Winkelmann und Beckmann reisen ins Dortmunder U

Till Beckmann und Regisseur Adolf Winkelmann (v.l.) präsentieren ihr gemeinsames Programm „Erst das U und dann das ganze Alphabet“  in der Alten Druckerei.
Till Beckmann und Regisseur Adolf Winkelmann (v.l.) präsentieren ihr gemeinsames Programm „Erst das U und dann das ganze Alphabet“ in der Alten Druckerei.
Foto: Haenisch / waz fotopool
Der Filmemacher Adolf Winkelmann hat seine abenteuerlichen Erfahrungen mit der Kulturbürokratie in einem Buch verarbeitet. Zusammen mit dem Schauspieler Till Beckmann hat er daraus eine unterhaltsame szenische Lesung entwickelt. Am Donnerstag, 23. Oktober, ist sie erstmals in der Alten Druckerei zu sehen.

Herne..  Am östlichen Rand des Ruhrgebiets steht eine Stufenpyramide. Einheimische nennen sie das „Dortmunder U“. Früher ist dort Bier gebraut worden, heute sind unter dem U der Union-Brauerei die Kunst und die kulturelle Bildung zu Hause. Der Dortmunder Regisseur Adolf Winkelmann hat im Auftrag der Stadt Dortmund an der Dachkrone die Filminstallation „U-Turm-Bilderuhr“ geschaffen. Welche Hürden er dabei zu überwinden hatte, schildert er mit Jost Krüger in „Winkelmanns Reise ins U“. Auf seinen Erfahrungen fußt auch die szenische Lesung am Donnerstag, 23. Oktober, um 20 Uhr in der Alten Druckerei.

Adolf Winkelmann tritt dabei an der Seite von Till Beckmann auf. Der Theater-Kohlenpott-Schauspieler und gebürtige Herner Beckmann hat mit Winkelmann den Abend gerade erst entwickelt, das Herner Publikum erwartet also eine Premiere. „Erst das U und dann das ganze Alphabet“ haben die beiden ihr Programm genannt.

Tauben über der Stadt

„Ich hatte die Idee, über den Dächern der Stadt Tauben anzusiedeln“, erklärt Adolf Winkelmann mit einem ironischen Lächeln, das sagt: So einfach war das nicht, bis die Kulturbürokratie überzeugt war. Im Mai 2010 war es dann tatsächlich so weit. Seitdem erscheinen, weithin sichtbar, die Tauben als Filmbilder in den Fenstern immer zur vollen Stunden - werktags Brieftauben, sonn- und feiertags weiße Tauben. Zwischendurch wechseln die Motive. So füllt sich der Raum hinter den Kolonnaden beispielsweise mit imaginärem Wasser oder mit Bier.

Was alles passierte, bis am Ende die Videoinstallation tatsächlich ihre Bilder versandte, soll an dem Abend in der Alten Druckerei in unterhaltsamer Form zum Besten gegeben werden. Ein Vortrag Adolf Winkelmanns wird von Till Beckmann immer wieder aufgebrochen, der als Bedenkenträger das Projekt des Künstlers zu torpedieren droht. Und davon gab es viele. „Denkmalschutz, Umweltschutz, Vogelschutz ...“, zählt Winkelmann auf. Ob seine LED-Leuchten die Stadt mit Licht verschmutzten, sei ebenso diskutiert worden wie die Frage, ob der Turmfalke, der dort genistet habe, vertrieben werden dürfe. Den Text begleitet ein „dokumentarischer Dia-Vortrag“, eine Art „Making of“. Auch ein Theaterstück gibt es übrigens inzwischen, es heißt wie das Buch „Winkelmanns Reise ins U“. „Ich fand das spannend zu erfahren, was für ein absurder Kampf gegen Windmühlen das war“, sagt Till Beckmann. Den zu führen, sei „fast schon eine buddhistische Übung“ und nur mit Humor auszuhalten.

Beckmann-Brüder und Winkelmann wollen „Junges Licht“ drehen

Neben der Lesung planen Beckmann und Winkelmann ein weiteres Projekt zusammen. Die Beckmann-Geschwister haben ein Faible für Ralf Rothmann. Als „Spielkinder“ haben Till, Nils, Maja und Lina Beckmann und Freunde dem Autor einen ganzen Abend gewidmet („Wenn du dich für die Freiheit entschieden hast, kann dir gar nichts passieren, nie“), gefeiert vom Publikum und der Kritik, passen doch die Texte über das Leben im alten Ruhrgebiet bestens zur entspannten szenischen Lesung der in Wanne-Eickel aufgewachsenen Geschwister. Jetzt soll ein Film folgen: „Junges Licht“, nach dem 2004 erschienen Roman Ralf Rothmanns. Aus der Sicht des Jungen Julian wird der Alltag in einer Bergarbeitersiedlung um 1960 erzählt.

Das Drehbuch haben Till und Nils Beckmann zusammen mit Adolf Winkelmann geschrieben, den sie mit einem handschriftlichen (!) Brief für das Projekt gewannen. „Wir sind da ganz naiv daran gegangen“, sagt Till Beckmann. Winkelmann war erst skeptisch, merkte dann aber: Das interessiert die wirklich. „Wir drehen den Film in den Sommerferien 2015“ sagt er und lacht, „wenn nichts dazwischen kommt“. Heißt: „Diese oder jene Million fehlt uns noch.“

Adolf Winkelmann, der zuletzt 2007 als Regisseur „Contergan“ für das deutsche Fernsehen gemacht hat, ist jedenfalls von dem Projekt überzeugt und ein paar Schauspieler auch: „Charly Hübner, Lina Beckmann, Peter Lohmeier und Ludger Pistor stehen bereit“, sagt Winkelmann. Jetzt müssten noch Fragen der Förderung und Finanzierung geklärt werden.

Momentan schaut der Regisseur nach geeigneten Drehorten: „Die 60er Jahre sind nicht so lange her, aber alles sieht anders aus.“ Selbst die Bergbausiedlungen sind nicht dieselben. „Obi sorgt dafür, dass jeder aus seiner Doppelhaushälfte etwas Absurdes macht“, sagt Winkelmann. „Es gibt kein altes Fenster mehr.“ Auch die hohen Bäume in den Siedlungen verderben den Nachkriegseindruck. Möglicherweise muss der Film deshalb auf eine gebaute Straßenkulisse zurück greifen.

Adolf Winkelmann, geboren 1946, wurde durch seine Ruhrgebietsfilme „Die Abfahrer“, „Jede Menge Kohle“ und „Nordkurve“ berühmt. Für das Fernsehen drehte er zuletzt „Das Leuchten der Sterne“ und „Contergan“.

Mit dem Klangkünstler Christof Schläger aus Herne wollte Adolf Winkelmann seine Video-Installation im Herbst eigentlich noch um eine akustische Dimension erweitern. Doch daraus wird wohl nichts. Dortmund sperre sich, erklärte Winkelmann.

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