Warum deutsche Auswanderer den Wilden Westen geprägt haben

Eckehard Koch in seinem Wohnzimmer in der Wanner Innenstadt. Der gebürtige Bayer arbeitet regelmäßig für die Karl-May-Gesellschaft.
Eckehard Koch in seinem Wohnzimmer in der Wanner Innenstadt. Der gebürtige Bayer arbeitet regelmäßig für die Karl-May-Gesellschaft.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Wanner Karl-May-Experte Eckehard Koch erforscht den Wilden Westen. Deutsche, sagt er, haben die Besiedlung Amerikas maßgeblich beeinflusst.

Der Wilde Westen Amerikas war geprägt von Deutschen. Das ist eine Kernthese des Wanner Historikers Eckehard Koch, der nicht nur das Wirken des im 19. Jahrhundert als Literatur-Star gefeierten und später geschmähten Schriftstellers Karl May erforscht, sondern auch die Geschichte der Neuen Welt. Koch über. . .

. . .Deutsche in Amerika

Die Geschichte der Cowboys und Indianer wäre wohl anders verlaufen ohne die deutschen Auswanderer, die in dem fremden Land zu großen Männern wurden. Koch hat darüber ein Buch geschrieben („Karl Mays Väter. Die Deutschen im Wilden Westen“), das zwar schon einige Jahre alt, aber im Internet nach wie vor erhältlich ist.

Darin hat er etwa die fantastische Geschichte des Henry Wickenburg aufgeschrieben: 1817 in Essen-Holsterhausen geboren, ein bis heute bekannter Goldsucher in Arizona. 1863 stieß er auf eine Ader, gründete die größte Mine Arizonas, wurde so zu einem reichen Mann. 1890 jedoch, so hat es Koch recherchiert, wurde seine Ranch während einer Flut zerstört, „Wickenburg war danach traumatisiert, er soll 1905 Selbstmord begangen haben“. Heute tragen eine Straße in Essen und eine Kleinstadt in Arizona seinen Namen.

Auch andere Deutsche wurden zu verblassten Legenden. Da ist der Badener Al Sieber, Soldat im amerikanischen Bürgerkrieg und Kundschafter für das Militär. „Er wurde aus dem Dienst entlassen, weil er sich zu sehr für die Indianer eingesetzt hat“, so Koch. Oder der Pfälzer Johann Conrad Weiser, der sich um 1740 im Staat New York mit einem mächtigen Irokesen-Häuptling namens Shikellamy anfreundete – sozusagen eine reale Vorlage für Karl Mays Romane um Winnetou und Old Shatterhand. Letzterer ist den Büchern nach ebenfalls Deutscher und arbeitete zunächst als Hauslehrer und Landvermesser, bevor er zum „Westmann“ wurde.

. . .die Kritik an Karl May

„In seinen letzten Lebensjahren“, sagt Eckehard Koch, „hat sein Nimbus sehr gelitten.“ May (1842 - 1912) tat zuweilen so, als sei er Old Shatterhand, trat in dessen typischem Lederfransen-Kostüm auf. Und behauptete, 40 Sprachen zu sprechen. Koch: „In seinem Innersten war er ein Hochstapler. Aber auch ein genialer Schriftsteller.“

. . .Mays Vermächtnis

Vielen Ureinwohnern ist May noch heute ein Begriff. Sie rechneten es den Deutschen an, dass May die Indianer nicht als Wilde darstellte. „Bei ihm waren alle Menschen gleichberechtigt“, sagt Koch. „May ist gegen Kolonialismus eingetreten. Das ist heute noch aktuell.“

 
 

EURE FAVORITEN