Von Politik und Christentum

Franz Müntefering spricht zur Eröffnung der Reihe „Churchchill“ in der voll besetzten Alten Druckerei. Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
Franz Müntefering spricht zur Eröffnung der Reihe „Churchchill“ in der voll besetzten Alten Druckerei. Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
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Franz Müntefering sprach über seine Kindheit im katholischen Sauerland und seine Erfahrungen in Bezug auf Politik und Religion. Er definierte christliche Werte und gab dem Publikum einen Einblick in seine Einstellung zu diesem Thema.

Herne. Die Alte Druckerei an der Bebelstraße ist gut gefüllt. Rund 100 Menschen haben sich auf den Stühlen im Zuschauerraum eingefunden. Einige bedienen sich noch am Buffet mit Fingerfood und Sekt. „Churchchill – genießen und denken in christlicher Atmosphäre“ unter diesem Motto steht der Freitag abend. Franz Müntefering sitzt mit Gattin in der ersten Reihe. Er wird zum Thema „Christliche Werte in der Politik“ sprechen.

„Wo sehen sie ihre Heimat?“, fragt Pfarrer Michael Brandt Franz Müntefering in einem Einstiegsinterview, „in Berlin, in Herne oder im Sauerland?“. Müntefering überlegt nicht lange. „Im Sauerland, immerhin bin ich dort aufgewachsen“, sagt er. „In Herne und Berlin bin ich aber auch sehr gern“, fügt er schnell hinzu.

Müntefering beschränkt sich in seinem Vortrag nicht auf das Thema, das der Titel vorgibt. Er spannt den Bogen viel weiter. Er erzählt dem Publikum von seiner Kindheit in Neheim, im heutigen Arnsberg. „Meine Mutter war erzkatholisch.“ Als Katholik war Franz Müntefering in seiner Heimat erst Messdiener, dann Pfarrjugendführer. Der 1940 geborene Politiker erklärt, wie sich die religiöse Ausprägung in der Politik über die Jahre geändert hat und wie er selbst die Auswirkungen in seiner Kindheit zu spüren bekam. „Wir hielten in meiner Kindheit im Sauerland große Familientreffen ab. Ich hatte einen Zentrums-Onkel und einen CDU-Onkel. Die fingen immer an sich zu streiten. Wenn dann noch Schnäpse ins Spiel kamen, mussten die Frauen Wandervogellieder singen, um die beiden wieder zu beruhigen.“

Trotz katholischen Hintergrunds erklärt Müntefering, dass christliches oder solidarisches Handeln nicht an den Glauben gebunden ist. „Gibt man einem Hungernden eine Schüssel Reis, so ist es ihm egal, ob er das Essen von einem Christen, oder einem Konfessionslosen erhält.“ Er habe jahrelang mit Politikern zusammengearbeitet, ohne zu wissen, ob oder an was sie glauben. Er nimmt Bezug auf das Grundgesetz. Die Würde des Menschen sei unantastbar und jedem Menschen solle die Möglichkeit gegeben werden, sich als Individuum frei zu entfalten. „Die Politik hat die Aufgabe, angemessene Lebensbedingungen zu ermöglichen, nicht aber zu garantieren.“ So müsse der Einzelne Verantwortung für sich selbst übernehmen, nur so sei ein harmonisches Auskommen in der Gesellschaft möglich. „Du erreichst Ziele nicht, indem du davon träumst“, sagt Müntefering. Man solle sich einbringen. Parteien seien da nicht die einzige Möglichkeit. Zu viele Deutsche säßen auf ihrer Tribüne und beschwerten sich über die Missstände, ohne diese aber aktiv zu ändern.

Nach dem Vortrag beantwortet Müntefering noch einige wenige Fragen aus dem Publikum und Superintendent Rimkus beendet den Abend mit einem Segen..

 
 

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