Wirtschaftsförderung Herne besteht seit 50 Jahren

In den 80er-Jahren entstand das erste moderne Gewerbegebiet auf dem Areal der Zeche Friedrich der Große. Im Vordergrund das Gründerzentrum.
In den 80er-Jahren entstand das erste moderne Gewerbegebiet auf dem Areal der Zeche Friedrich der Große. Im Vordergrund das Gründerzentrum.
Foto: waz
Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herne feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Die WAZ blickt zurück auf einige Stationen.

Herne..  Im August wird ein kleines Sommerfest stattfinden, bei dem die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet eine Urkunde überreichen wird - mehr Feierlichkeiten hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herne (WfG) nicht geplant. 50 Jahre wird sie alt. Auch wenn die WfG nicht viel Aufhebens um dieses Jubiläum macht, so sollte man ihre Bedeutung für die Entwicklung Hernes nicht unterschätzen. Ein Rückblick:

Gründungen haben ja stets einen mehr oder weniger langen Vorlauf. In Herne seien bereits in der 50er-Jahren erste Überlegungen in diese Richtung angestellt worden, blickt der heutige WfG-Chef Joachim Grollmann zurück. Der Impuls damals: Man suchte Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen abseits des Bergbaus, der damals die Stadt prägte, aber schon Krisensymptome zeigte. Zu den ersten Firmenansiedlungen gehörte Benkert im Jahr 1954. Allerdings stand einer dynamischen Stadtentwicklung ein großes Hindernis im Weg: Rund 61 Prozent der Flächen, die sich für Industriebetriebe eigneten, waren im Besitz der Bergbaugesellschaften.

Um die Arbeitsplatzverluste im Bergbau zu kompensieren und die Stadtentwicklung zielgerichteter zu betreiben, wurde 1965 die Wirtschaftsförderungsgesellschaft gegründet. Das Besondere: Die WfG war - und ist - ein GmbH. „Damit wollte man flexibler und schneller sein“, so Grollmann, „und nicht abhängig von Beschlüssen in Ausschüssen und Rat“. Als GmbH war die Herner Wirtschaftsförderung eine der ersten in Deutschland und Vorbild für andere.

Der erste namhafte Erfolg stellte sich 1967 ein - mit der Ansiedlung von Bosch-Blaupunkt, 1969 hatte das Unternehmen in Herne etwa 1700 Beschäftigte. „In den 60er-Jahren war die Wirtschaftsförderung eher so etwas wie ein Grundstücksmakler, quasi ein erweitertes Liegenschaftsamt“, beschreibt Grollmann das Profil der frühen Jahre. Dies änderte sich im Verlaufe der Jahrzehnte mit der sich verändernden Unternehmens-Struktur.

Diese Veränderung spiegelt sich in den 70er-Jahren in der Schließung der letzten großen Zeche Friedrich der Große (1978). Sie markiert den Beginn eines großen Aderlasses an Industriearbeitsplätzen. Wie dramatisch diese Entwicklung war, offenbart ein Blick auf die 90er. In nur wenigen Jahren gingen fast 9000 Arbeitsplätze in diesem Bereich in Herne verloren.

Die Wirtschaftsförderung versuchte gegenzusteuern - mit der Ausweisung neuer Gewerbegebiete, zum Beispiel an der Baukauer und der Castroper Straße. Mit FdG entsteht im Laufe der 80er-Jahre systematisch ein modernes Gewerbegebiet. Und die WfG setzt einen neuen Schwerpunkt: Mit der Eröffnung des Gründerzentrums gibt sie neuen, kleinen Firmen einen Ankerpunkt. 1996 folgt in dieser Hinsicht der zweite Schritt mit der Eröffnung des Innovations- und Gründerzen­trums am Westring.

Trends erkennen, Projekte anstoßen

„Fläche ist nicht alles“. Diese Formel hat für die WfG spätestens ab den 2000er-Jahren ihre Berechtigung - was auch damit zu tun hat, dass in der Stadt die Freiflächen langsam zur Neige gehen. Deshalb steht laut Grollmann die Bestandspflege im Mittelpunkt, um Firmen in Herne zu halten. Die Unternehmen hätten inzwischen auch eine andere Erwartungshaltung. Dienstleistung - zum Beispiel die Beratung bei Förderprogrammen - stehe stärker im Fokus. Außerdem gehe es darum, Unternehmen miteinander ins Gespräch zu bringen, Trends zu erkennen oder Projekte anzustoßen. Das jüngste ist die beabsichtigte Ansiedlung eines Forschungsinstituts in Herne.

Eine Bilanz zu ziehen ist schwierig - so hat Blaupunkt Herne 1992 endgültig wieder verlassen. Die Notwendigkeit der Wirtschaftsförderung sei aber auf jeden Fall gegeben, so Grollmann. Die Aufgabe hätte sich auch ohne die WfG gestellt, die Frage sei aber, ob sie so ohne die WfG zielgerichtet geschehen wäre.

 
 

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