeit“ ersetzen, keine E-Mail den neuen Lokalkrimi. Als Anfang 1925 das frisch verheiratete Ehepaar Hubert und Paula Hintzen ihre Buchhandlung auf der Großen Straße in Kleve eröffnete, legten sie vielleicht das soeben erschiene Buch „Der Prozess“ eines gewissen Franz Kafka ins Schaufenster. Mit Sicherheit aber „Jud Süß“ des großen Bestsellerautoren Lion Feuchtwanger.

Dessen Bücher wurden 1933 beschlagnahmt, Nationalsozialisten plünderten das Geschäft. Dennoch ging der Buchverkauf weiter. 1934 verlegte Hubert Hintzen gar sein erstes Buch: „Van det en dat“ von Karl Groenewald. Man sieht: Lokales und Regionales steht von Anfang an gleichberechtigt neben Weltliteratur.

Hubert Hintzen wurde wegen seiner inzwischen zehn Kinder nicht zum Kriegsdienst eingezogen. Den Bombenangriff 1944 überstand nur der Gewölbekeller – und der hier eingelagerte Warenbestand. Nach Kriegsende richtete Familie Hintzen in ihrem Wohnhaus an der Tiergartenstraße eine Leihbücherei und Verkaufsstelle ein. Es war die Zeit des großen Tauschens, die Inflation hatte den Wert des Geldes vernichtet.

Neueröffnung 1949 an der Großen Straße

Doch schon 1949 öffnete das Geschäft auf der Großen Straße neu. Da erschien gerade „1984“ von George Orwell. Hubert Hintzens Söhne Paul und Josef begannen ihre Buchhändlerlehre im elterlichen Betrieb. Von 1950 an baute Paul Hintzen seine Geschäftsbeziehungen in die Niederlande auf, die noch immer existieren. 1951 eröffnete Hintzen ein zweites Geschäft auf der Hagschen Straße. Wie es heißt, empfing der junge Paul Hintzen seine Kunden dort mitunter in kurzen Hosen. Sein Bruder Otto übernahm 1960 die Leitung des Bürobedarfs.

1971 eröffneten die Hintzens ihre Filiale gegenüber der heutigen Sparkasse, wo noch heute die Buchhandlung beheimatet ist. Ein Jahr später kam Heinrich Böll auf Einladung der Buchhandlung nach Kleve. Ein illustrer Gast, der kurz danach den Literaturnobelpreis bekam. Nach dem Tod des Firmengründers 1964 führte seine Gattin Paula mit den drei Söhnen die Buchhandlung weiter. Nach Paulas Tod 1977 übernahmen die Söhne die Geschäftsführung. Auf Josef und Paul Hintzen folgte 1995 mit dessen Sohn Matthias die dritte Generation im Familienbetrieb. 2003 wurde modernisiert, umgezogen und vergrößert, 2005 wieder verkleinert. Konzentriert auf einen Standort steuert die Buchhandlung Hintzen heute auf ruhigem Kurs durch die Untiefen des gegenwärtigen Buchgeschäftes.

Weitere Informatinoen unter: www.klever-schätze.de

 
 

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