Wananas ist abgebrannt

Ein Brand hat das Freizeitbad „Wananas" in der Nacht zu Donnerstag zerstoert. Foto: Volker Hartmann/dapd
Ein Brand hat das Freizeitbad „Wananas" in der Nacht zu Donnerstag zerstoert. Foto: Volker Hartmann/dapd
Foto: dapd

Wanne.. Weißer Rauch steigt von den letzten Brandnestern auf und vermischt sich schnell mit den frühmorgendlichen Nebelschwaden, die über dem Wananas liegen – über dem, was einmal das Wananas war. Das beliebte Freizeitbad gibt es nicht mehr. Es liegt in Schutt und Asche. Ein verheerender Brand hat das Wananas in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag völlig zerstört. Da ist nichts mehr zu retten.

Immerhin: Das Chlorgas-Lager des Bades ist von der Feuersbrunst verschont geblieben. „Den 20 Chlorgas-Flaschen galt auch unser Hauptaugenmerk“, sagt Uwe Windener, Einsatzleiter der Feuerwehr, die mit 70 Kräften vor Ort war. Als der Löschzug der Wanne-Eickeler Wache kurz vor 2 Uhr als erster eintraf, tobten die Flammen – vor allem genährt durch die Holzkonstruktion der Schwimmhalle – so fürchterlich, dass den Profis sofort klar wurde: Hier konnte es nur noch um Schadensbegrenzung gehen.

„Ein Innenangriff war nicht möglich, also haben wir den Brand von außen, von allen vier Gebäudeseiten, bekämpft“, berichtet Windeners Kollege Andreas Wolter, der zu den ersten gehörte, die um 1.44 Uhr durch Anwohneranrufe alarmiert wurden. Glück im Unglück: Die Chlorgas-Flaschen lagerten in dem vom Eingangsbereich aus gesehen vorderen Gebäudetrakt, in welchem sich auch die Umkleiden befinden. Dieser lag abseits des Brandzentrums. „Und natürlich haben wir diesen Bereich sofort gekühlt, um Schlimmeres zu verhindern“, erläutert Andreas Wolter. Schlimmeres – das hätte die Wanner Bürger und vor allem die direkten Anwohner der Straße Am Freibad treffen können, wenn das giftige Chlorgas freigesetzt worden wäre. Und nicht zuletzt die Druckwelle der unter Druck befüllten Gasflaschen hätte die Anwohner im Fall einer Explosion gefährdet. Dass es nicht dazu kam, dass überhaupt nicht ein einziger Mensch beim Brand und seiner Bekämpfung verletzt wurde, ist dann auch das Wesentliche, das Oberbürgermeister Horst Schiereck gestern Mittag als „das einzig Positive an der Sache“ hervorhob. Bei der Pressekonferenz, zu der er ins Rathaus geladen hatte – nicht ohne sich selbst zuvor vor Ort ein Bild vom Ausmaß des Unglücks gemacht zu haben, konstatierte Schiereck: „Es war auch ein glücklicher Umstand, dass das Gebäude solitär gestanden hat.“ Direkt angrenzende Häuser wären sicher mitbetroffen gewesen. So aber bleibt der Schaden auf das Wananas beschränkt. Das wenige Meter entfernt stehende Gebäude des Boxrings Unser Fritz blieb völlig unversehrt.

Auf die Schadenshöhe angesprochen, nannte der OB eine Summe von etwa 3,5 Millionen Euro. Er geht davon aus, dass sich die zu erwartende Zahlung der Versicherung in dieser Größenordnung bewegen werde. Gleichzeitig aber stellte Schiereck klar: „Ein Wiederaufbau zu diesem Zeitwert-Betrag ist natürlich nicht möglich.“ Gleichwohl versprach er: „Wir werden ein Ersatzbad bauen.“ Aber das wird in Zeiten klammer Kassen schwierig und muss erst durch die parlamentarischen und sonstigen Instanzen. Der OB: „Das Wananas ist auf jeden Fall erst einmal mindestens zwei Jahre vom Markt.“

Über die Brandursache gab es gestern noch keine Erkenntnisse. Polizeipressesprecher Volker Schütte sagte: „Unsere Sachverständigen werden den Fall untersuchen, sobald sie ins Gebäude können.“

Mit der Zerstörung des Wananas’ – 1994 für 14 Mio D-Mark errichtet – ist nicht nur verbunden, dass die Gäste sich nun nach einer Alternative umsehen müssen. Auch die Mitarbeiter des Bades müssen den Verlust verkraften. Diesen 43 Festangestellten, 31 davon in Voll- und weitere 12 in Teilzeitbeschäftigung galt denn auch der erste Gedanke von Norbert Breitbach, dem Geschäftsführer der Herner Bädergesellschaft, als er von dem Unglück erfuhr. „Die Verantwortung für die Belegschaft ist das Gefühl, was mich momentan am meisten bewegt“, sagte er gestern. Sein Kollege Jörg Kämper, bei der Gesellschaft fürs Kaufmännische zuständig, kündigte an, man werde Urlaubstage und Freizeitausgleiche nutzen, um Zeit zu gewinnen, Lösungen zu finden. Eine nahe liegende Option sei natürlich, Mitarbeiter in anderen Bädern – im Lago oder im Südpool – unterzubringen.

 
 

EURE FAVORITEN