Antibiotika-Einsatz in der Mast „schreit nach Lösungen“

Foto: David Hecker/ddp
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Foto: ddp images/dapd/David Hecker
Obwohl im Kreis Kleve weniger Antibiotika in der Hähnchenmast eingesetzt werden, gilt: Die Zahl belasteter Tiere ist landesweit einfach zu groß.

Kreis Kleve.. Es sind erschreckende Zahlen, die Landesumweltminister Johannes Remmel gestern in Düsseldorf vorstellte. Bei 96,4 Prozent der untersuchten Masthähnchen wurden Antibiotika festgestellt. Zum Teil wurden die Tiere, die bis zu 35 Tage leben, mit bis zu acht verschiedenen Antibiotika behandelt. Im Landesdurchschnitt seien es drei Wirkstoffe pro Tier.

Der Kreis Kleve bildet hier glücklicherweise eine positive Ausnahme. Amtstierärztin Sylvia Heesen teilte gestern der NRZ auf Anfrage mit, dass man für die Landesstudie von Februar bis Juni die sechs Betriebe im Kreis Kleve untersucht habe. Insgesamt wurden 28 Schlachttieruntersuchungen vorgenommen. „In 17 Mastdurchgängen wurden überhaupt keine Antibiotika eingesetzt“, freut sich Sylvia Heesen. Bei elf Durchgängen habe es eine Behandlung gegeben: „Dabei wurde in zehn Durchgängen nur ein Antibiotikum verabreicht. Drei bis vier Tage lang“, so Heesen. In einem Fall wurden unterschiedliche Wirkstoffe längere Zeit verabreicht.

Der Kreis Kleve steht damit wesentlich besser da als der Landesdurchschnitt. Heesen sieht die Ursache darin, dass der Kreis keine große Hähnchenmastregion ist. In Westfalen sei das Problem wesentlich größer. Die Kreis Klever Unternehmen seien zwar große konventionelle Mastbetriebe, aber sie beeinflussen einander nicht. Dies würde eher gegen eine Verdichtung von Mastbetrieben in einer Region sprechen. Denn: „Je höher die Populationsdichte, desto größer die Infektionsgefahr.“

Sylvia Heesen betont, dass sich in NRW alle Fachärzte einig seien, dass zu viel Antibiotika verabreicht werden. „Es schreit nach Lösungen“, sagt sie. Gleichwohl betont die Leiterin der Abteilung Gesundheit, dass auch die Landwirtschaft ein reges Interesse daran habe, den Einsatz von Medikamenten so gering wie möglich zu halten. Denn diese sind teuer.

Puten werden später untersucht

Für die Studie des Verbraucherschutzministeriums wurden im Kreis Kleve pro Mastdurchgang zwischen 4850 und 31 800 Tiere begutachtet. Die Ärzte prüften die schriftliche Dokumentation und begutachteten das Gefieder und das Futter. Der Kreis Kleve ist eher eine Putenmastregion. Puten wurden in der Studie allerdings nicht untersucht, dies soll in einer weiteren erfolgen.

Info: Antibiotika

Wissenschaftler warnen seit Jahren vor dem regelmäßigen Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht, weil hierdurch die Bildung multiresistenter Keime forciert wird. Die Bundesärztekammer sieht eine weltweite Zunahme von resistenten Keimen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sterben jährlich 15­ 000 Menschen in Deutschland wegen multiresistenter Keime.

 
 

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