Zauberei nach Noten

Verwandelten die „Alte Druckerei“ in eine Jazz-Bar: Sven Bergmann, Klaus Kappmeyer, Christoph Freier und Jan von Klewitz (v.l.).Foto: Winfried Labus /Waz FotoPool
Verwandelten die „Alte Druckerei“ in eine Jazz-Bar: Sven Bergmann, Klaus Kappmeyer, Christoph Freier und Jan von Klewitz (v.l.).Foto: Winfried Labus /Waz FotoPool
Foto: Winfried Labus /Waz FotoPool

Herne.. Manche Musiker sind einfach Zauberer. Sie ziehen den Zuhörer in den Bann und lassen das Hier und Jetzt einfach vergessen.

So geschehen in der „Alten Druckerei“. Hier kreierten die Jazzmusiker Sven Bergmann (Piano), Jan von Klewitz (Saxophon), Klaus Kappmeyer (Bass) und Christoph Freier (Schlagzeug) eine Atmosphäre wie in einer Jazz-Bar.

Sven Bergmann schöpfte aus seinen Eigenkompositionen, die er in der Zeit seines Studiums bei Richie Beirach als „Hausaufgabe aufhatte“. Eben jener Beirach, der u. a. in den 70er Jahren mit Stan Getz tourte - War er es, der Sven Bergmann eine gewisse amerikanische, „jazzy“ Spielart beigebracht hat? „Als Solo-Pianist ist eigentlich Fred Hersch mein größter Einfluss,“ so Sven Bergmann.

Die Akustik des Raumes wusste Saxophonist Jan von Klewitz zu nutzen. Sein unverkennbares Gespür für Groove zeigte sich besonders in seinen Soli über Freiers grandios gestaltetem Rhythmus. Von Klewitz stellte seine Individualität unter anderem mit der Eigenkomposition „Capitano Palisano“ (rhythmisch und äußerst kurzweilig!) unter Beweis. Der Berliner Saxophonist, der in vielen Stilen zu Hause ist, zeigte sich ebenso von seiner funkigen, wie romantischen Seite.

Und auch Bergmann will sich auf kein Genre so richtig festlegen. Gewitzt und virtuos war seine Version von „Waltz for Debby“, dessen Taktart er kurzerhand ändert, um es mit seiner charakteristischen Tastenakrobatik noch ein bisschen gewitzter zu gestalten.

Und so gab es nach einem romantischen Jazzklavier auch mal Anklänge an den frühen Swing. In Sonny Rollins’ „Doxy“ unternahm der Tastenzauberer eine Reise zurück zu den Ursprüngen dieses Standards. Dieses geht auf Bob Carleton zurückgeht, und hat noch das typische Call und Response-Schema des Blues. Wie in einer Fuge griffen die Stimmen ineinander, und doch hätte man dazu den Charleston tanzen können!

Und à propos tanzbar: Der Groove von ihrem „Cantaloupe Island“ ist auf die Herrschaften des „Jazzabends“ sichtbar übergesprungen! Ein unglaublicher Abend, präsentiert von Wunderbar Records - besonders, wenn man dabei bedenkt, dass es zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Minuten bis zu dem Deutschlandspiel waren.

Pure Begeisterung!

 
 

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