Wer zahlt für die Behandlung von verletzten Tieren?

Diese verletzte Krähe hat Mishe Schemmann aus Herne in ihrem Garten gefunden und zum Tierarzt gebracht. Der Tierarzt stellte eine Rechnung, die die Hernerin nicht bezahlen will. Foto: Schemmann
Diese verletzte Krähe hat Mishe Schemmann aus Herne in ihrem Garten gefunden und zum Tierarzt gebracht. Der Tierarzt stellte eine Rechnung, die die Hernerin nicht bezahlen will. Foto: Schemmann
  • Eine verletzte Krähe hat Mishe Schemmann in ihrem Garten gefunden
  • Sie brachte sie zum Tierarzt und erhielt später eine Rechnung über 174 Euro für die Einschläferung
  • Für die Behandlung von Fundtieren gibt es klare Regeln

Herne. Als sie eine verletzte Krähe in ihrem Garten fand, wollte Mishe Schemmann aus Herne eigentlich nur helfen. Nun hat sie eine Tierarztrechnung über 174 Euro erhalten. „Das finde ich eine Frechheit“, sagt die Hernerin. „Schließlich dachte ich, dass ein Arzt sich um verletzte Tiere kümmern muss. Und das kostenfrei.“

Schon oft habe sie verletzte Igel oder Tauben zu ihrem Tierarzt nach Herne gebracht, ohne etwas zu bezahlen. Da sie aber an dem Fundtag kaum Zeit gehabt hätte, habe sie das Tier auf dem Weg zu einem Termin nach Wattenscheid zu einem dort ansässigen Tierarzt gebracht. Dr. Finkenberg habe die Behandlung erst abgelehnt, sagt Mishe Schemmann. Daraufhin habe sie den Karton mit dem verletzten Tier abgegeben und ihn auf seine Behandlungspflicht hingewiesen. Als sie gefahren sei, habe der Arzt sich ihre Autonummer notiert und damit ihre Kontaktdaten von der Polizei bekommen, um die Rechnung auszustellen.

Krähe hatte offenen Flügelbruch

Als Mishe Schemmann sich die Rechnung angeschaut habe, sei sie aus allen Wolken gefallen. „Er hat unzählige Kostenpunkte berechnet: von der Euthanasie bis zur Entsorgung. Dabei war das nicht Sinn der Sache, er sollte das Tier retten und nicht aus Rache den Preis hoch treiben.“

Die Krähe war aber nicht zu retten, sagt Dr. Arnd Finkenberg. „Das Tier hatte einen offenen Flügelbruch und war in einem schlechten Zustand. Ich habe alles getan, was möglich war. Sonst hätte ich den Vogel in eine Auffangstation gegeben.“

Gesetz: Auftraggeber zahlt

Die Annahme, dass man kranke oder verletzte Tiere kostenfrei beim Arzt behandeln lassen könnte, sei in der Bevölkerung weit verbreitet, aber falsch, so der Arzt. „Der Auftraggeber bezahlt beim Tierarzt, wie bei allen anderen Sachen auch“, so Dr. Finkenberg. Das sei Gesetz, bei dem er aber auch mal Kulanz walten lassen würde. „Wenn Kinder mir ein verletztes Tier bringen, berechne ich natürlich nichts und bezahle das aus meiner eigenen Kasse. Aber wenn jemand mir so dreist einen Karton in die Praxis bringt und sagt ,Hier, behandel' den und dann weggeht, dann stelle ich natürlich eine Rechnung aus.“

Das sei auch sein gutes Recht, sagt Wolfgang Scheibel vom Tierheim Wanne. Auch, wenn 174 Euro ein bisschen viel für eine Krähe sei. „Wer ein Tier zur Behandlung beim Arzt abgibt, ist Auftraggeber und muss die Rechnung bezahlen.“

Hernerin hat einen Anwalt eingeschaltet

Eine schriftliche Einverständniserklärung oder Ähnliches gibt es dabei nicht abzuschließen. Mishe Schemmann hat nun einen Anwalt eingeschaltet, denn sie ist nicht bereit, die Kosten für eine erste Hilfe zu tragen.

Damit solche Missverständnisse nicht entstehen, rät Wolfgang Scheibel dazu, die Feuerwehr oder die Polizei zu rufen, wenn man ein verletztes Tier findet: „Es gibt Wildtiere, jagbare Tierarten oder auch geschützte Tierarten, bei deren Behandlung unterschieden werden muss. Die Feuerwehr weiß aber, wer für die jeweiligen Kategorien Ansprechpartner ist und vermittelt dann – auch gegebenenfalls an den Tiernotruf.“

Bei der Krähe, die zu den jagbaren Tierarten gehört, hätte in diesem Fall der Jagdausübungsberechtigte, sprich Förster, hinzugerufen werden müssen, der dann entscheidet, ob das Tier gerettet oder getötet werden darf.

 
 

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