Anekdoten über Joseph Beuys erzählt man sich in Kleve viele

Joseph Beuys in seinem Haus am Drakeplatz in Kleve. Am 12. Mai 2011 wäre der Künstler 90 Jahre alt geworden. Foto Winfried Göllner
Joseph Beuys in seinem Haus am Drakeplatz in Kleve. Am 12. Mai 2011 wäre der Künstler 90 Jahre alt geworden. Foto Winfried Göllner
Foto: NRZ
Joseph Beuys ist ein Klever. Am 12. Mai wäre der Künstler 90 Jahre alt geworden. Anekdoten gibt es über ihn genug: ein gefälschter Klassenbucheintrag, Butter aus Eigen-Herstellung und Blätterteig auf Vernissagen. Ob sie stimmen? Egal!

Kleve.. Da lebt man nun zwischen Margarinefabrik und Molkerei, und alles, wonach man sich von Herzen sehnt, ist ein Stück Gute Butter. Ob Joseph Beuys so empfunden hat, wissen wir nicht.

Zahlreiche Anekdoten aus seiner Klever Heimat wollen jedenfalls wissen, dass schon der Schüler Beuys auf umliegenden Weiden Milch zur Herstellung eigener Butter gezapft hat, weil es zu Hause nur Margarine gab. Es gibt andererseits auch Erzählungen, dass er als Kind liebend gerne Butterberge zermatscht habe.

Was Dichtung ist und was Wahrheit, wird mit der Zeit immer schwerer auseinanderzuhalten. Soviel steht fest: Beuys, der heute 90 Jahre alt geworden wäre, ist in Kleve erwachsen geworden. Man kann auch sagen: Er ist Kleve entwachsen. War das vorauszusehen, als er die hiesige Hindenburg-Oberschule (heute: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium) besuchte?

Viele Einträge ins Klassenbuch

Dafür gibt es wenig Anzeichen. Ein guter Schüler soll er nicht gewesen sein, im Gegenteil, aber einer, der mit Streichen von sich reden machte. Und das mitten in der NS-Zeit. Besonders hübsch (und eigentlich zu schön, um wahr zu sein) ist die Geschichte einer trefflichen Klassenbucheintragung durch den frechen Joseph. Ein besonders nazitreuer Lehrer habe von seinen Schülern immer verlangt, in der braunen HJ-Uniform zum Unterricht zu erscheinen. Beuys hatte auch so eine, er spielte Cello im sogenannten Bannorchester der Hitlerjugend. Doch weil ein Schüler mit dem Vornamen Adam der Aufforderung nicht folgte, habe der Lehrer ins Klassenbuch geschrieben: „Adam kam ohne Hemd.“ Beuys habe dann nach der Stunde kurzerhand hinzugefügt: „Eva auch.“

Es muss Beuys gefallen habe, wie sehr ernsthafte, steife Situationen ihre Absurdität offenbaren, wenn man sie ein wenig manipuliert. Angeblich (aber auch dafür gibt es keinen Beweis) hat er verfügt, dass bei Vernissagen mit seiner Kunst immer Blätterteiggebäck gereicht werden solle. Man sieht sie vor sich, die Damen in eleganten Röcken und die intellektuell herausgeputzten Herren, wie ihnen das Gebäck beim Knabbern zerbröselt. Related content

Als „sehr korrekt, sehr humorvoll, sehr witzig, aber manchmal auch brutal“ beschreibt ihn eine seiner zahlreichen Studentinnen in einem Interview mit Georg Peez. Als sie einmal einen Tonkopf angefertigt habe, sei der Meister herangetreten, habe mit der Faust mittenhinein gehauen und gesagt: „So, jetzt stimmt’s.“

Professionell beim Kartoffelschälen

Dr. Bettina Paust, Direktorin des Museums Schloss Moyland, hat Beuys selber nie persönlich kennengelernt. Die Sache mit dem Blätterteiggebäck hält sie für erfunden. Dafür soll er jedoch ein guter und leidenschaftlicher Koch gewesen sein. Es gibt Aufnahmen, die ihn sehr professionell beim Kartoffelschälen zeigen. Und wenn er bei Aktionen tote Tiere verwendet habe, so hat er sie nachher auch gekocht (dafür gibt es mehrere Quellen).

Ansonsten bezweifelt Paust, dass man den privaten vom öffentlichen Beuys wirklich trennen könne: „Er hat mal gesagt, er kenne kein Weekend.“ Entspannt hat er sich vielleicht beim Rauchen. Paust: „Bei einer Aktion 1974 hat er sich mal an den Absperrungszaun begeben, um bei den Zuschauern in Ruhe eine Zigarette zu rauchen.“

Die Konsequenz, mit der er seine Vorstellungen auch bei Rückschlägen weiter vorwärts getrieben hat, hatte jedenfalls ihren Preis. Man weiß von einem Herzinfarkt, berichtet wird auch von einem Nierenleiden. Was man ebenfalls weiß: Beuys lachte gerne und aus ganzer Seele. Das kann man auf zahlreichen Fotografien sehen. Bis zum 3. Oktober sind einige davon im Museum Schloss Moyland ausgestellt.

 
 

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