Vorwurf: Herner Aussichtsplattform ist Steuerverschwendung

Vor einem Jahr wurde die fünf Meter hohe Aussichtsplattform auf der Plutohalde in Bickern eingeweiht. Von dort aus haben die Besucher einen weiten Blick übers Ruhrgebiet.
Vor einem Jahr wurde die fünf Meter hohe Aussichtsplattform auf der Plutohalde in Bickern eingeweiht. Von dort aus haben die Besucher einen weiten Blick übers Ruhrgebiet.
Foto: WAZ FotoPool
Für den Bund der Steuerzahler ist der Bau der Aussichtsplattform auf der Pluto-Halde Steuerverschwendung. Haldeneigentümer RVR sieht das ganz anders.

Ein klarer Fall von Steuerverschwendung! So bewertet der Bund der Steuerzahler (BdSt) in seinem jetzt vorgestellten „Schwarzbuch“ die für 120 000 Euro errichtete und 2014 eingeweihte Aussichtsplattform auf der Plutohalde in Bickern. Haldeneigentümer Regionalverband Ruhr (RVR) sieht das ganz anders. Und auch ein früherer Kritiker des Bauwerks springt dem RVR zur Seite.

„Ein Bürger hat uns den Hinweis gegeben“, sagt Bärbel Hildebrand vom BdSt-Landesverband auf Anfrage. Sie habe sich vor Ort selbst ein Bild gemacht. Das Ergebnis der Recherche: Im „Schwarzbuch“ schreibt sie, dass die fünf Meter hohe Aussichtsplattform auf dem Gipfel der Halde „sinnlos“ sei, weil man von dort aus auch nicht mehr sehe als vom Fuße des Bauwerks.

Dem widerspricht Günter Nierstenhöfer (Piraten): „Man kann auf der Plattform sehr wohl mehr sehen“, sagt der Wanner Bezirksverordnete. Der Politiker war in der Planungsphase Kritiker dieser zu 50 Prozent von der EU, zu 30 Prozent vom Land und zu 20 Prozent vom RVR finanzierten „Landmarke“. Die Baukosten erscheinen ihm zwar auch heute noch etwas hoch, doch seine Meinung über die Sinnhaftigkeit hat er geändert: „Die Aussichtsplattform ist positiv für die Bürger - auch in Verbindung mit dem ausgebauten Wegenetz.“

Und auch der von der Steuerzahlerlobby kritisierte Bauherr verteidigt die Investition. „Wir stehen voll hinter der Plattform und erhalten auch von vielen Bürgern positive Resonanz“, sagt RVR-Sprecher Jens Hapke. Und RVR-Bereichsleiter Ulrich Carow betont: „Die Aussichtsplattform ist ein attraktiver Zwischenstopp auf der beliebten und intensiv genutzten Erzbahntrasse.“ Außerdem seien diese Bauwerke wichtige Gestaltungselemente beim Ausbau der Halden zu touristischen Landmarken.

Gefordert: Ergänzung durch Info-Tafeln

Einen Verbesserungsvorschlag gibt es aber sehr wohl: Günter Nierstenhöfer hat bereits in der Bezirksvertretung Wanne angeregt, die Aussichtsplattform durch Info-Tafeln zu ergänzen. „Selbst Einheimische sind kaum in der Lage, das Gesehene richtig einzuordnen.“

Wie berichtet, hatte der RVR für ursprünglich noch ganz andere Pläne: Eine 4000 Quadratmeter große Spiel- und Sportlandschaft sollte auf der Halde entstehen. Umweltschützer um Hiltrud Buddemeier protestierten daraufhin erfolgreich gegen diesen Eingriff in das Naturschutzgebiet.

 
 

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