Wirbel um Chefstelle der Herner Feuerwehr

Michael Muscheid
Sie hat das Verwaltungsgericht angerufen: Brandrätin Katharina Timm, stellvertretende Feuerwehr-Chefin in Herne.
Sie hat das Verwaltungsgericht angerufen: Brandrätin Katharina Timm, stellvertretende Feuerwehr-Chefin in Herne.
Foto: Haenisch / waz fotopool
Die stellvertretende Leiterin der Herner Feuerwehr, Katharina Timm, geht gegen die Besetzung des Chefpostens mit Andreas Spahlinger vor.

Wird Andreas Spahlinger wie geplant neuer Chef der Herner Feuerwehr? Gegen diesen Beschluss der Stadt geht Katharina Timm, stellvertretende Leiterin der Herner Feuerwehr, gerichtlich vor. Das bestätigt ihr Anwalt Thomas Heinrichs. Im Eilverfahren habe er vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen beantragt, die Besetzung der Stelle auszusetzen, bis über ihre eigene Bewerbung „rechtsfehlerfrei“ entschieden sei, sagte der Herner Jurist zur WAZ.

Zum Hintergrund: Weil der amtierende Feuerwehr-Chef Michael Benninghoff zum Jahresende offiziell ausscheidet, suchte die Stadt einen Nachfolger – mit Hilfe eines externen Dienstleisters, auf Neudeutsch „Headhunters“. Gefunden wurde der 50-jährige Spahlinger, den die Verwaltung vor 14 Tagen berief (die WAZ berichtete). Der Leitende Branddirektor ist Chef der Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule Rheinland-Pfalz.

Eine seiner Stationen führte ihn nach Bochum: Von 1997 bis 1999 war er bei der dortigen Feuerwehr unter anderem Abteilungsleiter Organisation und Rettungsdienst sowie zuständig für die Aus- und Fortbildung. Als Spahlinger vor zwei Jahren Leiter der Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule wurde, hob Roger Lewentz, Innenminister von Rheinland-Pfalz, die „beeindruckende Vita“ des dreifachen Familienvaters hervor.

Mit welcher Begründung Timm, die sich laut ihres Anwalts Heinrichs ebenfalls für den Posten als Feuerwehr-Chefin beworben hat, gerichtlich gegen die Besetzung der Stelle mit Spahlinger vorgeht, will der Jurist (noch) nicht sagen. Auch im Rathaus gibt man sich zugeknöpft: Die Stadt, so ein Sprecher zur WAZ, wolle keine Auskunft zum laufenden Verfahren geben.

Zeitplan sei wohl nicht zu halten, sagt der desginierte Feuerwehr-Chef

Der designierte Feuerwehr-Chef Spahlinger glaubt, dass sein geplanter Dienstantritt zum 1. Januar 2016 in Herne nun „nicht mehr zu halten“ sei. Dass Feuerwehr-Vize Timm das Verwaltungsgericht angerufen hat, kommentiert er so: „Es steht jedem offen, diesen Entscheid juristisch prüfen zu lassen.“

Im Gespräch mit der WAZ sagte er, dass er sich auf die Arbeit in Herne freue. „Die Praxis hat gerufen“, so der gebürtige Tübinger, der bereits in seiner Bochumer Zeit viele Einsätze geleitet habe. Nicht zuletzt habe er sich wegen der Mentalität im Revier beworben: „Ich schätze die Menschen im Ruhrgebiet mit ihrer offenen Art – das ist auch meine.“

Auch politisch war Spahlinger aktiv – als CDU-Vorsitzender in seiner Heimatgemeinde Dußlingen. Aus Ärger über den damaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Stefan Mappus, sei er aber aus der Union ausgetreten und heute parteilos.

SPD nennt Verfahren sauber, die Grünnen nennen es angreifbar

Wer hat im Rathaus den Vorschlag des Headhunters, Andreas Spahlinger zum Feuerwehrchef zu machen, abgesegnet? Darüber will die Stadt keine Auskunft geben – mit Verweis auf ein schwebendes Verfahren. SPD-Fraktionschef Udo Sobieski nennt das Verfahren sauber. Es gehöre zum originären Bereich des Oberbürgermeisters, einen Fachbereichsleiter zu bestimmen. Auch der Umstand, dass nach der Ausschreibung ein Headhunter beauftragt worden ist, sei durchaus vertretbar, so Sobieski zur WAZ.

Kritik am Verfahren äußert dagegen Dorothea Schulte, Fraktionschefin der Grünen. Zwar sei es richtig, dass die Stelle ausgeschrieben worden sei. Allein: Die Besetzung der Stelle sei „an der Politik vorbeigelaufen“. Gerade bei städtischen Führungspositionen sei es wichtig, die Gremien einzubinden. Denkbar sei etwa ein Personalberatungsgremium, das es früher schon einmal gegeben habe. So wie jetzt sei das Verfahren dagegen angreifbar.