Wallbaum: Wir stoßen an Grenzen

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Am Dienstag ist Tag des Hospizes. Über die Situation des Lukas-Hospiz in Herne sprach aus diesem Anlass die WAZ mit Anneli Wallbaum, Leiterin der Einrichtung von der Jean-Vogel-Straße.

Herne.. Am Samstag laden Sie anlässlich des Deutschen Hospiz-Tages, der Montag stattfindet, zum Liederabend mit Lagerfeuer in den Hospiz-Garten ein. Wie kommt man auf so eine Idee?

Wallbaum: In den meisten Hospizen wird anlässlich dieses Tages etwas Besonderes veranstaltet. Viele Menschen haben beim Kontakt mit unserem Haus die Musik und den Gesang, den eine unserer Kolleginnen anbietet, als sehr wohltuend empfunden. Sie musiziert viel mit den Gästen, und gerade das alte Volksliedergut kommt gut an, weckt Erinnerungen, entspannt. Neben dem Gitarrenchor Hochlarmark wird Frau von der Beck den Abend musikalisch begleiten.

Wer ist für Samstag eingeladen?

Eingeladen sind schriftlich die Angehörigen, die im letzten Jahr jemanden bei uns begleitet haben, die Veranstaltung wurde in den Medien angekündigt, und natürlich unsere Gäste und ihre Lieben sowie Mitarbeiter und Freunde. Mitzubringen sind eine Decke, Appetit und Sangeslust.

Wie steht es um die Finanzsituation des Lukas-Hospiz?

Hopize in Westfalen-Lippe kämpfen seit Jahren um bessere Vergütungen. In Bayern und Hessen gibt es nach meiner Kenntnis fast kostendeckende Sätze. Hier in Westfalen-Lippe müssen in der Regel über 30 Prozent der Kosten aus Spenden und anderen Mitteln des Trägers zugeschossen werden. Bei uns sind das fast 400 000 Euro. Der Gesetzgeber verlangt nur eine Beteiligung von 10 Prozent.

Was muss sich ändern?

Die Kassen müssen bei den Verhandlungen die tariflichen Zahlungen an unser Personal und die tatsächlichen Sachkosten akzeptieren. Sie müssen akzeptieren, dass der Gesetzgeber nur eine Zuzahlung von 10 Prozent will. Allein bei den Personalkosten hat sich die Kostenschere in den letzten vier Jahren um fast neun Prozent geöffnet, weil die Kassen die Personalkostenentwicklung nicht anerkannt haben. Erst ab dem Jahr 2011 sind neutrale Schlichtungsverhandlungen möglich. Hier muss der Gesetzgeber aber auch noch klare Vorgaben machen, zum Beispiel bei der gerechtfertigten Größe von Betriebsflächen. Aus diesem Grund haben wir uns jetzt mit einer Petition an den Landtag NRW gewandt.

Was ist mit der Größe der Betriebsflächen?

Die Kassen berufen sich für den Raumbedarf der Hospize auf eine Verordnung, die für Pflegeheime gilt und wollen nicht mehr Quadratmeter pro Bett anerkennen als dort, nämlich 50 Quadratmeter pro Bett. Bei einer Einrichtung mit 80 bis 100 Betten ist das richtig, wegen der geringen Größe unserer Einrichtung mit zehn Betten ist das nicht machbar. Die Nebenräume für Heizung und Technik, Lager und Unterbringungsmöglichkeiten für Angehörige lassen sich nicht auf 500 Quadratmeter einrichten. Im Übrigen: Die anrechenbare Grundfläche ist auch wichtig für die Berechnung der Investitionsfolgekosten.

Reichen die Spenden, die Sie bekommen?

Unser Spendenaufkommen wird 2013 bei ungefähr 100 000 Euro liegen. Also müssen der Förderverein und die Gesellschafter einspringen. Die Unterstützung, die wir durch die Menschen in Herne und Umgebung erfahren, ist großartig. Wir stoßen aber schon an Grenzen. Deshalb können wir bei der Spenden- und Mitgliederwerbung nicht nachlassen.

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