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Redaktion
Von der Stadt in die Enge getrieben: die Linke-Fraktion im Ratssaal ganz rechts). Vorne (fast an der Wand): Linke-Ratsfrau Corinna Schönwetter.
Von der Stadt in die Enge getrieben: die Linke-Fraktion im Ratssaal ganz rechts). Vorne (fast an der Wand): Linke-Ratsfrau Corinna Schönwetter.
Foto: Ralph Bodemer
Von Attacken auf Ratsfraktionen durch die Stadt, atemlosen Haushaltsreden und den Erben von Jim Knopf und Lukas – der politische Wochenrückblick.

Herne.  Die Verwaltung pflegt in der Regel einen fairen Umgang mit den Ratsparteien. Hier mal ein kleines Ärgernis, dort mal eine zu große Nähe zur SPD – sonst gibt es wenig Klagen.

Das änderte sich am Dienstag schlagartig: In der Sitzung der Rats trieb die Stadt nämlich die Linkspartei regelrecht in die Enge!

Die vermeintliche Attacke erweist sich bei näherem Hinschauen allerdings als Versehen. Nach dem Neujahrsempfang im leeren Ratssaal ist offenbar beim Wiedereinräumen der hintersten Sitzreihen ein Tisch der Linkspartei - der von Ratsfrau Corinna Schönwetter - sehr nahe an die Wand gerückt. Mit der Folge, dass Linke-Fraktions-Chef Andreas Ixert große Probleme hatte, sich in der Haushaltsdebatte des Rats überhaupt den Weg zum Rednerpult zu bahnen. Nachtragend war er aber nicht und spendete am Ende seiner Rede OB Dudda ein (für Linke-Verhältnisse) sehr großes Lob für dessen Start.

Atemlos durch den Rat

Apropos Haushaltsdebatte im Rat: Die fiel trotz des einhelligen Tenors – Bund und Land müssen helfen – bemerkenswert aus. So vermittelte Grünen-Fraktions-Chef Thomas Reinke den Eindruck, einen neuen Rekord im Schnellvortrag aufzustellen. Atemlos hetzte er durch seine (zu) lange und das Thema Finanzen sprengende Rede, mit der der neue Fraktions-Chef und Ex-OB-Kandidat möglicherweise seine Ambitionen auf den inoffiziellen Titel des Oppositionsführers untermauern wollte. Während CDU-Chef Markus Schlüter sich auffällig intensiv dem (in der CDU umstrittenen) Thema Flüchtlingspolitik widmete, hielt sich der neue SPD-Fraktions-Chef Udo Sobieski in seiner ersten, sehr kompakten Haushaltsrede enger am eigentlichen Thema Finanzen. Abzüge gab es allerdings in der B-Note, sprich: durch den etwas holperigen Vortrag. Das Sahnehäubchen auf die Generaldebatte setzte schließlich Bernd Schroeder (Piraten-AL), der praktisch zum zivilen Ungehorsam, ja man kann fast schon sagen: zur Revolution gegen Land und Bund aufrief. Dass ihm die Piraten nach der Sitzung dafür den Ehrentitel „Che“ verliehen haben, ist aber nur ein Gerücht.

Jim Knopf lässt grüßen

Fragte man kleine Jungen in den 60er und 70er Jahren nach ihrem Berufswunsch, lautete die Antwort nicht selten: Lokomotivführer! Herne ist zwar nicht Lummerland, könnte aber künftig trotzdem dazu beitragen, dass Jim Knopf und Lukas im Herzen des Ruhrgebiets würdige Nachfolger finden und bei Kindern der fast vergessene Berufswunsch wieder auflebt: Oberbürgermeister Frank Dudda kündigte gestern in seiner 100-Tage-Bilanz an, dass die Verwaltung im Zuge der städtischen Ausbildungsoffensive ihrer Tochter Wanne-Herner Eisenbahn (WHE) vorschlagen will, wieder den zukunftsträchtigen Ausbildungsgang des Lokomotivführers anzubieten.