Baby erwürgt - viereinhalb Jahre Haft für Mutter aus Weeze

Muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis: Die 25-Jährige bei einem Verhandlungstag Mitte März.
Muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis: Die 25-Jährige bei einem Verhandlungstag Mitte März.
Foto: WAZ FotoPool
Eine 25-jährige Weezerin hatte im vergangenen Jahr ein Kind direkt nach der Geburt getötet. Sein Zwilling war wohl bereits tot zur Welt gekommen.

Kleve. Der Prozess am Landgericht Kleve um die beiden im vergangenen Jahr in Weeze gefundenen Babyleichen ist am Donnerstag mit einer Verurteilung der 25-jährigen Angeklagten geendet: Die junge Frau muss wegen Totschlags in einem minder schweren Fall für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Richter Ulrich Knickrehm folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Er sah es als erwiesen an, dass die Bauernstochter im September vergangenen Jahres ein Kind direkt nach der Geburt getötet hat. Als strafmildernd bewertete Knickrehm unter anderem das umfangreiche Geständnis der Angeklagten, „ohne das diese Tat nicht zu Ihrer Verurteilung geführt hätte“.

Der Bruder der Angeklagten hatte die Leichen der beiden Säuglinge im vergangenen September auf dem Dachboden und einem Strohspeicher gefunden. Weil die Körper sich in völlig unterschiedlichen Verwesungsstadien befanden, gingen die Ermittler zunächst davon aus, dass die junge Frau sie in einem großen zeitlichen Abstand voneinander geboren und getötet hatte. Deswegen hatte die Staatsanwaltschaft die Frau auch wegen Doppelmordes angeklagt. Im Laufe des Prozesses stellte sich jedoch heraus, dass die beiden Kinder Zwillinge waren und eines der Babys bei der Geburt bereits tot war.

Von den Ermittlern unter Druck gesetzt

Genau das hatte die Angeklagte in einer ersten Vernehmung den ermittelnden Polizisten auch detailliert geschildert – sie berichtete den Beamten, wie sie das erste Kind im Bad stehend zur Welt brachte; wie sie feststellte, dass es bereits tot war; dass sie es in eine Plastiktüte packte, diese neben ihr Bett legte und einschlief. Und dass sie am nächsten Tag ein zweites Kind gebar, diesmal in der Badewanne. Dass dieses Kind lebte, schrie. Wie sie es unter Wasser drückte und würgte, bis es tot war; und wie sie die beiden Leichen auf dem Dachboden und dem Strohspeicher versteckte. Die Polizisten glaubten ihr aber nicht und setzten sie so lange unter Druck, bis sie erzählte, dass sie eines der beiden Kinder bereits im November 2012 auf die Welt gebracht und getötet habe. Ein Verhalten, das typisch für die junge Frau sei, attestierte Richter Knickrehm: „Sie versucht Antworten zu geben, die von ihr erwartet werden.“

Erst während des Prozesses ergab sich durch ein vom Gericht beauftragtes rechtsmedizinisches Gutachten, dass die beiden Leichen tatsächlich Zwillinge waren und eines der beiden Kinder bereits vor der Geburt starb. Eine herbe Schlappe für die Staatsanwaltschaft, die ihre Anklage von Doppelmord auf Totschlag in einem minder schweren Fall ändern musste. Der Verteidiger der jungen Frau hatte sogar auf Freispruch plädiert – da nicht rechtsmedizinisch nachgewiesen werden konnte, dass der zweite Säugling lebte.

Dürftige Beweislage

Die Beweislage sei „dürftig“, räumte Richter Knickrehm ein. Tatsächlich konnte die Angeklagte, die während des Prozesses schwieg, nur aufgrund ihrer ersten Aussagen bei der polizeilichen Vernehmung verurteilt werden - die stufte das Gericht als glaubhaft ein.

Die 25-Jährige sei in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen und leide unter einer komplexen Persönlichkeitsstörung, so Knickrehm. In den vergangenen Jahren war sie mehrfach wegen Depressionen und Suizidversuchen in stationärer Behandlung. In den Monaten vor der Tat arbeitete sie als Prostituierte in einem Bordell in Kamp-Lintfort, in dem sie auch wohnte. Die Familie wusste davon, ihr Vater holte sie immer von dem Bordell ab, wenn sie ihre Tage hatte. Ihre Schwangerschaft hielt sie vor ihrer Familie geheim. Offenbar wegen derselben „diffusen Angst“, die sie zu der Tötung des Kindes bewegte - der Angst, in ihrer Familie mit dem Kind eines Freiers nicht mehr willkommen zu sein. „Niedere Beweggründe“ konnte das Gericht aber nicht erkennen.

Während des Prozesses attestierte ein Gutachter der jungen Frau, dass ihre Steuerungsfähigkeit bei der Tötung des Kindes erheblich eingeschränkt gewesen sei. Ein Aspekt, den das Gericht neben dem Geständnis als strafmildernd bewertete. Aber: „Sie haben ein kleines, wehrloses, völlig hilfloses Opfer umgebracht“, so Richter Knickrehm.

 
 

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