Arbeiten und heilen im Geiste Padre Pios

San Giovanni Rotondo/Kevelaer.  Es war eine der ungewöhnlichsten Reisen, die ein Team der Aktion pro Humanität (APH) um die Kevelaerer Ärztin Dr. Elke Kleuren-Schryvers hinter sich gebracht hat. Dieses Mal war das Ziel nicht Afrika, nicht Benin oder der Niger, wo APH seit 20 Jahren u.a. ein Krankenhaus unterhält und Brunnen baut. Dieses Mal hieß das Ziel San Giovanni Rotondo, Italien, Apulien.

Ordensfrauen im APH-Projekt

Aber natürlich wurzelt der Grund der etwas anderen Reise im roten afrikanischen Boden: Nach zwei Jahrzehnten medizinischer und humanitärer Arbeit gilt es, das vor allem mit niederrheinischen Spenden finanzierte Krankenhaus in Benin in den nächsten Jahren in die Verantwortung afrikanischer Hände zu geben – in die Hände der Schwestern von Padre Pio. Bis 2017 werden zwölf Ordensfrauen ihren Dienst im Projekt aufgenommen haben. Jener Orden hat nicht nur in Benin sondern auch im apulischen San Giovanni Rotondo sein Zuhause – eben dort, in dem italienischen Wallfahrtsort, arbeitet auch eine der renommiertesten und modernsten Kliniken Italiens, die „Casa Sollievo della Sofferenza“. Und mit jenem „Haus zur Linderung der Leiden“ wird APH künftig kooperieren. „Ein großer, ein wunderbarer Schritt für uns in die Nachhaltigkeit unserer Arbeit“, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers. Padre Pio, Italiens großer Nationalheiliger (gestorben 1968, 2002 heilig gesprochen), hat vor 50 Jahren die Errichtung dieses Krankenhauses in einer heute noch armen Region initiiert und vorangetrieben – in seinem Geist arbeitet es nach wie vor: Das Gebet, die spirituelle Fürsorge und Hinwendung zum kranken Menschen hat einen festen und gleichberechtigten Platz neben der Medizin, der Wissenschaft. Nächstenliebe und wirtschaftliche Rentabilität scheinen hier kein Widerspruch zu sein.

Fast 1000 Betten groß ist die Klinik, 21 OP-Säle allein schon gibt es, mehr als 2500 Beschäftigte stehen in Brot und Lohn. „Im Zentrum unserer Arbeit steht die Nächstenliebe“, sagt Dr. Leonardo Miscio, ärztlicher Direktor. „Liebe zum Menschen ist viel mehr als nur Pflege.“ Ungewohnte Sichtweisen, wenn man ein (z.B. deutsches) Gesundheitssystem betrachtet, dass mit Pflegenotstand, Kostenexplosionen und Zeitverknappung den Faktor Mensch geradezu unterordnen muss.

Der Mensch wird wieder Mittelpunkt

Padre Pio, der charismatische Kapuzinermönch mit den Stigmata, den nie heilenden Wundmalen an den Händen, hat nur einen Steinwurf weit von der Klinik gewirkt, hat Gläubige in Scharen angezogen, Kirchenferne irritiert und verschreckt, hat mit ungeheurem Elan im kargen Nichts ein modernes Krankenhaus möglich gemacht, das auch heute noch einen Großteil seiner bedürftigen Patienten gratis behandelt – und sich selbst aus Spenden finanziert. Die „Casa Sollievo della Sofferenza“ würdigt ihren Heiligen mit Bildern und Porträts an jeder Wand, auf den Fluren liegen Bibeln aus, zwei Hauskapellen laden jederzeit zu Ruhe und Gebet ein – Patienten und Personal. Gleichzeitig arbeitet die Klinik engagiert in Wissenschaft und Forschung, u.a. in einem 50 Millionen großen EU-Projekt zur Stammzellenforschung. „Ein Haus im Sinne Padre Pios ist unser Vorbild. Immer mit dem kranken Menschen im Zentrum, als ein Zeichen großherzigen, mitmenschlichen Handelns, als glücklichste Verwirklichung einer wahren Caritas“, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers. Ein erster Schritt ist getan: Die italienische Klinik und das Buschkrankenhaus vereinbarten, dass das medizinische Personal der APH-Krankenstation sich künftig in San Giovanni Rotondo in Theorie und Praxis weiterbilden kann – nur die Hin- und Rückflüge muss die niederrheinische Hilfsorganisation jeweils finanzieren.

Zudem wird das „niederrheinische Krankenhaus“ in Westafrika bei komplexen und komplizierten Krankheitsbildern die italienischen Kollegen zu Rate ziehen können – via Mail-Konferenz oder Telemedizin.

 
 

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