Wo Schüler lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen

Atay, Merve und Ilker-Eymen (v.l.) üben die Stopp-Geste, die helfen soll, Konfliktsituation
Atay, Merve und Ilker-Eymen (v.l.) üben die Stopp-Geste, die helfen soll, Konfliktsituation
Foto: Bodemer
Schüler der Max-Wiethoff-Schule nehmen am Projekt „Gewaltfrei Lernen“ teil. Mit einfachen Mitteln sollen sie künftig Konflikte untereinander lösen.

Herne.  „Stopp Moritz! Lass mich los!“ Mit nach vorne gestreckter Hand und aufrecht stehend, sagen die Drittklässler diesen Satz mehrere Male hintereinander. Moritz Möller, Trainer des Projektes „Gewaltfrei Lernen“, zeigt den Schülern der Max-Wiethoff-Schule, wie sie sich in Alltagssituationen behaupten und Konflikte gewaltfrei lösen können. Das Anti-Konflikt-Training wird finanziell unterstützt von der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West, die zwei Drittel beisteuerte. Die restliche Summe sammelte die Schule über einen Sponsorenlauf.

In drei Einheiten à 90 Minuten lernen die Schüler, wie sie sich in Konfliktsituationen verhalten beziehungsweise wie sie diese schon im Vorfeld verhindern können. Auch die Lehrer trainieren die Übungen an zwei Nachmittagen. „Ziel ist es, dass wir alle eine Sprache sprechen“, erklärt Schulleiterin Ute Leipski. Wenn sich Schüler und Kollegium konsequent an diese Regeln halten, könne die Lernatmosphäre deutlich verbessert werden. „Die meisten Konflikte entstehen auf dem Schulhof. Das Training soll helfen, dass die Schüler künftig Konflikte untereinander kooperativ lösen können.“ Der Lehrer wird erst dann eingeschaltet, wenn die Kinder mit den Techniken nicht weiter kommen. Moritz Möller trainiert mit den Kindern, was sie den Lehrern in einem solchen Fall berichten sollen.

Sich behaupten können

In Zweiergruppen üben die Grundschüler, wie sie sich behaupten können oder sich gewaltfrei aus einem Griff lösen können. Immer wieder üben sie dabei Satzmuster, damit sie diese später ohne nachzudenken anwenden können. Dabei trainieren die Kinder immer mit anderen Partnern. „Sie sollen nicht nur mit der besten Freundin oder dem besten Freund üben, sondern lernen, mit unterschiedlichen Partnern gut zurecht zu kommen“, erklärt Jutta Himmel, stellvertretende Schulleiterin. Trainer Moritz Möller achtet darauf, dass Mädchen und Jungen im Team sind.

„Das Gute ist, dass das Training relativ spracharm ist und vor allem auf Bewegung ausgelegt ist, so dass auch Schüler mit Sprachbarrieren problemlos mitmachen können“, sagt Ute Leipski. Rund sechs Nationen sind an der Max-Wiethoff-Schule vertreten, darunter aktuell 25 Kinder aus Flüchtlingsfamilien. „Eure Körpersprache ist wichtig“, erklärt Moritz Möller den Schülern und führt die Übungen stets mit einem Schüler vor, bevor die Kinder miteinander üben.

Auch ein Elternabend gehört zum Projekt dazu

„Ich habe das Projekt schon drei Mal miterleben dürfen und finde es immer wieder interessant, wie die Kinder es machen“, sagt Stefan Tysbierek, Filialleiter Sparda-Bank West. „Es ist eine große Aufgabe, das im Alltag umzusetzen, was sie hier lernen.“ Denn idealerweise wenden die Schüler ihr Wissen nicht nur in der Schule an, sondern tragen es auch nach Hause. „Zum Projekt gehört auch ein Elternabend“, sagt Ute Leipski. „Die Resonanz war aber leider recht bescheiden. Das ist sehr schade, denn viele der hier gezeigten Elemente lassen sich hervorragend im häuslichen Alltag einsetzen – im Umgang mit Geschwistern beispielsweise.“

 
 

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