20-jähriger Klever schlug Opfer in regelrechter Gewaltorgie tot

Nach drei Tagen auf Amphetaminen und einer wohl abfälligen Bemerkung über seine Schwester brannte wohl die Sicherung durch: Wegen Totschlags muss sich nun ein 20 Jahre alter Klever vor dem Landgericht verantworten. Er räumt ein: Minutenlang hat er auf das am Ende ohnmächtige Opfer eingeprügelt.

Kleve. Erst lief das polnische Musikvideo mit der ghettomäßigen Aufmachung und dem auf Deutsch übersetzten Titel „Mein Block“ auf dem Computer. Dann, als „in der Wohnung Stille“ eingekehrt war, brach es nach drei durchgemachten Tagen, voll mit Amphetaminen los. Da geriet der 20-jährige Michael M. „in einen Blutrausch“. Den Polen Marcin R. (22) bearbeitete er mit Fäusten und Tritten – als dieser noch wimmerte und wohl auch später, als er längst ohnmächtig war. Dem Opfer hat M. am 4. September in der Wohnung seiner Mutter auf der Klever Küpperstraße den Schädel buchstäblich zu Brei geschlagen. Seit Dienstag steht er wegen Totschlags vor dem Landgericht. Weil er nach einer angeblichen abfälligen Bemerkung über seine Schwester „nicht mehr aufhören“ konnte.

Schockierte Ersthelfer

Die Ersthelfer hätten „so etwas noch nie gesehen“, berichtete ein Polizist vom Tatort. Die Augenhöhlen zertrümmert, das Nasenbein zerstört, der Oberkiefer abgesprengt, der Unterkiefer und die Schädelbasis gebrochen, rund um den Kopf massive Schwellungen. „Verletzungen woanders am Körper gab es nahezu nicht, aber im Gesicht kaum unverletzte Bereiche“, schilderte Gerichtsmediziner Matthias Schubries. Er sprach auch von Anzeichen für ein Würgen am Hals. Gleichzeitig fehlten jegliche Abwehrverletzungen. Das Opfer müsse sehr schnell wehrlos gewesen sein.

Am Ende erstickte der Mann, der erst vor Tagen aus Polen gekommen war und mit Hauptschulabbrecher Michael M. in den Niederlanden eine Gelegenheitsarbeit gefunden hatte, an seinem Blut.

Der geständige Angeklagte räumt ein, Marcin R. zu Tode geschlagen zu haben. Beinahe zwei Stunden lang schilderte er gestern sein Leben, vorangegangenen Drogen- und Alkoholkonsum sowie zwei Schlägereien, derentwegen er bereits vor Gericht war.

Zur jüngsten Tat hat er gegenüber der Polizei den Zeitraum auf 15 Minuten geschätzt, in denen er wieder und wieder zulangte, sich den Schuh noch auszog, weil er gehört hatte, dass der sonst als Waffe gelte. Abdrücke von einer Schuhsohle gab es dennoch an der Leiche. Dass es ungefähr 15 Minuten gedauert hat, vermutete auch der Gerichtsmediziner. Ein Nachbar, der das stete Hämmern aus der Nebenwohnung für „Arbeiten am Boden“ hielt, sagte, dass das wohl 20 bis 30 Minuten so ging.

Bei all dem kannte Michael M. das Opfer kaum. Marcin R., den Neffen des Lebensgefährten seiner Mutter, hatte er gerade zum ersten Mal getroffen. Die beiden machten an dem Tag mit M.s Mutter Besuche bei vier Unternehmen, fanden tatsächlich eine Arbeit.

Doch als die beiden Männer am Mittag alleine in der Wohnung zurückblieben, da passierte es. M. zeigte dem späteren Opfer am Computer ein Bild einer dunkelhäutigen Freundin und fragte, ob er „auch mitkommen, Mädchen aufreißen“ wolle. So zumindest schildert Michael M., was der Auslöser war. „Zu Niggern gehe ich nicht“, zitierte er sein Opfer. Und: „Ich brauche keine Mädchen. Ich hatte deine Schwestern doch gestern schon.“ Mit der Vorstellung, der Mann könne sich an den 14-jährigen Zwillingen vergangen haben, sei die Sicherung durchgebrannt. Erst habe er dem 22-Jährigen eine verpasst, dann Schläge kassiert und schließlich die Oberhand gewonnen. „Der pädophile Wichser“, sagte er nach der Festnahme.

Keine Gegenwehr

Von einer starken Gegenwehr konnten jedoch die Ermittler weder an seinem Körper noch an den Händen des Opfers Spuren finden. Als die Mutter nach Hause kam und den Sohn rausschmiss, radelte der noch zu einer Freundin, zu seinem Vater und einer Schwester – und als die ihn alle nicht blutverschmiert hinein ließen, fuhr er zu seiner Wohnung. Wo er sich geduscht, umgezogen und den Schuh vom Blut befreit hatte, als es schließlich klingelte. Ungewöhnlich gelassen sei er gewesen, wie der Polizist gestern betonte.

Der Prozess wird am 15. Januar und 1. Februar fortgesetzt.

 
 

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