Wanne-Eickel ist Basis für Notfallkräne der Deutschen Bahn

Namensgebung mit Hintersinn: „David“ hat das Team den 75-Tonnen-Kran getauft. Ernst-Dieter Reck kennt jede Schraube und jeden Hebel.
Namensgebung mit Hintersinn: „David“ hat das Team den 75-Tonnen-Kran getauft. Ernst-Dieter Reck kennt jede Schraube und jeden Hebel.
Foto: Ralph Bodemer
Der Hauptbahnhof Wanne-Eickel ist eine Basis für Notfallkräne der Deutschen Bahn. Damit werden bei Unfällen Waggons oder Lokomotiven gehoben.

Herne.. Still schlummern die roten Riesen vor sich hin. Beinahe wie in sich zusammengesunken ruhen die Ungetüme auf den Schienen - weitab von den Personen- und Güterzügen, die in den Hauptbahnhof Wanne-Eickel ein- und ausfahren. Doch das heißt längst nicht, dass sie auf dem Abstellgleis stünden. Das Gegenteil ist der Fall: Die beiden Kräne - samt ihrer Einsatzwagen - sind unerlässlicher Bestandteil im Notfallmanagement der DB Netz AG. An drei Bahnhöfen in Deutschland sind diese Kräne für den Fall der Fälle stationiert: In Leipzig, in Fulda - und in Wanne-Eickel.

Die Notfalleinheit rückt bei den unterschiedlichsten Schadensfällen aus. Das können Unfälle mit entgleisten Waggons oder Lokomotiven sein - ja, auch bei den großen Katastrophen, etwa in Eschede kamen die Notfallteams zum Einsatz. Die Einsatzbandreite umfasst aber auch Ereignisse, bei denen gefährliche Stoffe austreten, oder die Verladung von Castorbehältern.

Traglast von bis zu 150 Tonnen

Liest man eine Meldung von einer Entgleisung, ist es sehr wahrscheinlich, dass Kraneinsatzleiter Ernst-Dieter Reck und sein sechsköpfiges Team zur Stelle sind. Es ist erst zwei Wochen her, als sie in Duisburg einen Waggon bergen mussten.

„Wenn wir anrücken, bleibt nichts liegen“, sagt Reck. Er spricht aus seiner langjährigen Erfahrung, seit 1985 sitzt er an den Hebeln der Kräne. Der „kleine“ hat eine Traglast von 75 Tonnen, der große von 150 Tonnen. Heißt: Der große kann eine Lokomotive hoch hieven. Ein echtes Kraftpaket.

Team reist mit Schlafzimmer und Bad an

Hat die Wanne-Eickeler Mannschaft Bereitschaftsdienst, muss sie „von jetzt auf gleich“ losfahren können. Allerdings lautet die Übersetzung für „von jetzt auf gleich“: zwei Stunden. Das hat seinen Grund. Erstens verfügen die Notfallzüge nicht über eine eigene Lok, die muss erst bei DB Schenker Rail geordert werden. Was in Wanne-Eickel schnell gehen kann, weil der Güterbahnhof in Sichtweite ist. Daneben muss für die Eingreiftruppe eine Art Fahrplan erstellt werden, denn mit ihrem riesigen Gewicht können die Kräne nicht jede Strecke fahren.

Man wisse nie, was einen erwartet, beschreibt Reck die Aufgabe. Deshalb rückt das Notfallteam immer mit dem eigenen „Wohnzimmer“ und der eigenen „Werkstatt“ aus. Das heißt: In einem Waggon hat jedes Teammitglied eine eigene Kammer mit Bett und Waschmöglichkeit, eine Küche ist ebenso vorhanden wie eine Art Aufenthaltsraum. Die Werkstatt ist mit allerhand Utensilien - zum Beispiel Seilen und Ketten - ausgerüstet. So können die Spezialisten für eine ganze Weile selbstständig agieren...

...doch schöner wäre es, wenn die Kräne weiter vor sich hin schlummern könnten.

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