18 neue U3-Plätze entstehen an Kita St. Pius in Bedburg-Hau

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Bedburg-Hau.. Michaela Tenbieg hat sich die Gitarre geschnappt. Das Lied ist bekannt, die Kinder haben es mit ihr mehrfach geprobt. Die Erzieherin hebt kurz den Zeigefinger, schlägt die ersten Akkorde an. Während der Baukran an einem langen Seil den Kranz senkt, singen alle zusammen: „Wer will fleißige Handwerker sehen?“ Ein passender musikalischer Rahmen beim Richtfest für das neue Gebäude der Kindertagesstätte St. Pius in Bedburg-Hau.

„Die Kinder stehen jeden Tag am Zaun, um zu sehen, wie es vorangeht“, erzählt Tenbieg. 2010 wurden die Anträge für den Bau gestellt, der rund 324.000 Euro kostet. Den Großteil der Kosten tragen das Land Nordrhein-Westfalen und der Kreis Kleve. Mit rund 30.000 Euro ist die katholische Kirche als Träger beteiligt. Im vergangenen Oktober erfolgte die Grundsteinlegung, im kommenden Mai soll der Bau abgeschlossen sein. So entstehen insgesamt 18 neue Plätze für Kinder unter drei Jahren.

Die Probleme in der Betreuung sind aber damit nicht gelöst. Sie werden womöglich gar verschärft. „Denn es herrscht eine große Nachfrage an Ü3-Plätzen“, sagt Irmgardis Wanders, die Leiterin der Kindertagesstätte. Für viele Kinder über drei Jahren gebe es keine Plätze mehr.

„Das gesamte System ist gekippt“, meint Wanders. So hätten beispielsweise manche Eltern das jüngere Kind schon in der Tagesstätte untergebracht, fänden aber nun keine Möglichkeit, einen Platz für das zweite Kind zu finden, damit die Geschwister die Tagesstätte zusammen besuchen können. „Wir arbeiten an der Basis, doch die Politik läuft völlig an uns vorbei“, klagt Wanders.

Probleme im Betreuungssystem

Die Politik legt wegen des Rechtsanspruchs vor allem den Fokus auf den Ausbau der U3-Plätze. Aus den Kindern, die als unter Dreijährige in eine Einrichtung kommen, werden dort Ü3-Kinder. Wer jedoch später in das System einsteigen will, kommt in Schwierigkeiten. Denn bei den politischen Maßnahmen sind die älteren Kinder aus dem Visier geraten.

Die Anmeldefrist für die neuen Kita-Plätze endet am 31. Januar. Wanders sieht derzeit noch keine Lösung für die Betreuungsengpässe. „Es wird jedoch bald einen runden Tisch mit dem Träger geben, bei dem die Problematik besprochen werden soll“, sagt sie. Auch das Kreisjugendamt und Bürgermeister Peter Driessen sollen daran teilnehmen. Wanders fordert ein Umdenken: „Es werden nur die politischen und finanziellen Vorgaben umgesetzt. Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Das ist für uns wichtig.“

 

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