Bärbel Höhn debattiert über Preisdruck auf Landwirte

Ex-Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (M.) und Kreislandwirt Josef Peters (r.) zollen mittlerweile einander Repekt.
Ex-Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (M.) und Kreislandwirt Josef Peters (r.) zollen mittlerweile einander Repekt.
Foto: Kleve
Bei einer Podiumsdiskussion von Bündnis 90/Die Grünen mit Vertretern der Landwirtschaft ging es um die Zukunft des Agrobusiness

Kleve..  Die wilden Zeiten sind vorbei. Bärbel Höhn, einst erste grüne Landwirtschaftsministerin, und Kreislandwirt Josef Peters bezeugten einander bei der Podiumsdiskussion von Bündnis 90/Die Grünen Respekt und Hochachtung. Die etwa 50 Zuschauer im Haus Riswick erlebten eine sehr sachliche Diskussion über die Frage, wie man eine zukunftsfeste bäuerliche Landwirtschaft und eine klein- und mittelständische Ernährungswirtschaft erlangen kann. Moderator Bruno Jöbkes, Bundestagskandidat der Grünen, formulierte das so: „Wie kann man Missstände beseitigen, ohne die Ertragslage der Landwirte zu schmälern?“

Preisdruck immens

Der Preisdruck auf die Landwirte sei immens, sagte Johannes Steger, stellvertretender Kreislandwirt aus Kerken. Begriffe wie Massentierhaltung seien für viele Verbraucher negativ besetzt, da gebe es Aufklärungsbedarf. Heinrich Rülfing aus Rhede, Vorsitzender der Direktvermarktervereinigung NRW, sah Aufklärungsbedarf, aber einen anderen: „Der Megatrend ist doch, dass die Verbraucher wissen wollen, wo die Produkte herkommen.“

Dass man auf diese Weise die Verbraucher dazu bringen könne, höhere Preise zu zahlen, glaubte Kreislandwirt Josef Peters nicht. „Die Leute, die sagen, Lebensmittel müssten teurer werden, die sieht man dann bei Aldi an der Kasse wieder“, sagte er. Die Politiker hätten die Verbraucher nicht in diese Richtung lenken können, die Verbände auch nicht. Und vom Wirtschaftlichen her hätten heute gerade die ökologisch produzierenden Betriebe die größten Probleme.

Heinrich Hiep, Vertreter des Vereins Agrobusiness Niederrhein e.V. und Präsident des Landesverbandes Gartenbau Rheinland, pochte darauf, dass sein Berufsstand verlässliche Rahmenbedingungen haben müsse.

Bärbel Höhn zeigte sich skeptisch, dass Landwirte so bald faire Preise für ihre Produkte bekämen. Da müsse man die 50 Prozent ihres Einkommens, die als Subventionen von der öffentlichen Hand kommen, gerecht verteilen. „Wir wollen Familienbetriebe stärken“, versprach sie. Die große Koalition ab 2005 habe schwere Fehler gemacht. Es fehle an Anbauflächen, weil wegen der erhöhten Fleischproduktion und der falschen Situation bei der Biogasproduktion immer mehr Mais angebaut werde. „Eine gute Sache hat man durch falsche Subventionierung fatal verändert“, beklagte sie. „Wir sollten nichts fördern, was Fehler verursacht, die wir dann wieder für teures Geld reparieren müssen.“

 
 

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