Angebote an die Demonstranten

Bürger demonstrierten gegen die Schließung der Sparkasse Rindern und sprachen mit dem Vorstand,
Bürger demonstrierten gegen die Schließung der Sparkasse Rindern und sprachen mit dem Vorstand,
Foto: NRZ
Ältere Bürger aus Rindern und Umgebung hofften vergebens, dass die Sparkasse dort nicht schließt. Aber die Bank bietet an: Wir bringen Geld bis zur Haustür. Und: Wir verhandeln, dass Händler Bargeld auszahlen

Rindern.  Es ist selten, dass sich Senioren zu einer öffentlichen Demonstration formieren. Über 60 Bürger, viele von ihnen im Rentenalter, taten es gestern. Die angekündigte und endgültig beschlossene Schließung der Sparkassenfiliale in Rindern hat sie auf die Straße gebracht. Gedruckte Schilder hielten die Demonstranten hoch: „Schenkenschanz fordert den Erhalt der Filiale Rindern!“ stand darauf, gleiches für Bimmen, Düffelward, Rindern sowieso, insgesamt sieben Stadtteile. Seit Wochen hatte Hannelore Wingels (76) mit Listen beim Bäcker und sonstigen zentralen Stellen Unterschriften Gleichgesinnter gesammelt. 360 kamen zusammen. Ihre Hoffnung, damit etwas zu erreichen, erfüllte sich aber nicht.

Die Chefetage der Sparkasse Kleve hatte sie zur Demo geladen und es kamen persönlich vor Ort: Rudi van Zoggel als Vorsitzender des Vorstandes, und ebenfalls aus dem Vorstand Wilfried Röth und Ludger Braam. Letzterer versicherte, dass die Entscheidung kein „Schnellschuss“ gewesen sei, sondern man lange die Kundenströme beobachtet habe, dass sich aber drei Mitarbeiter in der Filiale – im technischen Ablauf notwendige Anzahl – um täglich etwa 20 Kunden kümmern. Auch bei einzelnen Öffnungs-Tagen pro Woche entstünden immer noch zu hohe Kosten. „So Leid es uns im Hinblick auf die nicht mehr uneingeschränkt mobilen Kunden tut“, sagte Ludger Braam.

Johanna Lenders (79) erzählte, dass sie das Konto ihres Kegelclubs bereits aufgelöst habe und ihr privates nun auch bald zur Konkurrenz ummelden wolle. Werner Brügge (72) bat Rudi van Zoggel, wenigstens einen Kontoauszugsdrucker und einen Geldautomaten in Rindern zu belassen. Wegen der zahlreichen gesprengten Geldautomaten will die Sparkasse aber keinen weiteren Selbstbedienungs-Standort. „Der Angriff vom 7. März hat uns darin bestärkt“.

Mit Online-Banking über Computer oder Handy mochten sich die Demonstranten nicht zufrieden geben. Braam verwies auf die Automaten am Hagebaumarkt in 1,5 km Entfernung, die kleine Geschäftsstelle am Edekamarkt Ludwig-Jahn-Straße 2 km entfernt und die große Geschäftsstelle Kellen, 2,5 km von Rindern.

Der Sparkassenvorstand bat um Verständnis. Viele ländliche Geschäftsstellen schlossen in den letzten Jahren: Je eine nur blieb in Kalkar, Bedburg-Hau und Kranenburg. Die Sparkasse Kleve könne sich dem Strukturwandel nicht entziehen – der auch an geschlossenen Arztpraxen, Schulen, Lebensmittelmärkten, Gaststätten ablesbar sei.

Seit Januar verhandele die Sparkasse mit Händlern vor Ort über eine Bargeldversorgung als sogenanntes „Cash Back“ = Bargeld zurück. Kunden könnten dann bei einem Einkauf Bargeld vom Händler erhalten. Sobald es dazu eine Entscheidung gebe, werde die Öffentlichkeit informiert. „Außerdem bringen unsere Mitarbeiter den Kunden das Bargeld auf Bestellung bis an die Haustür“, sagte Braam.

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank treffe nicht nur die Sparer, sondern auch das Geschäftsmodell von Sparkassen und Volksbanken.