Bauern wollen den „Kleinkrieg“

Andreas Gebbink
Minister Remmel wurde von den Bauern hart angegangen.
Minister Remmel wurde von den Bauern hart angegangen.
Foto: WAZ FotoPool
Landwirtschaftsvertreter fahren beim Artenschutzerlass in der Düffel harte Linie. Umweltminister: „Nur im Kreis Kleve scheint Lösung nicht möglich zu sein“

Kleve.  Die Landwirte aus der Düffel lassen nicht locker. Unterstützt von der Kreisbauernschaft demonstrierten sie gestern vor dem Museum Kurhaus gegen den Erlass von Landesumweltminister Johannes Remmel. Die hiesigen Bauern sind mit dem Schutz der Uferschnepfe nicht einverstanden, halten ihn für überzogen und existenzgefährdend. Eine halbe Stunde vor dem Neujahrsempfang der Grünen machten die Landwirte ihrem Unmut Luft.

Gut vorbereitet mit Lautsprecheranlage und Transparenten postierten sich die Bauern vor dem Eingang des Kurhauses. Hier erwarteten sie das Kommen von Umweltminister Johannes Remmel. Kreislandwirt Josef Peters heizte den Demonstranten am Mikrofon ein: „Herr Minister, ich habe einen Kleinkrieg in der Düffel angekündigt. Sie können ihn verhindern.“ Mit Blick zur Nabu: „Diese Verräter werden nicht unser Land betreten.“ Josef Peters kündigte gestern weiteren Widerstand an: „Es muss endlich Schluss sein mit überzogenen Naturschutzmaßnahmen.“

Von 850 auf 65 Hektar reduziert

In der Sache geht es erneut um den „Artenschutzerlass“ des Ministers, der das Leben der Wiesenbrüter stärker schützen soll (wir berichteten). Bereits am vergangenen Donnerstag hatten sich Johannes Remmel, Josef Peters und Landwirtschaftspräsident Friedhelm Decker getroffen, um einen Kompromiss auszuhandeln. Ergebnislos.

Die ursprünglich für die Erlassregelung vorgesehenen 850 Hektar Schutzfläche würde der Minister deutlich auf 65 Hektar verkleinern. Auf diesen Flächen dürfen die Landwirte erst dann mähen, wenn sie eine Zustimmung der Kreisverwaltung erhalten haben. Es muss sicher gestellt sein, dass dort keine Uferschnepfen oder andere Wiesenvögel brüten. Remmel bot am vergangen Donnerstag den Landwirten zudem an, den Erlass sogar ganz aufzuheben, wenn die Nabu-Mitarbeiter die Felder nach Brutvögeln kartieren dürfen. Auch diesen Vorschlag lehnten die Landwirte ab: „Ein Kompromiss ist für uns nicht möglich“, sagt Peters.

Umweltminister Johannes Remmel zeigte sich im Gespräch mit der NRZ sehr erbost: „Wir haben jetzt ein Dreivierteljahr verhandelt. Der Kompromissvorschlag ist hart an der Grenze, was noch zu vertreten ist. Ich hatte erwartet, dass man dem zustimmen kann, aber ich sehe hier überhaupt keine Kompromissbereitschaft seitens der Landwirte. Überall im Land gibt es gute Lösungen, nur hier im Kreis Kleve scheint das nicht möglich zu sein.“ Der Minister kündigt an, den Erlass jetzt umsetzen zu wollen. Er habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass man seine reichende Hand ausgeschlagen habe.

„Die Regelungen sind eindeutig“

Der Kompromiss des Ministeriums ging Dr. Volkhard Wille von der Nabu auch schon zu weit: „Es gibt eine gesetzliche Notwendigkeit des Schutzes. Die Regelungen sind eindeutig. Land und Kreis sind verpflichtet, das geltende Recht umzusetzen“, so Wille.