Am Gocher Gymnasium in Ruhe mal anders lernen

Im kuscheligen Stilleraum startet bald Unterricht in allen Fächern – mit besonderem Lernansatz.
Im kuscheligen Stilleraum startet bald Unterricht in allen Fächern – mit besonderem Lernansatz.
Foto: WAZ FotoPool
Auf dem Teppich liegen und Optik-Grundsätze oder das Nervensystem im Bio-Unterricht erkunden: im neue Stille-Raum des Gymnasium Goch geht das

Kreis Kleve/Goch.  Kuschelweicher Teppichboden, helle Wände, dicke Sitzkissen, eine bis zum Boden reichende Fensterwand und ein pädagogischer Plan: Der Stilleraum des Gymnasiums Goch ist nicht nur im Kreis Kleve einzigartig, versichert Katharina Maslow. Die Erprobungsstufen-Koordinatorin des Gymnasiums präsentiert den Raum samt ganzheitlichem Lern-Konzept erstmals am „Tag der offenen Tür“ (25. Januar, 10-13 Uhr).

Noch ist der Raum jungfräulich. Einzig fürs Foto durften Schüler des Offenen Ganztags mal ganz kurz – ohne Schuhe – hineinspazieren und sich auf die Riesenkissen kuscheln. Allerdings ohne Unterrichtsinhalte.

Die folgen später – sobald jeder Lehrer für seinen Unterricht (egal welches Fach) den Raum einfach elektronisch vormerken kann, um dann dort beispielsweise Biologiestoff zu pauken. Maslow (die den Raum initiierte) sieht die Schüler, die im Stilleraum entdecken wie das Nervensystem funktioniert, schon vor sich. Die Nerven leiten Reize weiter, warum also nicht Schüler in den Raum setzen, die sich über die Wange streichen und abwarten, wie schnell sie das Streicheln spüren und wie lange es dauert bis das Gefühl abebbt. Ebenso könnte ein Physikkurs optische Gesetze praktisch erfahren – wenn die Schüler Lichtbrechungen in vorbeiziehenden Wolken studieren, während sie sitzen oder liegen.

„Im Prinzip kann hier jedes Fach unterrichtet werden. Die Schüler lernen zu hören und zu sehen“, erklärt die Deutsch- und Religionslehrerin, die für jedes Fach Unterrichtsmaterialien für den Raum mitbestellte. Passend zum ganzheitlichen Konzept des Gymnasiums werden so Lerninhalte gekoppelt mit der geschärften Körper- und Sinneswahrnehmung im Stilleraum. Der Raum sei extra relativ gestaltet, was auch ideal für Hörbeispiele sei, ob für den Englischunterricht oder fürs Vortragen von Gedichten. „Viele Lehrer müssen den Raum aber erst einmal selber ausprobieren“, ist sich Maslow sicher. Musik- und Kunstlehrer hingegen brennen auf die Eröffnung.

Noch finden letzte Arbeiten im Raum statt. Ein Regal für die Unterrichtsmaterialien fehlt noch, um verschiedenste Klangkörper (Klangschale, Regenstab) oder die Lichtmaschine (die sogar bunte Unterwassermuster an die Wand werfen kann) unterzubringen. Bunte Riesensitzkissen türmen sich neben kuscheligen Decken.

Damit der einstige Klausurenraum, der beim doppelten Abijahrgang benötigt wurde, überhaupt Teil des ganzheitlichen Schulansatzes werden konnte, sprang der Förderverein zur Seite. „Wir suchen immer Projekte, die wir unterstützen können“, sagt Vereinssprecher Bernd Jansen, „und der Stilleraum passte da gut.“ Gut 6000 Euro wurden von der jährlichen Fördersumme (7500 Euro) dafür genutzt.

 
 

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