Zuschauer bei Tschick-Premiere in Herne begeistert

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Das Theater Kohlenpott aus Herne setzt unter der Regie von Frank Hörner mit „Tschick“ beim Publikum Kopfkino in Gang. Die Zuschauer belohnten das Ensemble bei der Premiere in den Flottmann-Hallen mit prasselndem Applaus.

Herne..  Die Inszenierung von „Tschick“ bleibt spannend bis zum Schluss und endet mit einer witzigen Überraschung, bei der die Flottmann-Architektur eine große Rolle spielt. So baden denn die Akteure des Schauspiels in einem Swimming Pool - und zugleich im prasselnden Applaus.

Der bekannte Jugendroman von Wolfgang Herrndorf hat seit 2010 viele Leser begeistert und auch berührt. „Tschick“ entpuppt sich auch auf der Bühne als eine Wundertüte der Erzählkunst, vollgepackt mit originellen Einfällen, Komik, Drama und ein bisschen Weisheit, eine schöne Kombination aus Schnoddrigkeit und Poesie.

Regisseur Frank Hörner setzt bei Flottmann die Bühnenfassung von Robert Koall um, und wie üblich beim Kohlenpott-Theater kommt die Inszenierung mit einem Minimum an Ausstattung aus. Sie bezieht aus spärlichen Mitteln mehr als genug Wirkung, um beim Publikum das Kopfkino in Gang zu setzen. Mehr noch: Auch auf der Bühne entwickelt dieses Roadmovie, angesiedelt im ostdeutschen Niemandsland jenseits von Berlin, eine Art von magischem Zauber.

Zwei Außenseiter auf Tour

Die skurrile Geschichte um zwei junge Außenseiter wird in der Rückblende erzählt, in Spielszenen werden einzelne Episoden der Reise im geklauten Lada auf der Bühne lebendig. Der wohlstandsverwahrloste Maik und der russischstämmige Klassenneuling Tschick beginnen ihre Sommerferien mit einer Fahrt, deren unbestimmtes Ziel die Walachei ist, die auch „Jottwehdeh“ heißen könnte. Sie begegnen auf dieser Tour ungewöhnlichen Menschen wie weltentrückten Öko-Freaks und einem traumatisierten Weltkriegs-Veteranen, sie erleben ungewöhnliche Situationen am Rand des Braunkohletagebaus, kommen bei einem haarsträubenden Unfall mit einem Schweinetransporter auf der Autobahn nur knapp mit dem Leben davon und landen schließlich vor Gericht. Am Ende sind die Außenseiter Freunde geworden und haben viel gelernt. Maik spricht ein großes Wort gelassen aus: Es gibt Schlimmeres als seine alkoholkranke Mutter. Und außerdem wartet seine neue verheißungsvolle Bekanntschaft um 17 Uhr an der Weltuhr in Berlin. Das Leben kann schön sein.

Auf der Bühne stehen Nils (Tschick) und Till Beckmann (Maik) im Mittelpunkt, und sie machen ihre Sache so gut, dass man die beiden am liebsten sofort noch einmal auf die Reise schicken möchte. Julia Rehn und Neven Nöthig gelingt es wunderbar, auch kurze Auftritte nachhaltig wirken zu lassen. Das Ensemble hat sich das abschließende Bad im Applaus verdient.

 
 

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